Das Finden der oft so passenden Bücher. Vorwort: Carlotta Franck. Blau ist die Farbe der Liebe.

An dieser Stelle beginne ich nun zu schreiben über ein Buch, welches bewegt. Ich stellte mir heute die Frage durch einen anderen Blog, den ich sehr schätze was halte ich aus im Lesen von Büchern? Gibt es Grenzen? Wann lege ich eins aus der Hand? Wann nehme ich es wieder hinein und wann nehme ich es nie mehr? Dieses Buch ist für mich hart an der Grenze. Es trifft Punkte ganz tief in mir. Mehr als ich dachte. Ein Vorwort. Ich hoffe, bemühe mich nicht zu viel preiszugeben. 

Gelegentlich gehe ich in einen Buchladen ohne wirklichen Vorsatz. Mein Buchbedarf wird berufsbedingt schon sehr gut erfüllt. Doch ich gehe sehr gern von Kreuzberg Richtung Mitte spazieren. Ein Buchladen ist unübersehbar und bringt mich vor kurzen dazu hineinzugehen. Schon recht spät. Der Abend hat schon angeklopft und hat ein Fuß in der Tür. Ich liebe diese Zeit. Die Stadt wird stiller und doch gleichzeitig lebendiger. Weniger Menschen sind unterwegs. Die Gedanken und Bücher scheinen spürbarer. Zwischen schier endlosen Bücherregalen allein sein. Für mich gibt es nichts Besseres. 

Alles liegt in einer Ruhe. Ab und zu mache ich ein Geräusch, da ich ein Buch greife oder wieder achtsam in die Reihe und in den Stapel schiebe. Der Buchhändler ist auch irgendwie in etwas vertieft. In diesem Buchladen gehe ich gern durch die kleinen Gänge. Und irgendwie sah ich in einem Regal dann ein wundervoll hellblaues Buch. Hortensienblüten schmücken das Cover und dann fallen meine Augen auf den Titel. „Blau ist die Farbe der Liebe.“ Es erinnert an „Blau ist eine warme Farbe.“Ein Film, der mich so gar nicht erreichte oder berührte.  Die Rückseite des Buches trifft mich schon beim Lesen. Verlust eines geliebten Menschen. 

Dann darunter ein Kommentar. 

„Wie oft können wir lieben? Wann hört vermissen auf? Carlotta Franck findet zutiefst berührende Antworten auf die hellen und dunklen Fragen des Lebens. Ein zartes Buch-französisch, jung und weise zugleich.“

Nina George (Das Lavendelzimmer und Die Mondspielerin)

blau ist dei Farbe der Liebe

Carlotta Franck. Blau ist die Farbe der Liebe. Knaur Verlag. August 2014. 8.99 €

Ich schleiche mit dem Buch noch etwas durch die Buchhandlung. Lege es sogar einmal zurück. Doch irgendwann stehe ich zahlend an der Kasse. Die mir schon so oft vertraute Tüte bestätigt es ist gekauft. Auf dem Rest des Weges halte ich das Buch fest in der Hand. Zu Hause angekommen beginne ich zu lesen und höre kaum auf. Ich habe zum Anfang einmal geschrieben dies auch eins ehr persönlicher Block. Nun die besten Bücher sind nicht nur gut, sondern bewegen. „Blau ist die Farbe der Liebe“ berührt mich schon auf den ersten Seiten. Tempo hat einen besseren Verdienst als sonst an mir. Da ist Sanne mit über 40. Eine Buchübersetzerin und Mutter von drei Kindern. Jule, Katha und Finn. Nur die ersten Zeilen sind nicht das Erzählen einer Familiengeschichte, sondern ein Brief an ihren verstorbenen Mann David, der starb. Sanne schreibt dies in ihr schwarzes Moleskine-Notizbuch. (Ich bin vernarrt in diese Bücher und Heftchen) Sie redet mit ihm in einem Dialog. 

„Wir sprechen uns morgen mein Lieber. Ich freue mich dann darauf, dir wieder etwas zu erzählen. Du bist immer noch mein bester Zuhörer, ich liebe dich. Sanne. „

Tempo würde gnadenlos weiter an mir verdienen, wenn Taschentücher mehr als wenige Cents wert wären. Sanne ist mir sehr sympathisch. Sie malt nicht schwarz und ist auch nicht rührselig. Aber Sanne trauert und als sie mit ihrer besten Freundin ausgeht und auf der Toilette verschwinde, in Tränen ausbricht und David noch einmal spürt … Genau danach wieder ein Lachen aufsetzt, möchte ich sie in den Arm nehmen. Einfach sagen: „Ich weiß, Trauer kommt oft mit Maske.“ 

Verlust. Der peitschende Begriff, der mit dem Tod am schlimmsten ist. Irgendwann dachte und denke ich auch gerade beim Lesen des Buches, dass manche Bücher uns in die Hände fallen, weil es einen Sinn hat.

Ich war nie verheiratet und werde es sicher auch nicht mehr. Ich finde es wunderbar, wenn Menschen diesen Schritt tun. Dennoch wäre es für mich wie eine Wand die mir die Freiheit und damit das Schreiben und vieles mehr nimmt.

Sannes beste Freundin Maria schlägt ihr eine Reise nach Frankreich vor. Nur mühsam und mit verständlichen Abwägungen stimmt Sanne zu. Da sind die Kinder. Die aber eigentlich schon längst erwachsen sind. Viele Gedanken, die mit einfließen.

Sanne steht allmählich auf. Geht zum Friseur. Sieht sich wieder. Es bewegt sich etwas.  Zwischendurch schreibt sie David wieder. Mit so verständlichen Fragen, wann sie endlich über ihn in der Vergangenheit sprechen kann und ob es dann schlimmer ist.

Ich lese weiter und bin gespannt. Sicher gibt es ein Nachwort und vielleicht veröffentliche dann doch mein Gedicht Schienenbruch. Zeit wäre es . Ein Veröffentlichen, was vielleicht ganz gut ist. 

Ich lege dieses Buch sicher nur mal kurz aus der Hand. Es schmerzt, aber ertragbar und ist eine gute Buchmedizin. Bücher, die ich wirklich aus der Hand legte gingen über menschliche Grenzen, die ich selbst erlebte oder selbst im Lesen nicht ertragen konnte/wollte. Und dann gibt es auch Bücher, die sprachlich literarisch nichts bei mir bewirken. Diese finden den Weg nicht in meine Bücherregale. 

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2 Kommentare zu “Das Finden der oft so passenden Bücher. Vorwort: Carlotta Franck. Blau ist die Farbe der Liebe.

  1. Yvonne sagt:

    Liebe Gedankenlabyrintherin,

    ich möchte dir an dieser Stelle ein Danke schön aussprechen.
    Deine Rezensionen sind für mich so spürbar, teilweise so nah, dass ich gerade bei dem o.g. Buch Lust bekommen habe, es zu lesen bzw. zu hören.
    Ich möchte und kann aus tiefem Herzen sagen, das das Lesen ein Retter für mich war…
    Ich freue mich schon jetzt auf einen weiteren Lese Genuss von dir.
    Herzlichst, Yvonne

  2. Ich danke dir. Dies zu lesen freut mich sehr. Lesen ist sicher eine Rettung und meine absolute Rettung dazu war dann noch das Schreiben. Bücher sind der feste rote Faden in meinem Leben und begleiten mich überall hin. Ich schreibe gerade an einem weiteren Text. Sicher stelle ich ihn heute oder morgen hier rein.

    Viele Grüße.

    die Gedankenlabyrintherin

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