Berlin liest … Das Literaturfestival und die schönen Gedanken zu Texten und Textänderungen.

Ich nehme mein Handy heraus und schreibe einen neuen Beitrag über dieses technische Gerät. Beeindruckt bin ich nicht. Der Text ist sicher am späten Abend auch vom PC aus, zu verbessern. Als ich „neuer Beitrag“ anklicke, fallen mir meine liegenden Rezensionen zu Dani Atkins „Die Achse meiner Welt“ und „Wildauge“ von Katja Kettu, aber auch „Die Weisheit des Herzens“ von Sergio Bambaren ein. Sie müssen warten. Geschriebenes kann zum Glück nicht fliehen. 

Heute ist ein zeilenreicher Tag. Überall in Universitätsbibliotheken, an öffentlichen Orten und selbst kleine Buchläden rufen dazu auf. Berlin liest. Einige dürfen im Rahmen des Literaturfestivals lesen. Ihre Lieblingstexte, eigene Texte. Die Bandbreite ist groß und so unsagbar vielfältig.

Für mich ist dies wie auf Wolken fliegen oder wie leicht verliebt sein. Noch so ganz zart und unbedacht. Jeder Leser hat eine viertel Stunde und erstaunlich in gerade mal einer Stunde hörte ich dann etwas von L. Trouillot „Die schöne Menschenliebe.“ Ich las aus „Das Tiefland“ von Jhumpa Lahiri um dann später etwas von Karl Ove Knausgard zu hören. Ich lauschte ein paar Minuten einem Textauszug Die Gierigen von Karine Tuil. Vernahm dann etwas die Geräusche der Bibliothek und lauschte weiter Texten wie Des Kaiser neue Kleider von Trotzten Schröder vorgelesen oder sogar Ein Wintermärchen von Heine.
Nach einem Ortswechsel in das Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum merkte ich hier, dass etwas anders war. Eigene Texte der Vorleser kamen dazu, endlich einmal gehört zu werden. Ich setze mich. Trinke einen Tee und bemerke einen sehr offenen Vorleser. Petrus Akkordeon. Er bezieht uns, das Publikum mit ein. „Ich möchte 3, 4 Möwen sein“, lautet sein Text. Seine Worte irgendwo zwischen Gedichtform und niedergeschriebenen Text. Doch irgendwie verdammt gut.
Es gibt sie also noch irgendwo. Die Schreiber, die besser atmen, wenn sie Worte niederschreiben.
Dann las Robert Klages auch einen eignen Text mit dem Titel „Der Damensattellecker aus Marzahn Hellersdorf und „Der Schattenmusiker“
Die Studenten halten sogar in ihren üblichen Abläufen an. Überall ein Lächeln. Ein lustiger Text und so echt. Treffsicher von der Wahrheit ertappt, lachen viele weiter oder gehen auch weiter. Es ist das Alltägliche, was literarisch mit einem guten Schuss Humor wirklich belustigend ist. Er liest Texte und doch Lyriker mag er nicht. Studieren auch nicht. Ich lächele als aus seinem Text hervorgeht, dass er lesen nicht mag. Nur seine eignen Texte mag er, da kann jeder gerade er selbst darin „rum malen“, verbessern. Als Beispiel wäre es in einem fertigen Buch nicht möglich etwas zu streichen oder eine Person aus einem Roman einfach zu sterben zu lassen. Selbst ist der Autor. Ich werde nachdenklich. Eine literarische Nachdenklichkeit. Was würde ich in meinen Lieblingsromanen streichen oder verbessern? Würde ich es überhaupt in Erwägung ziehen?
Würde ich Naoko aus Haruki Murakamis Naokos Lächeln ewig leben lassen? Würde ich Jean Perdus, so geliebte Manon noch einmal auferstehen lassen nur, damit er ihr alles sagen kann? Würde ich „Das Lavendelzimmer“ von Nina Geoarge verändern wollen? In jedem Fall eher ein Nein. Eine Albernheit saust durch meinen Kopf.  Ich würde definitiv Serverus Snape und Remus Lupin aus Harry Potter nicht sterben lassen. Innerlich streiche ich in Gedanken ein paar Seiten aus einem Weltbestseller. Aber rückblickend ist gerade die Belletristik, die ich so sehr liebe doch eher nicht zum Rum-Malen oder Rum-Streichen. Zeilen sind oft gut, wie sie sind und wie der Autor sie verewigt hat. Eine weitere Viertelstunde guter Worte und es folgten weitere. Als ich eine Pause einlege und in der Bahn „Atalanta Läufer_rin“ lese, merke ich wie die Zeilen kurz unter meinen Augen verschwinden und im Fahrtwind der Bahn ganz viele Worte übrig bleiben … Zeilen … Texte.  Literaturfahrten sind die Wundervollsten …

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2 Kommentare zu “Berlin liest … Das Literaturfestival und die schönen Gedanken zu Texten und Textänderungen.

  1. Buchliebhaberin sagt:

    Du spielst eine Sinfonie mit Worten, danke!

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