Jhumpa Lahiri. Das Tiefland. Die schönsten Wellen benötigen kein Wasser.

Das Literaturfestival klopft unaufhörlich an die Tür. Es bringt mich dazu einen Textausschnitt einzulesen und damit zu einem großartigen Buch. Das Tiefland aus dem englischen von Gertraud Krueger. Im Original „The Lowland“ von Jhumpa Lahiri. 

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Jhumpa Lahiri. Das Tiefland. Rowohlt Verlag. 29. August 2014. 528 S. 22.95 €

 

Bekanntermaßen haben für mich umzublätternde gute Buchseiten die schönsten Wellen. Dieses Buch hatte viele schöne Wellen. Zahlreich. Oft hintereinander. Einfach nicht aufhören wollen zu lesen. Daher nun meine Gedanken und Eindrücke dazu.

Das Tiefland ist ein Roman, der von einer bengalischen Familiengeschichte, die generationsübergreifend über fast 50 Jahre geht, erzählt. Es geht um Verbundenheit, Liebe, Verlust, Verrat, Schweigen, rebellieren, Politik, Einwanderung, sowie Vergebung. Was in Generationen geschieht sich bewegt oder auch einmal nicht voran geht und was jeder Mensch hinterlässt und bewirkt.

Die Protagonisten sind zwei Brüder. Subhash und Udayan Mitra, die trotz ihrer Unterschiede sehr verbunden sind. Sie wachsen bei Kalkutta auf. In einem zur Monsunzeit überschwemmten Tiefland, welches am Rand mit Wasserhyazinthen bewachsen ist.
Sie erleben ihre Kindheit unzertrennlich zusammen. Als sie erwachsen werden, geht Subhash einem Stipendium in den USA nach und flüchtet so gleichzeitig vor der Strenge der Eltern und den Konflikten in seinem Land. Udayan führt ein Doppelleben. Er geht zu den Naxaliten (gängige Bezeichnung für maoistische Parteien, Bewegungen oder Aktivisten in Indien). Somit geht er den Weg als Rebell und Aufständigen. Auf der anderen Seite hat er eine Frau Gauri und eine Tochter namens Bela. Die Wege beider Brüder könnten nicht unterschiedlicher sein. 

Im Schicksal bleibt Udayan zurück. Als er erschossen wird, ist es Subhash, der dann ein Pfeiler für Familie und das Kind wird. In seiner Vorstellung wäre Gauri die Hausfrau und Mutter. Doch auch Gauri geht ihre eignen Wege. Auf den Seiten 258-261 bin ich etwas erschrocken wie kühl Gauri als Mutter sein kann.
Bela wächst nach einiger Zeit allein mit Subhash als Vater auf. Die Wahrheiten kommen nie auf den Tisch.
Erst als Bela das Schweigen zwischen allen Familien Mitgliedern, die verstreut in der Welt sind, bricht, bewegt sich etwas.

Ich liebe es, wenn Autoren die Sprache ausschöpfen. Mich hineinziehen und wie auf einem Surfgang mitnehmen, bei dem jede Welle spürbar ist.

Jhumpa Lahiri schreibt ähnlich, aber doch so anders. Ich meine dies ausnahmslos positiv.
Sie schreibt mal im kleinsten Detail, dass ich das Gefühl hatte selbst an einem anderen Ort zu sein.

Nur gleichzeitig schreibt sie oft ganz einfach und unausgeschmückt, aber so wunderbar. Sie machte das Lesen in ihrem Buch hell und doch war ich oft im Dunklen, weil manches nur zartund an der Oberfläche niedergeschrieben wurde. (dies lag für mich nicht an der Übersetzung) 

Manchmal war ein Bild ganz klar und dann verblasste es hinter einem Schleier. Wie das Zurückholen in die Realität. Genau diese Unterschiede brachten mich dazu dieses Buch so gut es ging fast in einem Zug durchzulesen. Es war etwas, was irgendwie nicht da war und doch ist es vollkommen gewesen.
In allem traf mich Jhumpa Lahiri mitten ins Herz und schaffte es mit ihrem Roman mir ein weiteres Lieblingsbuch für das Jahr 2014 zu geben. Vielen Dank und wie sehr freue ich mich sie bald live zu sehen und zu hören.

Sie hat ein grandioses Buch geschrieben. Möge das Buch noch viele schöne Wellen bei anderen Lesern schlagen.

