Bernhard Schlink. Die Frau auf der Treppe. Die besten Begleiter, die Zeit und ihre Chancen. Eine Lesung und der Beginn Stewart O´Nan „Die Chance“

Mein Blog füllt sich. Irgendwie gibt es gerade sehr gute Bücher und es wäre schade sie nicht zu erwähnen. Als ich in die U6 steige, begleiten mich zwei Bücher. Wie Fahrgäste, die jeden Tag mit mir dieselbe Strecke fahren. Diese Mitfahrer sind mir am liebsten. Sie sind ruhig und sagen doch so viel. Schlechte Laune oder Hektik haben sie nicht. Das eine Buch ist ausgelesen. Bernhard Schlink. Die Frau auf der Treppe. Die-Frau-auf-der-Treppe-9783257069099_xxl Dieses Buch führt die Spiegelbestsellerliste an. Im Eilverfahren auf Platz 1. Endlich wieder ein Buch von Schlink. Ich schleiche mich kurz in die Vergangenheit. „Der Vorleser“ begleitete mich in den Schuljahren. Er ist gut, aber brachte mich zum Erliegen. Die mehrmalige Pflicht etwas zu interpretieren kann zur Last werden und vernichtete ein doch sehr gutes Buch. Bernhard Schlink. Die Frau auf der Treppe.Diogenes Verlag. 27. August 2014. 256 S. 21,90 € Weitere Bücher schätze ich sehr. Nun ein neues Buch. „Die Frau auf der Treppe“ Eine Icherzählung. Es geht um einen Anwalt, der namenlos, aber dafür um so nachdenklicher durch das Leben geht. Ich entwickle eine schnelle Sympathie für den Protagonisten. Er, der einem künstlerischen Werk gleich eine Liebesgeschichte zu verdanken hat und mit ca. Mitte 40 rückblickend auf seine bereits erwachsen Kinder, sein Leben schaut. Er blickt auf Irene, die Frau auf dem Gemälde und auf zwei Männer, die sie auch verzauberte. Konflikte entstehen in späteren Begegnungen, die aber mit vielen Erkenntnissen geschlossen werden. Der Anwalt, der mehr von außen betrachtet, schon fast emotionslos, aber so nachdenklich ist bringt mich zum Lachen. Als er sagt, dass er nicht verstehe, warum Frauen immer wissen wollen, was jeder fühlt, liegt der Witz der Sätze mal wieder in der selbst erkannten Wahrheit. Neben dem vielen Lachen gab eine schöne Melancholie. Sie machte nicht schwer, aber doch war sie da. Schön wie eine Melancholie, die mir das Schreiben eines Gedichtes oder einer Geschichte erleichtert.

“…vor jedem Schritt sammelte sie in langer Pause die Kraft für die nächste Stufe, für noch eine und noch eine. Es tat mir weh zuzusehen.” Er würde sie tragen.

Ein Satz, der melancholisch und voller Gefühl ist. Es folgen noch weitere.
Eines meiner Lebensmottos, wenn nicht sogar eines meiner wichtigsten ist “Der goldene Käfig steht mir nicht.” Dieses Motto passt zu diesem Buch. Denn eine nicht geschenkte Freiheit wird mit der Zeit ein Käfig der nicht mehr leicht zu entfernen ist. Ein schöner Roman und ein Ende, das traurig ist, nachdenklich macht, aber auch entschlossen. Am Abend wird ein Buch wie in meiner Tasche von einem Mann gehalten, der von Scheinwerfern angestrahlt wird. Es ist ganz still, als er liest. Eine Ruhe, die mich aufatmen lässt und wie wundervoll der Mann, der mich in der Schule als Autor mehrmals begleitete, dessen Bücher ich fast alle gern las, saß nun nicht sehr weit entfernt vor mir auf einer Bühne und las einfach. Bernhard Schlink.
 Der Autor, der nicht nur sehr gut schreibt, sondern liest, dass ich nicht immer selbst lesen würde, würde er lesen. Noch ein kleiner Tipp: “Sommerlügen” Grandios geschrieben, obwohl es Kurzgeschichten sind und ich in sich geschlossene Romane lieber mag. Ein sehr lesenswertes Buch von Berhnhard Schlink. Spät am Abend sitze ich wieder in der U6 auf dem Heimweg. Abermals streiche ich über das Buch Schlinks und greife zu dem zweiten Buch Stewart O´Nan “Die Chance” Ein passendes Buch nach dem Roman „Die Frau auf der Treppe“. Doch dazu morgen oder in den nächsten Tagen mehr. Eine Rezension schreibt sich nur über ein ausgelesenes Buch. Am Morgen und auf der Fahrt zur Arbeit in der Bahn ist es nun ein gerngesehener Mitfahrer auf Zeit von mir. de.hr.cms.servlet.IMS

Stewart O´Nan. Die Chance. Rowohlt Verlag. 18. Juli 2014. 224 S. 19.95 €

Bernhard Schlink. Sommerlügen. Diogenes Verlag. 288 S. 10-12 €

 

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Gerhard Richter „Ema“ Die Frau auf der Treppe. Dieses Bild gibt es wirklich und doch hat der Maler aus dem Roman keinen Bezug zu Gerhard Richter. Aber das Bild begleitete Bernhard Schlink sehr lange, wie ich in der Lesung erfuhr. Es stand in Kleinformat auf seinem Schreibtisch.

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