Drei Tage. Drei Bücher. Drei wichtige Dinge. Drei Gedanken.

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Heute ist Sonntag. Mein letzter freier Tag. Ich brauche immer etwas um mich einzufinden in den Urlaub. Aber wie immer ist es so, dass ich jetzt gerade darin ankomme und nun sind die freien Tage vorüber.
Dabei würde ich gern ab und zu einige Seiten in Das Achte Leben von Nino Haratischwili lesen, dann die anderen Bücher so ganz ohne Zeitplanung.

Ich habe viel gelesen, viel geschrieben, war im Theater, schaute zwei gute Filme.

Ein wenig enttäuscht war ich beim Auslesen von Olga Grjasnowa. Die juristische Unschärfe einer Ehe. „Der Russe ist einer, der Birken liebt“ ist für mich literarisch schöner. Wie in schon einigen anderen Rezensionen erwähnt, ist das „juristisch“ in diesem Fall mehr Schmuckwort als Inhalt. Es ist dennoch ein gutes Buch. Aber für mich eines der Bücher, die nicht absolut in meine Buchwelt eingeschlagen haben. 

Ich besuchte Buchläden und Antiquariate, die ich sehr schätze und hinterließ in jedem von ihnen ein stetig leerer werdendes Portemonnaie, aber dafür hatte ich ein volleres Lesevergnügen.
Ich fuhr Rad, traf meine engsten Freunde, erlebte und tanzte mit ihnen, teilte Worte, Gedanken, Gefühle und unsere Liebe zu Büchern mit ihnen.
Ich hörte gestern spät nebenbei das Konzert von Lang Lang welches übertragen wurde. Dabei stellte fest, wie schön es ist, dass sich die Uhren einmal anders drehen. Alles einmal ein wenig stoppt. Der Wecker nicht morgens zeitig klingelt. Das Lesen am Morgen nicht unterbrochen wird, da die Bahn geschafft werden muss oder Füße in Pedalen treten. Das Beste daran. Ich überarbeitete Texte von mir. Ich fing wieder an zu schreiben. An einer Kinderbuch Geschichte, schrieb Gedichte, reichte sie ein und schrieb Gedankenverläufe. Der Alltag unterbricht vielleicht manchmal wirklich ein wenig das Fließen der Worte, die eigentlich aufgeschrieben werden sollten.
Morgen hat mich der Alltag wieder. Ich freue mich darauf. Mit einem Buch in die Bahn zu stürzen. (Hier sei angemerkt, dass Nino Haratischwilis Buch sich dazu leider nicht eignet) oder bei guten Wetter mit dem Rad unterwegs zu sein. Abends dennoch etwas Kulturelles zu erleben.

Mir kam die Idee in den freien Tagen mal etwas anderes bei WordPress zu machen.
Verlust ist ein Thema von mir. Wie schon erwähnt begegnet mir dieses Thema gerade häufig in Büchern. Häufiger als sonst. Ich las in den Tagen drei Bücher (zwei sind noch nicht ganz ausgelesen) über Verlust, das Verabschieden, das wieder Aufstehen, den Mut weiterzumachen, das Schöne im Leben. Daher dachte ich mir an drei Tagen in der nächsten Woche drei Bücher vorzustellen. Ihre Reihenfolge hat einen bestimmten Sinn. Ich werde dazu etwas Persönliches schreiben. Dann Gedanken zu dem Buch und die Gedanken selbst, die ich beim Lesen hatte. Jedes Buch ist sich im Thema ähnlich und doch ist jedes anders. Ich werde alle irgendwie verbinden und mal schauen, was am Ende geschrieben steht. Denn dies weiß selbst ich nicht. Ich werde dazu mein Gedicht „Schienenbruch“ veröffentlichen, weil es dazu einfach passt. Es wird Zeilen geben, die etwas traurig sind und doch in sich immer weiter gehen. Sie werden nie in Schwarzmalerei aufgehen. In manchen Dingen gibt es hoffentlich etwas zum Schmunzeln und in anderen Zeilen etwas zum Nachdenken.

Drei Tage, Drei Bücher, Drei Gegenstände. Drei Gedanken.

Tag 1. Nachwort: Carlotta Franck. Blau ist eine warme Farbe. Ein Luftballon der erst nicht fliegen wollte und das Weitergehen in kleinen Schritten.

