Beate Rösler. Die Reise des Elefantengottes.

Ich schrieb die Rezension und bin noch einmal mittendrin. Noch einmal bin ich gerührt über diese darin vorkommenden Frauenschicksale. Bewegt über die Geschichte an sich, über die vielen unnötigen Vorschriften und Moralvorstellungen eines Landes, aber auch über die Wärme, Verbundenheit, die Hintergründe und die Geschichte Indien und Pakistans.

Der Herbst ist eingezogen und er hat stets viele gute Bücher im Gepäck. Ich liebe es, wenn sich die Blätter draußen färben und die Literatur auch irgendwie noch lebendiger und bunter wird. Dann sitze ich oft am Abend in meiner Leseecke oder auf dem Sofa mit gutem Tee und lese einfach. Genieße die Stille. Oft dieses für mich sein. Nur die Zeilen und gelegentlich das Schnurren meiner Katze sind meine geliebten Mitbewohner.

Bei dem Buch die Reise des Elefantengottes trinke ich viel Darjeeling Tee. Chai Tee. Koche einmal mit Freunden indisch, besuche einmal meinen Lieblingsinder (Swera) in der Bergmannstraße, lese bei dem Essen und reise einige Tage immer wieder zu den Seiten dieses Buches.
Ein Buch, das gelesen indischen Duft verströmt , was neugierig auf Indien macht und noch soviel anderes in sich hat. Ein Lesechatz für die nun bald kommenden kalten Tage.

SAMSUNG CAMERA PICTURES

Zu Beginn fliegen Asha und Karla in den 60iger Jahren nach Berlin. Asha flieht eher und hinterlässt ihre Familie. Jeglicher Kontakt bricht ab. Eine Zeit später bekommen sie eine gemeinsame Tochter Priyanka. Die viele leider durch eine strenge Lehrerin Bianca nennen.

Bis heute weiß Priyanka nicht warum ihre Mutter Asha von Indien nach Berlin fliehen musste. Asha schweigt darüber. An sie gerichtete Fragen darüber verlaufen ins nichts oder bekommen Antworten, die aussagelose Sätze sind.
Doch Priyanka beschäftigt dies. Ihr Leben ging voran. Ein Mann, Kinder, ein Haus und eine gute Arbeit als Übersetzerin. Mit der Zeit verblassen die Fragen, aber dann erhält sie zum Geburtstag eine Reise nach Delhi- Indien. Asha ist schockiert und verlässt die Feier fast wortlos nur mit einer knappen Verabschiedung.
Schon an dieser Stelle bin ich gerührt. Manche mögen sich über Ashas Schweigen wundern, aber ich verstehe es. So eine Vergangenheit habe ich nicht, aber Dinge, die weh tun, sind manchmal im Schweigen leichter oder schreiben sich in Zeilen nieder, die oft auch versteckt sind und es meist bleiben. Asha hat ihren Ehemann Priyankas Vater verloren.

Die Person Asha berührt mich fast schon mehr als die Protagonistin. Eine Frau, die entweder über Literatur spricht oder andere Menschen zu ihrem Leben befragt. Eine Literaturprofessorin mit viel Eigensinn. Sympathie auf ganzer Ebene für diese Romanfigur, die Beate Rösler geschaffen hat. Sie ist verschwiegen, aber doch so ehrlich. Berührend und mit dem Schmerz des Verlustes geht sie doch irgendwie immer weiter. Ab und zu redet sie noch mit Karl. So auch nach der Geburtstagsfeier. Bei ihm hat sie mehr Worte. Selbst in der U-Bahn hält er ihre Hand.
Ich lese und weiß er ist nicht da, aber doch ist er es für Asha. Eine bewegende Szene.
Asha ist erschüttert über das Geschenk, der Indienreise und selbst dann bricht sich nicht ihr schweigen. Sie lässt ihre Tochter reisen und gibt ihr etwas unsagbar Liebevolles mit. Ganesha, den kleinen Elefantengott. Ihre einzige Erinnerung an Indien. Ein Elefantengott beschützt die Reisenden, bringt Glück , Erfolg und Schutz.

Ich erlebe am Anfang das Familienleben von Priyanka. Ihre Ehe, die irgendwie auch Kanten und eine niedergefallende Routine hat. Spontanität wird zum Fremdwort. Doch ich mag die Familie. Manche Beschreibungen sind so, dass ich mich fast fühle, als säße ich auch am Frühstückstisch, irgendwo im Haus oder fahre mit Priyanka und ihrem Mann auf dem Rad durch Berlin. Alles ist nah und so vertraut geschrieben.

Nach einer guten Vorbereitung auf die bevorstehende Reise , fliegt Priyanka nach Indien.
Ihre Suche führt sie in ein Kinderheim. Auch dies rührt mich. Die Kinder, deren größter Wunsch ein Zuhause und liebende Eltern sind. Es ist aber für viele auch ein Zufluchtsort. Weg von der Straße und weg von schlechten Dingen.
Schnell werden für Priyanka Sehenswürdigkeiten und der Abflugtermin zu Nebensachen. Ich genieße die Seiten als Priyanka in Indien ist. Ein anderes Land, viel Neues, exotisches und es ist mal wieder etwas verreisen ohne die Koffer selbst zu packen. Doch es gibt auch dort Geheimnisse und Schweigen. Wieder Wände, die nicht leicht zu durchbrechen sind.
Aber die Suche bringt auch Antworten, Verständnis und Verbundenheit. Überall ist Ganesha dabei und begleitet die beiden Frauen Asha und Priyanka.

Das Buch und der kleine Elefantengott Ganesha lassen mich noch Tage später nicht los. Ich rede oft über das Buch und diesen Glücksbringer.

Bekanntermaßen kommen ja Dinge oder Glücksbringer zu einem selbst. Man solle sie nie selbst für sich kaufen.

Wie Priyanka in dem so schönen Buch, habe ich auch eine sehr gute Freundin, mit der ich stets verbunden bin. Sie liest aus mir, obwohl ich mich stets bemühe, kein offenes Buch zu sein. Einige Tage später bekam ich ein kleines gestreiftes Säckchen und zum Vorschein kam eben dieser kleine Elefantengott, der mich nun überall begleitet.

Seit ich ihn habe, bringt er mir Glück und ich hoffe er tut es noch viele Male.

So begleitet mich immer ein Stück von diesem schönen Buch.

Ich bedanke mich sehr herzlich beim Aufbau-Verlag und Beate Rösler für die Zusendung dieses Buches. Solche Buchreisen sind die wundervollsten Reisen.

Beate Rössler. Die Reise des Elefantengottes. Aufbau Verlag. 350 S. 9.99 €

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s