Selja Ahava. Der Tag, an dem ein Wal durch London schwamm. Das Schöne der Erinnerungen und die Macht guter Beschreibungen.

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Mein Wochenendbuch. Nichts ist besser als Ruhe und einmal abzuschalten. Wasser und Natur. Dazu ein paar gute Bücher.

Ein Buch hat mich am Wochenende sehr beeindruckt. Selja Ahavas Buch „Der Tag, an dem ein Wal durch London schwamm“. Es fängt irgendwie so recht leise an. Anna Lehtonen ist eine in die Jahre gekommene Dame. Sie befindet sich in einem Pflegeheim. Erinnerungen und fast schon etwas komische Gespräche tauchen auf. Anna nutzt ihre Fantasie und so kommt es schnell zu Dialogen mit Gott. Ich musste öfters schmunzeln, aber die Tragik der Geschichte lies es etwas sanfter, irgendwie vorsichtiger ausfallen. Die Protagonistin leidet an zunehmender Vergesslichkeit. Mein Gefühl sagte mir, dass es Alzheimer sein könnte. Ich habe das Buch gelesen und hatte das Gefühl mit Anna in ihren Erinnerungen zu reisen. Die Beschreibungen waren und sind so wundervoll. Es entstanden in so vielen Zeilen zahlreiche Bilder. So ging die Erinnerungsreise nach Finnland. Anna lebte dort in einem süßen Haus. Die Natur und eben jenes Haus werden in dem Buch so gut beschrieben als hätte ich kurz davor gestanden und das Schilf gestriffen. Es sind Worte geschrieben…ja, wie das perfekte Gedankenbilderbuch. Ihre Liebe zu Antti, aber auch den Neunanfang mit Thomas in England werden in so hinreißenden schon poetischen Worten beschrieben. Gelegentlich gibt es nur Fetzen und kurz war ich selbst etwas verwirrt. Die Vergesslichkeit, die sich immer mehr einschleicht ist so sehr lesbar und damit fast fühlbar. Es brachte mich dazu immer weiterzulesen. Ich wollte wissen was geschah. Wie kam sie eigentlich ins Pflegeheim? Antti war ihre große Liebe. Aber was war dann geschehen? Es bildeten sich Knoten die Stück für Stück langsam gelöst wurden. Der Tag, an dem ein Wal durch London schwamm, ist wahrlich ein besonderer Tag und ich stellte fest, dass ich mich selbst noch genau daran erinnern kann. Ich ging also auch ein Stück mit Anna nach London. Eine Stadt die tief in meinem Herzen ist. Zwischen Gedankensprüngen, Erinnerungen und einer kraftvollen Sprache lese ich das Buch wie in einem Fluss.

Mir kommt in den Sinn, dass eine Zeile für ein Gedicht oft auftaucht und nicht festgehalten wäre sie oft einfach wieder fort. Vieles schwimmt einfach kurz an uns vorbei. Es ist nur die Frage, ob wir es herausziehen oder es, ohne an Vergesslichkeit zu leiden, einfach in Vergessenheit geraten lassen. Annas Poesie, ihre Fantasie Dinge in Erinnerung zu erhalten und der ganze Roman sind für mich unvergesslich und ich lächele, da ich nicht die einzige Frau mit Wortlisten bin.

Anna ist für mich eine Heldin und sicher nun auch eines meiner Lieblingsfiguren aus einem Roman. Manchmal hätte ich gern ihre Hand genommen und ihr zugehört, egal wie lang es gedauert hätte die tiefsten Erinnerungen zu wecken. Ein so sprachgewaltiges Buch.


 

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Der Tag an dem ein Wal durch London schwamm. Silja Ahava. Mareverlag. 4. Februar 2014.  224  S. 20 €

Sehr gute, sprachgewaltige Literatur. Sehr lesenswert. Ein Gedankenbilderbuch.

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