Tag 2: Dani Atkins: Die Achse meiner Welt. Ein Fahrrad namens Murakami. Die Frage: Wenn wir die Möglichkeit alles noch einmal zu tun würden wir es tun? Und etwas was wir nie vergessen.

Tag 3: Sergio Barbaren. Die Weisheit deines Herzens. Ein Stück Papier und ein Versprochen ist Versprochen.

Allen einen guten Wochenstart.
 

Carlotta Franck. Blau ist die Farbe der Liebe. Knaur Verlag. August 2014. 8.99 €

Dani Atkins. Die Achse meiner Welt. Knaur Verlag. 1.August 2014. 320 S. 9.99 €

Sergio Barbaren. Die Weisheit deines Herzens. Ein Buch für Suchende. Pendo Verlag. 3. Auflage. 31. März 2014. 12.99 €

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Ein Ganz Ohne Dich

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Ein Moment
Ganz kurz
Ohne laufende Uhr

Im Raum
Ganz leer
Ohne andere Anwesenheit

Im Herz
Ganz berührt
Ohne Platz dafür

In Gedanken
Ganz unterbrochen
Ohne eine Vorwarnung

Im Erschrecken
Ganz erkennen
Ohne Boden sehen

Im Haltlos
Ganz allein
Plötzlich zu fallen

In Erkenntnis
Ganz verstehen
Ohne zu reden

Im Schweigen
Ganz still
Ohne leise Töne

Im Lautsein
Ganz tief
Ohne zu hören

Im Stummsein
Ganz laut
Ohne Wissen was

In Tiefe
Ganz ist
Ohne zu fragen

In Geschwindigkeit
Ganz Du
Ohne fragen da

In Erinnerung
Ganz unvergessen
Ohne den Schmerztod

Im Gehen
Ganz paralysiert
Ohne dich loszulassen

Im letzten Atemzug
Ganz miteinander
Ohne ein zurück

In deinem Arm
Ganz still
Ohne eine Träne

Im danach
Ganz wissen
Ohne dich gehen

Im Gefühl
Ganz seelentot
Ohne ein Wollen

In roten Augen
Ganz zerbrechen
Ohne ein Schreien

Im Denken
Ganz ohne
Ohne dich wiederzusehen

Im Tastenklang
Ganz spüren
Ohne deine Klavierhände

Im Jetzt
Ganz in Tränen
Ohne zu unterdrücken

Im Moment
Ganz lang
Ohne zu stoppen

In Jahren
Ganz verstehen
Ohne dich leben

     ©Gedankenlabyrintherin. Berlin. 30.08.2014 gewidmet an Thomas. An den besten Freund, der vor Jahren ging und so unvergessen ist. Du fehlst jeden Tag ein Stück. So sehr wie die beste Seite in einem Buch, die plötzlich fehlt.

Nino Haratischwili. Das Achte Leben. (Für Brilka) Der Duft vieler Seiten und der tiefe Genuss eines neuen Buches.

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Nino Haratischwili. Das achte Leben. Für Brilka. Verlagsanstalt Frankfurt am Main 2014. 1275 Seiten. 34 €

