Robert Seethaler. Ein Ganzes Leben. Die Natur und das Leben. Zeilenglück ist wie ein festgehaltener Augenblick auf einem Bild.

Ich habe Urlaub. Ein paar Tage. Ob mir dies gefällt ist mir noch nicht ganz klar. Ein eindeutiger Pluspunkt ist die Zeit zum Lesen. Nun gibt es mehr davon. Robert Seethaler begleitet mich also auf meinen Urlaubswegen. Genauso wie Olga Grjasnowa und die „Die juristische Unschärfe in der Ehe“. Aber auch noch die letzten Seiten von „Blau ist die Farbe der Liebe. (Nachwort folgt)

Drei für mich wertvolle literarische Erfahrungen. Während ich mit Robert Seethalers Roman „Ein ganzes Leben“ Zeit verbringe und wie sehr oft durch Berlin streife, fällt mir „Der Trafikant“ von ihm ein. Eine wundervolle und passende Rezension hat dazu Masuko13 in ihrem Blog geschrieben. Nie hätte ich es besser schreiben oder deutlicher machen können, wie der Roman ist.

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Robert Seethaler. Der Trafikant. Kein & Aber. 256 S. 9.90 €

http://masuko13.wordpress.com/2014/04/21/robert-seethaler-der-trafikant-endlich-als-paperback/#comments

Ich mag die Sprache Robert Seethalers sehr. Sie schleicht und hüllt mich irgendwie ganz sanft ein. Sie ist leicht, aber dabei ganz tief. Es ist Zeilen lesen und mit den Augen und allem rüber zustreichen.

Also zurück zum Buch „Ein ganzes Leben“ es geht um Andreas Eggers. Der Bergbauer. Ein Naturliebhaber. Kantig. Eigensinnig. Mal ein Menschenfreund und mal durch Erfahrung keiner. Sein Leben wird beschrieben auf eine Art und Weise die ich so noch nicht kenne. Andreas Leben ist hart. Die Mutter stirbt und mit dem Verlust wird er danach auch noch geschlagen von dem Schwager seiner Mutter. Diese Zeilen treffen. Das Prügeln führt dazu, dass er dann Rufe wie Hinkelbein hören, nein ertragen muss. Die Peinigung ist maßlos.

Irgendwann findet er, der Naturbursche für den Körperpflege eine Nebensache ist oder geworden ist eine Anstellung bei einer Seilbahn. Ich erlebe die Geschichte des Lebens Andreas Eggers mit. Ja von Anfang bis zum Ende.

Beim Lesen des Buches stelle mir vor wie es ist einmal wieder draußen zu schlafen. Wie es war vor einigen Jahren oft wandern zu gehen in den Alpen. Doch dann ging dies plötzlich nicht mehr so einfach.

Wie Zufriedenheit und Fröhlichkeit in mir sind, wenn ich Tiere in freier Wildbahn beobachten und mit viel Glück für einen Moment mit ihnen Kontakt aufzunehmen kann. Viele Gedanken. Ich legte das Buch kurz zur Seite und dachte an einen Augenblick in der Natur, der mich für kurze Zeit sprachlos und zeilenlos machte. Ich fahre sehr gern raus. Die Luft und auch mal die Stadt etwas hinter mir lassen. Ich war mit einem mir sehr eng vertrauten Herzensmenschen mit dem Boot unterwegs. Meine Augen wanderten durch das Grün am Wasser, zu den Büschen und Bäumen am Rand. Und dann flog etwas Eisblaues vor meine Augen. Es landete auf einem Ast unweit von mir. Ich lächelte während ich still meine Cam nutzte um diesen Moment festzuhalten. Ein Eisvogel. Selbst im Schreiben ein noch schöner Augenblick. Er war bildschön.

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Bildschön und voller Natur. Genau wie in Robert Seethalers Roman „Ein ganzes Leben“ Es geht um die Natur. Die Verbundenheit dazu, aber auch die ganze Macht dieser. Dann das für mich empfundene Eindringen der Seilbahn. Aber immer wieder gab es diese fortgehen. Erhellungen im Buch. Ich stellte mir vor, wie ich auf einer Wiese liege und in den Sternenhimmel sehe oder vielleicht auch feststelle, dass Berge atmen.

Aber auch hier wieder „Verlust“ Das Wort welches sich irgendwie in jedem Buch was ich gerade lese selbst gefangen nimmt. Schon vorher drin ist. Andreas verliert Marie. Seine große Liebe. Eine Zeit lang trägt beide das Glück. Doch dann wird sie ihm auf tragische Weise genommen. Selbst am Ende des Romans wird jedem Leser/in bewusst, dass er diese Frau nie vergessen hat.

