andreas-altmann-dies-beschissen-schoene-lebenDieses Buch Andreas Altmann. Dies beschissen schöne Leben, brachte mich so oft zum Schmunzeln. Nicht, weil die Geschichten dort so humorvoll waren. Nein, mein Schmunzeln kam, da ich mich immer wieder an verschiedenen Stellen wieder erkannte. Immer etwas getrieben. Die eine Liebe gibt es nicht. Aber doch die Liebe zu Büchern. Die einzig Wahre überhaupt.

„Denn ab jetzt galt es zwei Süchte, zwei Sehnsüchte, zu stillen: die alte Lust auf den Kick und die brandneue auf gebundene Buchdeckel. Ausleihen kam nicht Frage. Ich hatte mir umgehend angewöhnt , Anmerkungen an den Rand zu kritzeln, Wörter zu unterstreichen, meinen eigenen Senf zu hinterlassen. Was für eine schwachsinnige Rationalisierung. Was zählte, war-genauso- das immer wieder begeisterte Hinsehen auf eine rasch wachsende Bibliothek. Ich fing an zu begreifen, dass Bücher als Wächter gegen Schwächeanfälle und Feinheiten taugten, als Heilkraut gegen Schrammen täglicher Bosheiten, als Flammenwerfer gegen die Verwüstungen einer vollkaskoversicherten Windel Gesellschaft.
Ein von Lustgefühlen begleiteter Teufelskreis begann. Sobald ich Papier sah, fing ich Feuer. Und um diese Feuer zu löschen, benötigte ich wiederum Papier, viel Papier, viele Bücher. „(S.58)

„Ich lernte hungern, genauer noch effizienter zu hungern. Lieber den Körper schinden als diesen Bücherwahn in Gefahr zu bringen.“ (S.62)

„Ein Dilemma für alle erotisch anrührbaren Bücherwürmer. Ein formschön gewachsener Körper, der Wohlgeruch und Geheimnis verspricht, ist mindestens so verlockend wie ein formschön-geheimnisvolles Buch“ (S.72)

Ich las diese Zeilen aus der Geschichte: „Der Dieb/Eine Liebesgeschichte“ (S.52) Für mich wunderbar. Jede Zeile könnte nicht passender sein. Andreas Altmann hat es in dieser Geschichte geschafft, wie kein anderer Autor zuvor die Liebe zu Bücher zu beschreiben. Allein diese Tatsache macht das Buch schon lesenswert. Und sicher habe ich aus der Geschichte nicht alles verraten.
Aber Andreas Altmann nimmt uns mit diesem Buch an verschiedene Orte. An Orte die schön sind oder an Orte die dunkel sind und auch einen schmerzlichen Verlust mit sich bringen. Das Buch handelt von der süßlichen Bitterkeit des Lebens. Geschichten die wir alle mal erlebten oder die wir nie kennenlernen wollen.
Ich hatte das große Glück Andreas Altmann bei einer Lesung zu erleben. Genau über dieses Buch. Ein faszinierender Autor. Ganz anders. Ein Wort-und Sprachliebhaber. (Diese gibt es leider zu selten)

Mich bewegte die Geschichte „Celeste“ über die Freiheit. Ja, über das Kommen und wieder gehen. Wieder gehen müssen. Ich war gerührt als er von einem Freund erzählte, der durch einen Schuss aus dem Leben gerissen wurde. Das Hospiz in dem er vorübergehend arbeitete. All das bewegt. Ich war getrieben wie er und musste dieses Buch lesen. Es ist für getriebene Bücherwürmer, Leseratten, Büchereulen, für Freigeister und für allgemeine Liebhaber guter Worte ein wunderbares Buch. Denn für mich ist Andreas Altmann der Teufel der Worte. Denn Gott passt nicht. Zu brav, zu konservativ, zu ungetrieben und zu unrauhbeinig. Lesen!

Andreas Altmann. Dies beschissen schöne Leben. Piper-Verlag. München 2013.  256 S. 

Andreas Altmann. Dies beschissen schöne Leben.

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2 Kommentare zu “Andreas Altmann. Dies beschissen schöne Leben.

  1. Madleen sagt:

    Hallo liebe Gedankenlabyrintherin!
    Gerade habe ich diesen Blog endeckt (obwohl es müssen schon ein paar Stunden sein) und konnte nicht aufhören zu lesen. Viele Buchtitel fanden ihren Weg in mein Notizbuch – dafür erst mal vielen Dank!
    Ich war sehr berührt von deiner unkonventionellen Art über Bücher zu schreiben. Es ist erfrischend aber auch sehr berührend mal Leseerfahrung so persönlich, emotionsreich und gedankenvoll zu erleben. Dass wir da in unseren Ansprüchen an gute Bücher übereinstimmen ist da ein weiterer Pluspunkt und ein Grund, warum ich viele Titel in meine To-read-Liste aufgenommen habe. Auch mich müssen Bücher catchen, berühren, nicht nur gut sein. Und dein Motto: Die Gedanken, die umherirren. Sich zu Gedichten oder vielen Zeilen bilden. Die Bücher, die im Kopf bleiben. -> spricht mir aus dem Herzen!
    Normalerweise bin ich eher stille Blogleserin, aber dein Blog war so berührend, dass ich dir diese Gedanken dalassen möchte. Mach weiter so! Der Button Folgen ist längst gedrückt, ich freue mich diesen Blog gefunden zu haben!
    Liebe Grüße
    Madleen

    • Liebe Madleen, wie wunderbar. Vielen Dank für deine Zeilen, die du hinterlassen hast und viel Spaß beim weiterlesen. Schreib ruhig mal wie du das ein oder andere Buch fandest. Herzlich, die Gedankenlabyrintherin.

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