Gestern begann der Morgen zeitig. Irgendetwas hielt mich nicht in der Ruhe. Ich stand auf und sah, wie die Sonne langsam aufging. Ich liebe das. Stille und dann nur das leise Blättern der Seiten die ich las. Ab und zu fiel mein Blick auf ein neues Buch. Es ist da, dachte ich. Immer noch. Wie wunderbar. Der Genuss eines neuen Buches liegt schon in der Verpackung. Noch war es in einer Folie umschlossen, sowie von einer roten Schleife umwickelt. Ein Geschenk, welches mir viel bedeutet. Das Buch, welches allein in der Buchwelt bei Buchhändlern, Lesern ein Entzücken hervorruft. Viele schreiben darüber. Nino Haratischwili. Das Achte Leben (Für Bilka) war und ist nun da. Liegt auf meinem alten Schreibtisch. Ich streiche beim ersten Tee darüber. Wie von selbst fällt das Schleifenband und die Folie folgt nur Sekunden später. Alles ist gnadenlos schön. Dann war da dieser Duft. Ich öffnete es. Dieser nahezu makellose Einband ist, wie ein schöner aber kräftiger Walzer den ich sehr gern tanze. Die Druckfrische schien in jeder von 1275 Seiten zu sein. Ein zartes schnelles Durchblättern einiger Seiten folgte. Den Buchduft einatmen, der sich dann etwas mit dem Teeduft vermischte. Den anderen Duft von den Büchern in meinen Regalen mitstreifte und wieder bei mir ankam.
Wie beruhigend hörbar wirklich das schnelle Blättern der Seiten war. Ein stets bereicherndes Erlebnis. Jeder Sinn sprang bei mir an. Es war wie durch London mit meinem sehr alten Shakespeare Buch zu laufen. Wie Lavendelduft mit Jasmin. Wie der Duft von Winterwoodsseife. Wie meine Lieblingsoper zu hören. Nur insgesamt ist der Bücherduft und das Erlebnis eines neuen besonderen Buches doch einfach wahrlich nie passend genug in Worten verfassbar. Wie werde ich diesmal dann nur Haruki Murakamis Neuerscheinung erleben? Ich werde dann sicher mit tiefer Herzensfreude berichten. Nein mit Herzensliebe.

Ich begann nicht sofort mit dem Lesen. Erst gab es den zweiten Tee und damit las ich einige sehr schöne Rezensionen über dieses Buch oder die ersten Eindrücke. Ich werde daher nicht über den Inhalt schreiben, sondern nur mitteilen, dass dieses Buch selbst ungelesen schon für mich eine Spur hinterlässt. Es gibt Bücher, die erscheinen, dann kurz ruhend in meinen Händen liegen und dabei schon wie ein Gedicht sind. Ein Gedicht, das mich berührt auf eine schöne Weise, die erst später greifbarer und erklärbarer wird. Freude ist für mich genau solche Momente, in denen neuer, aber auch mal alter Buchduft durch meine Räume gleitet. Ich war und bin sehr gespannt, welche Spuren es noch hinterlassen wird. Sicher positiv gewaltige Spuren. „Das Achte Leben“
Wenn ich mit meinen Augen über die Seiten laufe, merke ich nun wie spürbar dieses Buch ist. Ich lass mich hineinziehen und garantiert wird es eine grandiose Literaturfahrt …

Robert Seethaler. Ein Ganzes Leben. Die Natur und das Leben. Zeilenglück ist wie ein festgehaltener Augenblick auf einem Bild.

Ich habe Urlaub. Ein paar Tage. Ob mir dies gefällt ist mir noch nicht ganz klar. Ein eindeutiger Pluspunkt ist die Zeit zum Lesen. Nun gibt es mehr davon. Robert Seethaler begleitet mich also auf meinen Urlaubswegen. Genauso wie Olga Grjasnowa und die „Die juristische Unschärfe in der Ehe“. Aber auch noch die letzten Seiten von „Blau ist die Farbe der Liebe. (Nachwort folgt)

Drei für mich wertvolle literarische Erfahrungen. Während ich mit Robert Seethalers Roman „Ein ganzes Leben“ Zeit verbringe und wie sehr oft durch Berlin streife, fällt mir „Der Trafikant“ von ihm ein. Eine wundervolle und passende Rezension hat dazu Masuko13 in ihrem Blog geschrieben. Nie hätte ich es besser schreiben oder deutlicher machen können, wie der Roman ist.

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Robert Seethaler. Der Trafikant. Kein & Aber. 256 S. 9.90 €

http://masuko13.wordpress.com/2014/04/21/robert-seethaler-der-trafikant-endlich-als-paperback/#comments

Ich mag die Sprache Robert Seethalers sehr. Sie schleicht und hüllt mich irgendwie ganz sanft ein. Sie ist leicht, aber dabei ganz tief. Es ist Zeilen lesen und mit den Augen und allem rüber zustreichen.

Also zurück zum Buch „Ein ganzes Leben“ es geht um Andreas Eggers. Der Bergbauer. Ein Naturliebhaber. Kantig. Eigensinnig. Mal ein Menschenfreund und mal durch Erfahrung keiner. Sein Leben wird beschrieben auf eine Art und Weise die ich so noch nicht kenne. Andreas Leben ist hart. Die Mutter stirbt und mit dem Verlust wird er danach auch noch geschlagen von dem Schwager seiner Mutter. Diese Zeilen treffen. Das Prügeln führt dazu, dass er dann Rufe wie Hinkelbein hören, nein ertragen muss. Die Peinigung ist maßlos.