Doch es ist keine theatralische Liebesgeschichte. Es ist ein Roman voller Gedanken. Das Leben eines einfachen Mannes in den Bergen aufgeschrieben in Worten, die unvergessen sind. Ganz leise und mir war dieser Roman ein langer schöner Augenblick auf 160 Seiten mit vielen Bildern im Kopf. Schön wie ein Eisvogel zu sehen und das Bild eingefangen zu haben.

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Robert Seethaler: Ein Ganzes Leben. Hanser Verlag Berlin. Auflage 2. 28. Juli 2014. 160 S. 17.99 €

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8 Kommentare zu “Robert Seethaler. Ein Ganzes Leben. Die Natur und das Leben. Zeilenglück ist wie ein festgehaltener Augenblick auf einem Bild.

  1. masuko13 sagt:

    Auch wenn ich den „Trafikanten“ viel mehr mochte, sehe ich nun nach deinem schönen Beitrag das „Ganze Leben“ mit anderen Augen. Du schenkst mir damit einen ganz neuen Blick auf die Geschichte. Robert Seethaler liest übrigens aus seinem neuen Roman am 09.09. um 19 Uhr im KulturKaufhaus Dussmann in der Friedrichstrasse 😉
    Schöne Grüße, Masuko

    • Das ist interessant. Ich mochte ein ganzes Leben lieber. Ein Grund mag sein, dass ich sehr in der Natur und oft auf dem Land aufgewachsen bin. Ich liebe die Stadt, aber ich weiß in der Natur finde ich auch Ruhe wie beim Lesen. Der Termin ist fest notiert in meinem Kalender. Sofern nichts dazwischen kommt, werde ich sicherlich die Lesung genießend besuchen. 🙂

      Auch schöne Grüße aus einem buchreichen Kurzurlaub. 😉

      Die Gedankenlabyrintherin

      • masuko13 sagt:

        Werde ziemlich sicher auch da sein. Wäre doch schön, wenn wir uns an dem Abend kennen lernen. Bin gespannt, ob es bei dir klappt ….

        Schöne Grüße, Masuko

  2. Bis dahin. Schöne Grüße.

  3. Andrea Putz sagt:

    Ich war gestern bei der Lesung von und mit Robert Seethaler. Er stellte seinem neuen Romans „Ein ganzes Leben“ bei Hartliebs Bücher vor. Mir war der ehemaligen Schauspieler, der Autor, seine Werke zuvor unbekannt. Während des gestrigen Abends allerdings, entstand Vertrautheit durch den Text. Bei mir haben sich unzählige Gedanken über die Entstehung, die Verfassung eines trotz Kürze, sehr dichten Romanes formiert. Sie haben mich zu einem Kommentar veranlasst. Der Autor konnte mir in kurzer Zeit mit seinem Text vermitteln, dass es auch heute Menschen noch möglich ist, so sie es wollen, sich hinzusetzen und aus ihrer ganz individuellen Erlebnis- und Erfahrungswelt in eine ganz andere Erzähl- und Sprachwelt, als die aus ihrer Biographie bekannte, zu versetzen. Einen Text entstehen zu lassen, der an fabelhaft atmosphärischen Beschreibungen in seiner Vielfalt nichts zu wünschen übrig lässt. Gerade so als wäre der Text von Geisterhand geschrieben. Seethalers sprachliche Gewandtheit, seine Wortvielfalt und seine gedankliche Vielseitigkeit hat mich neugierig auf seine Texte gemacht.

  4. Ich nahm Robert Seethaler schon vorher wahr. Erleben konnte ich ihn bei Dussmann. Dem wohl schönsten größten Buchladen Berlins. Ich empfehle dir auch „Der Trafikant“ zu lesen. Der Link zu einer wundervollen Rezension ist ja in diesem Betrag von Masuko13. Nun Robert Seethaler hat eine sehr prägende Schreibhand würde ich sagen. Aber vor allem Talent, die Worte in schöne Zeilen zu bringen. Hartliebs kenne ich auch. Nun gibt es mittlerweile ein Buch dazu. Es ist wunderbar und doch denke ich immer daran, das Wien nicht nur eine schöne Buchhandlung mit einer Geschichte hat. Ich wünsche dir viel Spaß mit den Zeilen Robert Seethalers. Für mich wahren sie gerade bei „Ein ganzes Leben“ eine Naturreise und viele schöne Erinnerungen.

  5. […] gibt es u. a. bei der Gedankenlabyrintherin, auf Binge Reading & More und auf […]

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