Siegfried Lenz. Einer der bedeutsamsten Schriftsteller der Nachkriegszeit ist tot. Gedanken dazu …

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>>Auf der Bühne der Welt sind wir alle Debütanten.<< Siegfried Lenz

Nun ist er gegangen als ein großer und kein Debütant. Vielleicht sind wir so in der Welt Debütanten, aber Siegfried Lenz war auf der Welt so gar  kein Debütant im Schreiben.

Heute ist ein nachdenklicher Tag. Zu bearbeitende Texte haben eine komische Stimmung oder sind melancholisch düster. Stress, der mal nichts so positiv ist zieht durch den Tag. Nach Arbeitsschluss genieße ich etwas Kreuzberg. Ich kaufe Bücher ein und bin in Gedanken versunken. Freue mich aber über ein paar antiquarische Buchschätze. Wieder zu Hause ordne ich sie in mein Buchregal. Die Titel überfliege ich nur. Gelesen habe ich sie schon, aber sie erweitern meine Bibliothek. Dann setzte ich mich an den Schreibtisch. Mails nachsehen, Blogs lesen, die üblichen Dinge am PC. Doch dann lese ich als Erste unter den Nachrichten. Siegfried Lenz ist tot.

Er ist ein Nachkriegsschriftsteller, der überragte, aber auch scharf kritisiert wurde. Zu langatmig sei er, zu traurig oder depressiv. Die Liste der Kritik ist leider eine lange. Aber genauso viel Lob erhielt er auch. Ich schließe mich Letzterem an. Für mich ist er sehr bedeutsam.

Habichte in der Luft und die Deutschstunde kommen in meine Gedanken. Bei Habichte in der Luft geht es um Entwurzlung, Krieg, das Finden wollen, davon ablassen und das Fliehen eines Verfolgten. Man muss es genau lesen. Etwas zwischen den Zeilen lesen, um den Bezug des Buchtitels zu der Geschichte zu verstehen. Deutschstunde, habe ich mehrmals gelesen. Eine Arbeit darüber geschrieben. Ich las dieses Buch einmal mit einer Jugendgruppe von einem Deutschleistungskurs, die Berlin besuchte. Schon etwas länger her, aber nun ist dies eine schöne Erinnerung, die mir in den Sinn kommt.

Schon merkwürdig, nun stehe ich an meinem Bücherregal, greife nach Schweigeminute von Siegfried Lenz. Irgendwie ist es noch gar nicht so lange her als ich die Liebesgeschichte an der Ostsee von einem Schüler und einer Lehrerin las. Der Schüler,  dem genau diese Geschichte verfolgt, prägt wie ein rotes Lebensband.

Daneben steht „Die Auflehnung“ Eine Geschichte von einem Fischmeister und Teeverkoster. Beide verlieren wichtige Dinge in ihrem Leben und versuchen diese dann woanders zu finden. Ganz genau kann ich mich nicht mehr an die Geschichte erinnern. Sicher hole ich es nach. Das Buch behalte ich in der Hand.

Ich reise weiter durch mein Bücherregal und entdecke „Der Verlust“ lenz_siegfried_der_verlust

Ein Buch, das mich sehr bewegte.

Ich blättere noch einmal in den Seiten.

Es geht um Ulrich. Einen Reiseführer aus Deutschland. Er zeigt vielen Hamburg, redet und scherzt darüber. Dann bekommt er einen Hirnschlag und verliert seine Sprache, obwohl er noch etwas sagen will. Noch so viel sagen will.

Ich lege das Buch in meine Leseecke. Es wird mein Abendgast sein. Siegfried Lenz gab vielen eine Stimme und bewegte. Er schrieb was andere nur dachten. Tröstlich ist all das bleibt. Seine Bücher bleiben und werden weitergelesen. In Gedenken an einen besonderen Autor, der mich oft begleitete und gerade auch durch seine Werke über Krieg mir viel Lesestoff für meine Schwerpunktthemen gab.

Siegfried Lenz. Der Verlust. Deutscher Taschenbuchverlag. 240 S. 9.99 €

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