Irgendwann findet er, der Naturbursche für den Körperpflege eine Nebensache ist oder geworden ist eine Anstellung bei einer Seilbahn. Ich erlebe die Geschichte des Lebens Andreas Eggers mit. Ja von Anfang bis zum Ende.

Beim Lesen des Buches stelle mir vor wie es ist einmal wieder draußen zu schlafen. Wie es war vor einigen Jahren oft wandern zu gehen in den Alpen. Doch dann ging dies plötzlich nicht mehr so einfach.

Wie Zufriedenheit und Fröhlichkeit in mir sind, wenn ich Tiere in freier Wildbahn beobachten und mit viel Glück für einen Moment mit ihnen Kontakt aufzunehmen kann. Viele Gedanken. Ich legte das Buch kurz zur Seite und dachte an einen Augenblick in der Natur, der mich für kurze Zeit sprachlos und zeilenlos machte. Ich fahre sehr gern raus. Die Luft und auch mal die Stadt etwas hinter mir lassen. Ich war mit einem mir sehr eng vertrauten Herzensmenschen mit dem Boot unterwegs. Meine Augen wanderten durch das Grün am Wasser, zu den Büschen und Bäumen am Rand. Und dann flog etwas Eisblaues vor meine Augen. Es landete auf einem Ast unweit von mir. Ich lächelte während ich still meine Cam nutzte um diesen Moment festzuhalten. Ein Eisvogel. Selbst im Schreiben ein noch schöner Augenblick. Er war bildschön.

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Bildschön und voller Natur. Genau wie in Robert Seethalers Roman „Ein ganzes Leben“ Es geht um die Natur. Die Verbundenheit dazu, aber auch die ganze Macht dieser. Dann das für mich empfundene Eindringen der Seilbahn. Aber immer wieder gab es diese fortgehen. Erhellungen im Buch. Ich stellte mir vor, wie ich auf einer Wiese liege und in den Sternenhimmel sehe oder vielleicht auch feststelle, dass Berge atmen.

Aber auch hier wieder „Verlust“ Das Wort welches sich irgendwie in jedem Buch was ich gerade lese selbst gefangen nimmt. Schon vorher drin ist. Andreas verliert Marie. Seine große Liebe. Eine Zeit lang trägt beide das Glück. Doch dann wird sie ihm auf tragische Weise genommen. Selbst am Ende des Romans wird jedem Leser/in bewusst, dass er diese Frau nie vergessen hat.

Doch es ist keine theatralische Liebesgeschichte. Es ist ein Roman voller Gedanken. Das Leben eines einfachen Mannes in den Bergen aufgeschrieben in Worten, die unvergessen sind. Ganz leise und mir war dieser Roman ein langer schöner Augenblick auf 160 Seiten mit vielen Bildern im Kopf. Schön wie ein Eisvogel zu sehen und das Bild eingefangen zu haben.

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Robert Seethaler: Ein Ganzes Leben. Hanser Verlag Berlin. Auflage 2. 28. Juli 2014. 160 S. 17.99 €

Das Finden der oft so passenden Bücher. Vorwort: Carlotta Franck. Blau ist die Farbe der Liebe.

An dieser Stelle beginne ich nun zu schreiben über ein Buch, welches bewegt. Ich stellte mir heute die Frage durch einen anderen Blog, den ich sehr schätze was halte ich aus im Lesen von Büchern? Gibt es Grenzen? Wann lege ich eins aus der Hand? Wann nehme ich es wieder hinein und wann nehme ich es nie mehr? Dieses Buch ist für mich hart an der Grenze. Es trifft Punkte ganz tief in mir. Mehr als ich dachte. Ein Vorwort. Ich hoffe, bemühe mich nicht zu viel preiszugeben. 