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15 Kommentare zu “Jhumpa Lahiri. Das Tiefland. Die schönsten Wellen benötigen kein Wasser.

  1. Buchliebhaberin sagt:

    Danke für die Rezension…
    … :-))

  2. Buchliebhaberin sagt:

    Ich habe noch nie eine Rezension gelesen, in der jemand schrieb, dass Bücher die schönsten Wellen auslösen…
    …. unglaublich und wirklich schön … fast eine Liebeserklärung!

    „Bekanntermaßen haben für mich umzublätternde gute Buchseiten die schönsten Wellen. Dieses Buch hatte viele schöne Wellen. Zahlreich. Oft hintereinander. Einfach nicht aufhören wollen zu lesen. Daher nun meine Gedanken und Eindrücke dazu.“

  3. Buchliebhaberin sagt:

    Hm, bei diesen wunderbaren Rezensionen schreibst du bestimmt auch!
    Wann erscheint dein Buch? Das ist eine ernst gemeinte Frage.
    Und, bist du auf dem Literaturfestival?

  4. Buchliebhaberin sagt:

    Ich lese gerade ganz fasziniert das Buch: „Hochzeitsnacht“
    von Susan Minot …
    … ich lese es heute noch aus. Wünsche dir weiterhin Bücher wie das Oben beschriebene!

    • Buchliebhaberin sagt:

      Hm, kennst du den Film: „Brücken am Fluß“? Das ist ein ähnliches Thema. Meryl Streep ist einfach umwerfend und den Film habe ich schon unzählige Mal angeschaut. Der Film erspürt und zeigt die kleinste Regung. Wundervoll und echter Balsam für die Seele.

  5. Ja ich schreibe auch. Der Mut zum Buch fehlt. Habe mehre Sachen. Hier ist auch ein Gedicht von mir vorhanden. Ich bin beim Literaturfestival, lese bei der Leseperformance und ich bin bei der Eröffnung mit der anschließenden Lesung Jhumpa Lahiri. Auch sonst freue ich mich dann viele Lesungen usw. und gerade auch neue Autoren zu entdecken.

  6. Buchliebhaberin sagt:

    Schade, ich bin die nächste fast durchgängig auf Dienstreise, ich habe mir auch einiges raus gesucht. In bzw. mit meinen Bücher finde ich die nötige innere Ruhe und Gelassenheit, die ich benötige!
    Ich gehe sehr gern zu Lesungen und höre auch öfters Hörbücher. Ich liebe es, wenn Menschen aus Büchern vorlesen. Ich schaue Ihrer Mimik zu und höre total gern angenehme Stimmen. Stimmen tun manchmal so gut…

    … wo liest du? An welchem Ort, meine ich? In der VW Uni? Übrigens u.a. mein Auftraggeber…

    Also bei deinem Talent solltest du ein Buch schreiben!
    Weiter so!

    • Ja im VW Haus. 🙂 Ich lese meist am liebsten selbst. Ich benötige die Stille und die Augen die über Zeilen fliegen dürfen. Ganz ganz selten ist es ein Hörbuch. Aber ja eine schöne Stimme ist wundervoll. Danke für das Kompliment. Ich habe für einige Gedichte Preise bekommen und vielleicht werden die geschrieben Bücher, die ich ruhend in meinem alten Schreibtisch habe doch einmal zu verkauften Büchern.

      • Buchliebhaberin sagt:

        Mein Buch ist ausgelesen und ich bin sehr sentimental. Durch das Lesen kommen bei mir so oft aus der Tiefe Gefühle, Erinnerungen und Gedanken, die im Alltag vergessen scheinen.

        Ich wünsche dir viele, viele verkaufte Bücher und vor allen Dingen Menschen, die Rezensionen über deine Bücher schrieben so wie du das jetzt für andere machst.

        Gute Nacht, ein sonniges Wochenende mit neugierigen Augen, die die Zeilen in einem geliebten Buch liebkosen und sich langsame wie „Wellen“ ausbreiten und warm schwingen.

      • Vielen Dank. Dir auch weiterhin viel Lesefreude.

  7. Buchliebhaberin sagt:

    Ich lese „Die Verzauberung der Lily Dahl“
    von Siri Hustvedt und wie so oft bin ich hin- und weg von Siri Hustvedts Büchern. Und du?

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