Marie- Sabine-Roger. Das Leben ist ein listiger Kater. Das wunderbare der Verbundenheit. Das Gute ist oft schon da.

Ich habe neulich bei meinem Streifzügen in Berliner Buchläden überlegt, dass ich gern einmal wieder so ein Buch ähnlich, wie das Lavendelzimmer lesen würde. Ein bisschen Frankreich, tiefsinnig. Aber in keiner Weise erdrückend. Irgendwie leicht.

Mir fiel dann auf einem Büchertisch dieses eine Cover auf. Ein Mann mit einer Katze sitzend auf der Bank. Daneben etwas weg, ein wunderbarer Korb mit Blumen, Wein, ein Baguette. Darum Blätter. Ein Cover, das Ruhe, Gelassenheit, ausstrahlt. Wie angekommen sein.
Zugegeben habe ich auch eine Katze als Gefährtin. Nur die Bank wäre dann die Couch und die Blätter lauter Bücher in Regalen oder auf dem Tisch.
9a6e920281

Gesagt, gedacht war dieses Buch in meiner Hand und schon das Überfliegen der Rückseite reichte. Es war gekauft.

Es geht um Jean Pierre. Ein Rentner. Er erzählt in dem Roman und seine Ich-Perspektive hat so etwas Warmes. Der Klang der unterschwelligen, aber süßen Bitterkeit des Älterwerdens mit einer großen Portion Humor. Ja, damit mit stets untermalten Sarkasmus. Schon nach den ersten Seiten musste ich herzlich lachen. Jean, er der als Kind eher das Weichei war und dies ist ganz liebevoll gemeint. Der Vater der Starke, angesehen. Jean war, ist anders.

Jean setzt alles merklich zu. Entschlossen beschließt er dem ganzen Leben ein Ende zu setzen. Er springt in die Seine. Doch anders als Jean Pierre erwartet wird er rausgefischt und befindet sich in einem Krankenhausbett, wo ihn schon relativ schnell die Neonröhren stören. Schließlich weiß Jean Pierre erstmal nicht was geschah. Eine Krankenschwester, der Polizist, eine Frau mit einem Kind, welches immer unangemeldet das Zimmer betritt uvm. All das wundert und nervt Jean. Die Beschreibung des Aufwachens und dieses Lebensabschnittes ein langes Schmunzeln. Hinreißend.

Und während meine Katze wirklich auf meiner Couch saß, ich anstatt Wein roten Tee trank, neigte sich das Buch auf von mir fast unerklärliche Weise, so schnell dem Ende. Ein Ende was mich überraschte und so wundervoll wie schon das ganze Buch war.

Es las sich schnell, weil ich nicht aufhören konnte zu lesen. Doch am Ende würde ich gern mit Jean Pierre an der Seine sitzen, ihn anlächeln und mich über nervige Neonröhren oder andere nahezu schrullige Dinge, aber auch tiefe Gedankengänge unterhalten …

Das Buch ist so Lebensbejahend. Fröhlich. Ich musste oft an meine Eltern denken. Mein Vater und was wir für eine schöne Verbundenheit wir immer noch haben. Mein engster Freundeskreis, welcher unbezahlbar ist. Menschen die uns nahe sind, machen das Leben zusätzlich lebenswert. Manchmal lebendiger.Ich liebe es oft allein zu sein. Nun ja meine Katze hat das einzige maßlose Recht stets an meiner Seite zu wandeln. Dennoch es ist wunderbar mit Menschen verbunden zu sein. Jeder ist auch einmal allein. Wie wunderbar ist es gemeinsam mal zu Essen, gesellige Abende zu verbringen, Kultur zu erleben. Verbundenheit, Freundschaften sind etwas großartiges und diese Erfahrung macht auch Jean Pierre. Denn so allein wie er denkt ist er nicht. So ganz und gar nicht.

Ich schließe nun das Buch und lächele. Die letzte Seite ist gelesen. Das Buch ist zu. Damit ist ein neuer Beitrag auch bei WordPress geschrieben. Was für ein genussvolles Buch.
Sicher landet es noch einmal in meinen Händen. Gute Bücher, Lieblingsbücher (dazu gehört es ab heute wahrlich) lese ich stets mehrmals … immer wieder.

Unknown

Marie-Sabine-Roger. Das Leben ist ein listiger Kater. Atlantik-Verlag. 11.März 2014. 224 S. 19.99 €

So wunderbar. Lebensbejahend mit viel Humor und Tiefsinn. Nachdenklich. Unbedingt lesen. 

Mittlerweile ist es recht spät in der Nacht und meine Gedanken reisen noch einmal in das Buch zu Jean Pierre. Die Frage was würde ich ändern, schleicht in meinem Kopf. Jean Pierre stellt sich dieser Frage, blickt ab und zu zurück. Damit taucht ein wunderbarer Satz in dem Buch auf.

„Eine Dummheit, die von Herzen kommt, ist leichter zu verzeihen als ein bequemes Schweigen. Sie ist auch schneller vergessen.“

Der Tee ist bereits leer und rückblickend bin ich schon wesentlich jünger als Jean Pierre. Doch nicht weniger nachdenklich. Aber vielleicht würde ich einiges anders machen. Ich würde vielleicht gleich erkennen, dass Bücher mein Leben sind. Einiges gleich sagen und nicht verschweigen, so dass es nach vergangener Zeit schmerzt. Doch auch nach einem Rückblick würde ich nicht viel ändern. Denn ich würde um nichts auf der Welt diesen Moment gerade ändern. Egal was wäre  ich würde genauso meine Katze nach einem guten Buch ansehen. Dankbar über meinem Vater, meine Freunde sein, auch über die wenigen Lieben, die kamen und gingen. Mir würden die selben Menschen fehlen, weil sie von der Welt gingen oder weil mein Weg nicht ihrer war.

Meine größte Leidenschaft wäre immer noch die Sprache, Texte, unendlich viele Bücher und das Schreiben.
Ich würde weiter in der absoluten Natur aufatmen. Am Meer, am Wasser und in der Oper die besten Texte schreiben können. Ich würde stets so gute Bücher wie „Das Leben ist ein listiger Kater“ lieben wie ein sehr altes Shakespearebuch.

Manchmal ist alles gut, wie es ist. Da alles manchmal doch gar nicht so schlecht ist, sondern genau betrachtet oft gut , wie Jean Pierre auf der Bank an der Seine ist.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s