Gelegentlich gehe ich in einen Buchladen ohne wirklichen Vorsatz. Mein Buchbedarf wird berufsbedingt schon sehr gut erfüllt. Doch ich gehe sehr gern von Kreuzberg Richtung Mitte spazieren. Ein Buchladen ist unübersehbar und bringt mich vor kurzen dazu hineinzugehen. Schon recht spät. Der Abend hat schon angeklopft und hat ein Fuß in der Tür. Ich liebe diese Zeit. Die Stadt wird stiller und doch gleichzeitig lebendiger. Weniger Menschen sind unterwegs. Die Gedanken und Bücher scheinen spürbarer. Zwischen schier endlosen Bücherregalen allein sein. Für mich gibt es nichts Besseres. 

Alles liegt in einer Ruhe. Ab und zu mache ich ein Geräusch, da ich ein Buch greife oder wieder achtsam in die Reihe und in den Stapel schiebe. Der Buchhändler ist auch irgendwie in etwas vertieft. In diesem Buchladen gehe ich gern durch die kleinen Gänge. Und irgendwie sah ich in einem Regal dann ein wundervoll hellblaues Buch. Hortensienblüten schmücken das Cover und dann fallen meine Augen auf den Titel. „Blau ist die Farbe der Liebe.“ Es erinnert an „Blau ist eine warme Farbe.“Ein Film, der mich so gar nicht erreichte oder berührte.  Die Rückseite des Buches trifft mich schon beim Lesen. Verlust eines geliebten Menschen. 

Dann darunter ein Kommentar. 

„Wie oft können wir lieben? Wann hört vermissen auf? Carlotta Franck findet zutiefst berührende Antworten auf die hellen und dunklen Fragen des Lebens. Ein zartes Buch-französisch, jung und weise zugleich.“

Nina George (Das Lavendelzimmer und Die Mondspielerin)

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Carlotta Franck. Blau ist die Farbe der Liebe. Knaur Verlag. August 2014. 8.99 €

Ich schleiche mit dem Buch noch etwas durch die Buchhandlung. Lege es sogar einmal zurück. Doch irgendwann stehe ich zahlend an der Kasse. Die mir schon so oft vertraute Tüte bestätigt es ist gekauft. Auf dem Rest des Weges halte ich das Buch fest in der Hand. Zu Hause angekommen beginne ich zu lesen und höre kaum auf. Ich habe zum Anfang einmal geschrieben dies auch eins ehr persönlicher Block. Nun die besten Bücher sind nicht nur gut, sondern bewegen. „Blau ist die Farbe der Liebe“ berührt mich schon auf den ersten Seiten. Tempo hat einen besseren Verdienst als sonst an mir. Da ist Sanne mit über 40. Eine Buchübersetzerin und Mutter von drei Kindern. Jule, Katha und Finn. Nur die ersten Zeilen sind nicht das Erzählen einer Familiengeschichte, sondern ein Brief an ihren verstorbenen Mann David, der starb. Sanne schreibt dies in ihr schwarzes Moleskine-Notizbuch. (Ich bin vernarrt in diese Bücher und Heftchen) Sie redet mit ihm in einem Dialog. 

„Wir sprechen uns morgen mein Lieber. Ich freue mich dann darauf, dir wieder etwas zu erzählen. Du bist immer noch mein bester Zuhörer, ich liebe dich. Sanne. „

Tempo würde gnadenlos weiter an mir verdienen, wenn Taschentücher mehr als wenige Cents wert wären. Sanne ist mir sehr sympathisch. Sie malt nicht schwarz und ist auch nicht rührselig. Aber Sanne trauert und als sie mit ihrer besten Freundin ausgeht und auf der Toilette verschwinde, in Tränen ausbricht und David noch einmal spürt … Genau danach wieder ein Lachen aufsetzt, möchte ich sie in den Arm nehmen. Einfach sagen: „Ich weiß, Trauer kommt oft mit Maske.“ 

Verlust. Der peitschende Begriff, der mit dem Tod am schlimmsten ist. Irgendwann dachte und denke ich auch gerade beim Lesen des Buches, dass manche Bücher uns in die Hände fallen, weil es einen Sinn hat.

Ich war nie verheiratet und werde es sicher auch nicht mehr. Ich finde es wunderbar, wenn Menschen diesen Schritt tun. Dennoch wäre es für mich wie eine Wand die mir die Freiheit und damit das Schreiben und vieles mehr nimmt.

