Haruki Murakami. Von Männern, die keine Frauen haben. Teil 1

Dussmann Das Kulturkaufhaus. Es war am späten Nachmittag. Zielgerichtet steuerte ich auf den Murakami-Buchtisch zu. Da war es endlich in meiner Hand. Das neue Buch von Haruki Murakami. Meine Freude ist grenzenlos.

Ich liebe Murakami und innerlich tanze ich. Äußerlich springe ich lachend. Ein neues Buch von Haruki Murakami ist für mich wie meine ganzen Bücherregale, wie spazieren gehen in London im Hyde Park … Aber eigentlich kann ich es nicht beschreiben. Es macht rundum herzensfroh. Fast wie eine kindliche Freude, die zurückkehrt. Selbst an der Kasse bin ich schon mehr beim Buch als irgendwo anders.

Endlose 15 lange Minuten später lies ich mich in meine Leseecke fallen und nahm die Schutzfolie ab. Dieser druckfrische Duft ist so wunderbar. Dann der Umschlag. Der Dumont-Verlag hat dem Buch wieder den perfekten Mantel gegeben. Nichts könnte passender sein. Das neue Buch von Murakami sind 6 Kurzgeschichten.

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Ich streiche langsam über die ersten Seiten und beginne dann die erste Kurzgeschichte zu lesen. Es geht um Kafuku und Misaki. Mehr kann nicht verraten. Aber ich lege kurz passend  Beethovens Streich Quartette ein. Lausche der Musik, die nur ganz leise den Raum untermalt. Dann lese ich weiter.

>> Und am Ende habe ich sie wirklich verloren. Schritt für Schritt ist sie aus dem Leben gegangen, und dann war alles vorbei. Es war, als wäre sie einer Erosion ausgesetzt gewesen und zum Schluss von einer großen Welle entwurzelt und davon getragen wurden … <<
S. 39

Bei diesen Zeilen schlucke ich. Sie sind traurig und doch einfach vollkommen.
Ich bemerke wie tiefsinnig Murakami schreibt. Langsam sinke ich in meinen Sessel und versinke immer in das Buch. Es ist rührend und bewegend. Irgendwie verschwindet alles im Raum, da diese ganzen perfekten Zeilen doch eigentlich genügen.

>> Aber ganz gleich, wie nahe man einem anderen Menschen steht, ganz gleich, wie sehr man ihn liebt, ins Herz schauen kann man ihm doch nicht. Selbst wenn man es sich noch so sehr wünscht. Man macht es sich nur schwer damit. Unter Umständen können wir uns selbst ins Herz schauen, aber auch das nur mit Mühe. Uns bleibt nichts anderes übrig, als mit uns selbst ins Reine zu kommen. Will man einen anderen Menschen wirklich verstehen, kann man nur möglichst ehrlich und tief in sich selbst hineinschauen. <<  S.41

Wie wahr. Ich lese weiter und bei der nächsten Geschichte angekommen, höre ich den Song „Yesterday“. Aber wie im Buch stelle ich ihn mir abgewandelt gesungen vor.

Manchmal vergewissern sich meine Augen und damit ich, ob alles wirklich dort so geschrieben steht. Geschriebene Worte, wie ein einzigartiges Klavierkonzert. Meisterhafte Wortkompositionen, die sprachlos machen.
Das ist für mich Literatur, wie sie viel zu selten geworden ist.
Jede Seite gibt beim Umblättern eine unvergessliche Welle. Eine Spur, die für mich hoffentlich nie verblasst. Literarisches Glück auf ganzer Linie.

Haruki Murakamis neues Buch ist jetzt schon definitiv mein Buch des Jahres 2014.

Ich lese von einem Traum, der so hinreißend beschrieben wird, dass ich genau ein Bild habe.  Der Mond aus Eis. Immer zwanzig Zentimeter dick. S.74

Bei Murakami können Wirklichkeit und Surrealismus immer nebeneinander laufen und bilden das perfekte Duo fließender Worte und damit grandioser Literatur. Ich liebe Murakamis Schreibstil, wenn die Wirklichkeit verschwimmt, aber nie unsichtbar wird.

Ich lausche noch einmal, bevor ich weiterlese. Zwei Menschen, die sich nach sechzehn Jahren wieder sehen. Bei ihrer Begegnung spielt eine junge Pianistin „Like someone in love“ S.82 Ja, ich lausche und höre es schon zum dritten Mal.

Schon die ersten drei Kurzgeschichten hinterlassen wirklich klangvolle und ganz besondere tiefe Spuren, aber es sind die schönsten Spuren, wie am Strand, wenn man mit nackten Füßen auf warmen Sand läuft und rückblickend, die Schritte von sich und einem Herzensmenschen meterweit noch erkennen kann.

Ich verschwinde nun wieder in meine Leseecke und damit liebend weiter in Zeilen von Haruki Murakamis Buch „Von Männer die keine Frauen haben …

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Haruki Murakami. Von Männern, die keine Frauen haben. DuMont Buchverlag. 254 S. 19.99

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Ein Kommentar zu “Haruki Murakami. Von Männern, die keine Frauen haben. Teil 1

  1. […] ein riesiges Lächeln auf die Lippen zauberte. Das neue Buch Haruki Murakamis erscheint im Oktober. Von Männer die keine Frauen haben. (Vorgeschmack auf das Buch und eine kleine Rezension zu diesem Buch siehe Link. Aktualisierung […]

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