Peter Wawerzinek. Schluckspecht. Die geschriebene Geschichte einer Alkoholsucht mit einer ausgezeichneten Sprachgewalt, die süchtig macht.

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Peter Wawerzinek. Schluckspecht. Galiani-Berlin. 8. März 2014. 464 S. 19.99 €

Viel über Alkohol und die Sucht selbst. Doch so perfekt sprachausschöpfend geschrieben. 

Zuerst einmal las ich den Titel und hoffte es würde sich um einen durstigen Vogel handeln. Aber dies war nur der stille Humor, der mich bei dem Cover überkam. Um es brachial auszudrücken ich blicke bei der Thematik Sucht dahinter, aber generell hege ich eine Abneigung dagegen. Doch dies nicht wertend. Alles hat seinen tiefen Grund. Oft schmerzende und seelenzerreißende Gründe. Viele urteilen, verurteilen ohne die Begründung je sehen zu wollen. Alkoholssucht hat und hatte bei mir nie Platz. Aber einige ertranken daran, weil die Sucht sie mitriss wie ein Meer mit niederträchtigem Sturm. 

Sucht brachte mir menschliche Verluste und damit steht Alkohol und Anderes auf dem schier ewigen Abstellgleis.
Ich trinke mal ein Glas Rotwein mit Genuss zu meist selbst gekochten guten Essen.
Einen Cocktail, der in einem ewigen langen guten Gespräch meist in einer lauwarmen Sommernacht schon an Kraft verliert.

Ich nahm also Peter Wawerzineks Buch „Schluckspecht“. Verstehen und erkennen sind stets wichtige Dinge. Ich lese zu vielen Themen die mich begleiten manchmal schier endlos viele Bücher dazu.Jean Perdu (Das Lavendzimmer) würde sicher sagen, dass dies die beste Medizin sei und damit wohl auch ist.

Ich hatte eine winzige Unsicherheit, dass es abgedroschen sein könnte. Ich gehe sozusagen als Leserin mit auf Kneipentour.
Aber das Gegenteil war eher der Fall. Ich ging sprachlich auf eine brillante Reise. Wieder ein Hochgenuss. Ich liebe Bücher, in denen die Sprache ausgeschöpft wird und nicht nur oberflächlich genutzt wird. Ja und ich liebe es, wenn gute geschriebene Worte die ich dann lese zu Bildern vor meinen Augen werden. Da war es dann wieder wie schon einmal von mir hier geschrieben ein Gedankenbilderbuch.
Peter Wawerzinek schont nicht. Von klein an ist er durch Tante Luci Likörgläschen gefangen genommen wurden. Die Geschichte seiner Kindheit tut damit sein Übriges.

Bei manchen Menschen ist das Leben mit Musik oder Büchern untermalt bei Peter Wawerzinek ist es der fließende Alkohol. Der Teufel, wie er ihn nennt. Der Schlimmste von allen.

Die Nichtschonung des Autors ist die Heftigkeit mit dem er den Konsum beschreibt. Trinken und dann oft das menschliche Fallen. Den Anstand und damit die Würde verlieren. Nach einer fließenden Nacht mit Alkohol mit der puren Realität nichts ist geblieben wieder aufwachen. Wie ein Häufchen Elend.

Ein paar Seiten las ich noch einmal.
Seine wirklich scharfkantige Sprache macht das Buch so lesenswert. Es macht nüchtern im positiven Sinne. Keine Mitleidsmitteilung oder das Drücken der tiefen manchmal nicht auszuhaltenden totalen Opfertaste. Alles ist rund.

Erschreckend. Bitter, aber ehrlich. Mit Verfall in die Sucht. Zerfall mit sich selbst und Aufbau durch Therapien. Rückfällen und immer Weitergehen. Ändern.

Ein sehr gutes Buch und damit wirklich ein anderes Buch zum Thema Alkoholsucht.

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