Sannes beste Freundin Maria schlägt ihr eine Reise nach Frankreich vor. Nur mühsam und mit verständlichen Abwägungen stimmt Sanne zu. Da sind die Kinder. Die aber eigentlich schon längst erwachsen sind. Viele Gedanken, die mit einfließen.

Sanne steht allmählich auf. Geht zum Friseur. Sieht sich wieder. Es bewegt sich etwas.  Zwischendurch schreibt sie David wieder. Mit so verständlichen Fragen, wann sie endlich über ihn in der Vergangenheit sprechen kann und ob es dann schlimmer ist.

Ich lese weiter und bin gespannt. Sicher gibt es ein Nachwort und vielleicht veröffentliche dann doch mein Gedicht Schienenbruch. Zeit wäre es . Ein Veröffentlichen, was vielleicht ganz gut ist. 

Ich lege dieses Buch sicher nur mal kurz aus der Hand. Es schmerzt, aber ertragbar und ist eine gute Buchmedizin. Bücher, die ich wirklich aus der Hand legte gingen über menschliche Grenzen, die ich selbst erlebte oder selbst im Lesen nicht ertragen konnte/wollte. Und dann gibt es auch Bücher, die sprachlich literarisch nichts bei mir bewirken. Diese finden den Weg nicht in meine Bücherregale. 

Peter Wawerzinek. Schluckspecht. Die geschriebene Geschichte einer Alkoholsucht mit einer ausgezeichneten Sprachgewalt, die süchtig macht.

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Peter Wawerzinek. Schluckspecht. Galiani-Berlin. 8. März 2014. 464 S. 19.99 €

Viel über Alkohol und die Sucht selbst. Doch so perfekt sprachausschöpfend geschrieben. 

Zuerst einmal las ich den Titel und hoffte es würde sich um einen durstigen Vogel handeln. Aber dies war nur der stille Humor, der mich bei dem Cover überkam. Um es brachial auszudrücken ich blicke bei der Thematik Sucht dahinter, aber generell hege ich eine Abneigung dagegen. Doch dies nicht wertend. Alles hat seinen tiefen Grund. Oft schmerzende und seelenzerreißende Gründe. Viele urteilen, verurteilen ohne die Begründung je sehen zu wollen. Alkoholssucht hat und hatte bei mir nie Platz. Aber einige ertranken daran, weil die Sucht sie mitriss wie ein Meer mit niederträchtigem Sturm. 

Sucht brachte mir menschliche Verluste und damit steht Alkohol und Anderes auf dem schier ewigen Abstellgleis.
Ich trinke mal ein Glas Rotwein mit Genuss zu meist selbst gekochten guten Essen.
Einen Cocktail, der in einem ewigen langen guten Gespräch meist in einer lauwarmen Sommernacht schon an Kraft verliert.

Ich nahm also Peter Wawerzineks Buch „Schluckspecht“. Verstehen und erkennen sind stets wichtige Dinge. Ich lese zu vielen Themen die mich begleiten manchmal schier endlos viele Bücher dazu.Jean Perdu (Das Lavendzimmer) würde sicher sagen, dass dies die beste Medizin sei und damit wohl auch ist.

Ich hatte eine winzige Unsicherheit, dass es abgedroschen sein könnte. Ich gehe sozusagen als Leserin mit auf Kneipentour.
Aber das Gegenteil war eher der Fall. Ich ging sprachlich auf eine brillante Reise. Wieder ein Hochgenuss. Ich liebe Bücher, in denen die Sprache ausgeschöpft wird und nicht nur oberflächlich genutzt wird. Ja und ich liebe es, wenn gute geschriebene Worte die ich dann lese zu Bildern vor meinen Augen werden. Da war es dann wieder wie schon einmal von mir hier geschrieben ein Gedankenbilderbuch.
Peter Wawerzinek schont nicht. Von klein an ist er durch Tante Luci Likörgläschen gefangen genommen wurden. Die Geschichte seiner Kindheit tut damit sein Übriges.

Bei manchen Menschen ist das Leben mit Musik oder Büchern untermalt bei Peter Wawerzinek ist es der fließende Alkohol. Der Teufel, wie er ihn nennt. Der Schlimmste von allen.

