Stephen King. Mr. Mercedes. Eine Lesenacht mit dem Meister des Horrors.

Bestimmte Rezensionen sollten immer kurz nach 0 Uhr reingestellt werden.

Es ist tief in der Nacht als ich einen Buchdeckel eines besonderen Buches schließe. Es ist ganz still. Auf der Straße knirschen Reifen. Ich blicke mit meiner Katze aus dem Fenster… und denke nach. Dabei sehe ich auf den Buchdeckel zurück.

Der Autor meiner in Schrift gefassten Albträume. Der Mann, bei dem ich mich mit Freude Ängsten stellte, da ich sie erlesen konnte. Der Mensch, der mich als Kind in Form eines Besessenen und eines fürchterlichen Clowns begleitete. ES und Shining ließen mich unruhig bis gar nicht schlafen, denn heimlich Horrorfilme schauen war nicht immer gut.

Zu der Zeit wusste ich nicht, dass ich später diesem Autor ein ganzes Regal geben werde. Ich wusste nicht, dass ich in der Zeit als viele den Drogen verfielen, ich seinen Büchern verfiel. Doch ich tat es. Kein Buch ließ ich aus. Seine Romane waren mit anderen die beste Droge und das ebenso Beste niemals andere Drogen zu nehmen. Bis heute hält diese Romansucht an und neben Murakami, T.C.Boyle, Herta Müller, Max Frisch, Wilhelm Genazino, Nina George, Charlotte Link und anderen wundervollen Belletristikbüchern gibt es immer wieder einfach so mittendrin, ein bisschen Stephen King.

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Stephen Edwin King  21.September 1947 in Portland, Maine geboren

Pseudonyme: Richard Bachmann und John Swithen

Über 400 Millionen verkaufte Bücher in über 40 Sprachen

Jedes seiner veröffentlichen Bücher ist in Bestsellerlisten zu finden.

Stephen King hat wieder seine unverkennbare Horrorfeder gezückt. Diesmal mit Mr. Mercedes. Eine neue Trilogie. Eine Menschenmenge. die nach Sekunden nicht mehr dieselbe ist, da ein Mercedes mit Höchstgeschwindigkeit in sie hinein fährt. Gnaden- und gewissenlos.

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Stephen King. Mr. Mercedes. Heyne Verlag. 8. September 2014. 22.99 €

»Wenn ich nicht schreiben würde, wäre ich äußerst gemeingefährlich.« (Stephen King)

/ Wie gut, dass er schreibt und wir seine meisterhaften Romane lesen können. /

Brady Hartsfield ist wieder ein Protagonist, den Stephen King für diesen Roman erschaffen hat. Ein Mensch, der uns alltäglich begegnen kann. Er kann sich durch das Leben winden, ohne je aufzufallen. Doch er ist ein Psychopath, der wütet. Nicht nur innerlich. 

Selbst, wenn die Hinterlassenschaften noch so klein sind, gibt es eine Spur oder winzige Fehler, die ein Täter hinterlässt. Detektive William Hodges folgt diesen kleinen Spuren. Sucht die Puzzleteile, die ein ganzes Bild ergeben müssen. Hodges ist ein Mann, der wie mir scheint etwas ermüdet ist. Melancholisch, raubeinig und dem Alkohol verfallen. Irgendwie der alte Wolf, der etwas umherstreift und denkt außer dem Tod gibt es keinen wirklichen Sinn mehr. Doch er findet seinen Sinn in der Suche nach Brady. Damals, vor Jahren entwischte er.

Der Horror und Tod fährt weiter bei Mr. Mercedes mit. Diesmal mit viel Km/h. Alle Figuren, auch um Hodges sind eine geniale Erfindung. Sie haben richtige Ecken und Kanten, sind nicht perfekt.

Sie wirken wie aus dem Leben gegriffen und wurden mitten in ein Stephen King Buch geworfen. In ein Buch mit der Abscheulichkeit einer wirklich kaputten Seele, einem guten Detektiv, seinen Leuten und einer Verfolgungsjagd aller Stephen King.

Es ist ein Buch, bei dem ich mitfieberte, völlig in die Landschaft und in Orte der Geschehnisse eintauchte, fühlend fast daneben stand. Ich hatte eine Spannung, die mich eine Nacht deutlich weniger schlafen ließ. Alles wirkte so erschütternd echt. An einigen Stellen musste ich kurz schmunzeln und an anderen war ich traurig. An anderen war ich widerum erschrocken und von Anspannung durchzogen. Ich wollte das Brady gefasst wird und das schnell. Gegen Brady habe ich eine riesige Abneigung und umso mehr mag ich Hodges.

Auf die Fortsetzung freue ich mich daher sehr. Dann wieder allen zu begegnen. Egal, ob mit Abneigung oder Wohlgefühl. Denn lesende Begegnungen sind stets die Besten und oft ausreichend. An der Stelle muss ich sagen, dass ich sehr gespannt bin, wie Stephen King daraus drei Teile gemacht hat oder machen wird.

Auch, wenn es Gegenmeinungen gibt, Stephen Kings Handschrift in seinen Wörtern ist auch in Mr. Mercedes unverkennbar. Unverkennbar gute Zeilen über Ängste und in Seelen wühlenden Seiten mit einer Portion Wahn und auf der anderen Seite eine Portion schier normaler Menschlichkeit, sowie Schilderungen, Formulierungen, die nur eben vom Meister des Horrors kommen können. Ich würde seine Bücher ohne Namen von ihm erkennen. In allen zieht er einen Faden durch. Einen Faden, der fest gestickt ist. Unzerreißbar fest. Mr. Mercedes eindeutig ein King!

Ein gutes Buch, aber Vorsicht es ist leider wahnsinnig und unheimlich schnell ausgelesen.

Über den Dächern verschwinden ganz langsam die Wolken der Nacht und ich sitze immer noch mit meinem Laptop und meiner Katze am Fenster, da ist es wieder ein Reifenknirschen, das sich in ein Quietschen verwandelt. Ein Geräusch, wie herunterfahrende kratzende Nägel an einer Tafel. Meine Katze und ich sehen hinaus und folgen den immer weiter wegfahrenden Lichtern. Nein, zum Glück kein Mercedes …

Mein Lieblingsbuch von Stephen King ist „Das Mädchen“ Ein junges Mädchen geht durch einen endlosen Wald. Verliert den Anschluss und der Wald, die Dunkelheit verschlingen sie. Es ist ein Meisterwerk.

Stephen-King-Das-Mädchen-2010Die Leute denken, ich sei ein sehr merkwürdiger Mensch. Das ist aber nicht korrekt. Ich habe das Herz eines kleinen Jungen. Es steht in einem Glas auf meinem Schreibtisch.  (Stephen King)

Stephen King. Das Mädchen. Ullstein Verlag. 304. S. 2- 9.99 €

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