Die Nichtschonung des Autors ist die Heftigkeit mit dem er den Konsum beschreibt. Trinken und dann oft das menschliche Fallen. Den Anstand und damit die Würde verlieren. Nach einer fließenden Nacht mit Alkohol mit der puren Realität nichts ist geblieben wieder aufwachen. Wie ein Häufchen Elend.

Ein paar Seiten las ich noch einmal.
Seine wirklich scharfkantige Sprache macht das Buch so lesenswert. Es macht nüchtern im positiven Sinne. Keine Mitleidsmitteilung oder das Drücken der tiefen manchmal nicht auszuhaltenden totalen Opfertaste. Alles ist rund.

Erschreckend. Bitter, aber ehrlich. Mit Verfall in die Sucht. Zerfall mit sich selbst und Aufbau durch Therapien. Rückfällen und immer Weitergehen. Ändern.

Ein sehr gutes Buch und damit wirklich ein anderes Buch zum Thema Alkoholsucht.

Ein Buchladen zum Verlieben. Katarina Bivald. Buchläden, die Liebe zu Büchern und die Menschen.

Die Zeit gibt die Tage nicht besonders viel her und daher ein diesmal etwas kürzerer Beitrag von mir.

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Katarina Bivald. Ein Bücherladen zum Verlieben. btb Verlag. 11. August 2014. 448 S. 19.99 €

Das Buch wurde mir geschenkt und fand daher eher als gedacht den Weg unter meine Leseaugen. Das Cover ist schon sehr ansprechend. Bücherstapel. Ein lesendes Mädchen und eine kurz angedeutete alte Kleinstadt. Romantisch und einfach schön gestaltet. Dann der Titel…wunderbar. In so manche Bücherläden habe ich mich verliebt. Gerade in Berlin Mitte und am Südstern sowie ein Antiquariat in der Bergmannstraße. Dazu ein anders Mal mehr.
Ich liebe es, wenn ich freihabe durch die Läden zu schlendern, die Zeit zu haben und einfach viel zu entdecken. Ich liebe es, dass gerade die kleineren Buchläden oft wirkliche Bücherwürmer in Menschengestalt haben. Meist etwas verschroben. Aber sehr liebenswürdig und belesen.

Zurück zum Buch. Es geht um die noch recht junge Sara die eine tiefe Brieffreundschaft mit Amy hat. Eine Frau die bereits 65 Jahre ist. Als Sara Amy in dem eher tristen Örtchen Broken Wheel besuchen möchte, ist diese leider schon verstorben. Doch Sara bleibt und wird von den Bewohnern recht liebevoll aufgenommen. Sie lebt von da an in Amys Haus voller Bücher. Viel lesend, da Sara, sofern sie mal aus ihren Büchern hervorblickt, eher schüchtern und keine Menschenfreundin ist, wird der Einstieg in das Leben mit den Bewohnern von Broken Wheel nicht so leicht. Sie kennt einige schon aus den Briefen von Amy, aber dies lässt ihr dennoch eine kleine Unsicherheit bis sie die Idee hat einen Bücherladen zu eröffnen. Jeder Bewohner soll ein für sich passendes Buch bekommen. Die Bewohner von Broken Wheel lesen nur nicht. Sie helfen ihr aber dennoch den Laden fertigzustellen. An der Stelle muss ich sagen, dass die Liebe zu Büchern sehr gut beschrieben wird. Einiges erinnert sogar an das Lavendelzimmer von Nina George in dem mein absoluter Lieblingsromanheld Jean Perdu für jeden ein passendes Buch findet. Wie eine Medizin. Aber irgendwie wird dies, als ich es so las schon fast nebensächlich. Die Bewohner sind sehr interessant. Sara, die dann wirklich auch einmal hervorblickt und auf der anderen Seite einen Blick in ihre Buchwelt lässt. Es geht nicht nur Bücher, sondern um Zusammenhalt. Bücher können viel bewirken und wie in Katarina Bivalds Buch „Ein Buchladen zum Verlieben“ verändern sie manchmal langsam ein ganzes Dorf und bringen Menschen dazu für etwas und jemanden zu kämpfen. Ein schönes Buch und wie ich finde auch ein gutes Urlaubsbuch. Leicht und für Bücherverliebte ein absolutes Muss.

Nächstes Mal:

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