Haruki Murakami. Von Männern, die keine Frauen haben. Teil 2. Frauen und ein einziges Herbstblatt.

Die schönsten Buchseiten und die schönsten Augenblicke lassen uns selten ganz los.

Ich habe mir die Tage Murakami genommen. Mein Rad, das mich so oft begleitete, genau wie Haruki Murakami, der Autor durch den ich den Schafsmann kennenlernte, Kafka am Strand wirklich fast nur am Strand las, erfuhr was eine gefährliche Geliebte ist. Durch ihn sah ich oft den Mond an und dachte zwei oder noch mehr wären so traumhaft schön. Ich schmunzelte über Einhörner und nette Bibliothekarin. Ging durch ihn in eine unheimliche Bibliothek oder hörte Franz Liszt fast unaufhörlich. Murakami-Bild

Haruki Murakami hat schon Jahre bevor ich es wirklich sah ein für mich unvergessenes Lächeln in einem Buch festgehalten. In einem Buch lies er mich lachen und Abschied von einem besten Freund nehmen. Er brachte mich zum Lachen und war vor 8 Jahren ein schöner Begleiter in einer stillen Zeit in der nichts mehr ging. Aber lesen. Murakami lesen ging. Die Seiten bewegten sich schneller als alles andere.

All das ist vielleicht, was einen Lieblingsautor ausmacht. Er ist das schönste Band was eine Bücherliebende, wie mich begleitet. So streichelte ich meine Katze, die natürlich einen japanischen Namen hat. Mine, was so viel heißt, wie der entschlossene Schutz.

20141015_015225 Als ich dann mit Murakami eine Weile fuhr lies ich sein neues Buch „Von Männer, die keine Frauen haben“ noch einmal an mir vorüberziehen, wie die Bäume an denen ich vorbeifuhr oder die vielen Häuser. Nach all den Büchern, die ich von ihm las, war „Von Männern, die keine Frauen haben“ nach Naokos Lächeln das Beste von ihm. Ich habe nicht geglaubt, dass dies möglich ist.

Alles zieht noch einmal vorbei. Ich lachte so oft, verstand, war berührt, kannte selbst einige Situationen und meine Liebe zu Frauen machte dieses Buch noch einzigartiger für mich. Ich kann nicht genau sagen, welche Geschichte mich am meisten berührte oder mir gefiel. Vielleicht „Yesterday“ und „Das eigenständige Organ“. Doch jede, der sechs Kurzgeschichten ist wundervoll und ist wie ein schöner Seidenschal, der ein wenig die leichte Kühle des milden Herbstes nimmt.

An der Stelle muss ich sagen, dass ich nie Lieblingsbücher habe, bei denen ich nur lachen konnte oder die ganz leicht dahinflossen. Meine Lieblingsbücher gehen ganz tief rein. Zeilen, die unsagbar sprachlich schön sind und manchmal doch, wie Pfeile sind. Pfeile, die eine Spur hinterlassen und das Herz treffen. Es ist etwas Schmerz mit Melancholie. Eine schöne Melancholie, die vielleicht gerade in einem bestimmten Moment gebraucht wird. Haruki Murakami hat ein Buch geschaffen, das unsagbar schön und bedeutungsvoll für mich ist.

Meine Radtour ist längst beendet und es ist bereits ein schon erwachender Morgen. Fast zwei Wochen sind vergangen, nachdem ich das Buch las. Tage, in denen ich viel erlebte und nachgedacht habe.

„Sie war zu schön, als das ich ernsthaftes Interesse an ihr hätte haben können. Früher und auch jetzt noch. Und ihr Lächeln war noch immer zu schön, um wahr zu sein. “ S. 80

Die Frau mit dem unvergessenen Lächeln hat dieses Lachen immer noch. Sie lächelt und es ist Glück und ein Gefühl wie kleine Sommerregentropfen, die prickelnd auf die Haut fallen. Wenn ich sie ansehe, frage ich still in Gedanken, ob sie weiß, wie unsagbar schön sie ist. Dieses makellose Lächeln, welches zu kurz ist, aber so, dass ich die Sprache verliere. Ein helles Lächeln, das ihre dunklen Augen und ihr Gesicht vollkommen macht. Ihre Klugheit kann man nicht sehen. Doch ihre Klugheit liegt wie schon mal gesagt in jedem Wort oder jedem Satz, den sie formt und spricht. Gesamt zu schön, um wahr zu sein. Doch manche ach so wundervollen Menschen sind wahr. Auch, wenn es so unglaublich ist, wie zwei Monde … aber wer weiß.

„Frauen schenken uns besondere Momente, in denen sie für uns mitten in der Wirklichkeit die Wirklichkeit außer Kraft setzen. Und Scheherazade beschenkte ihn damit im Überfluss. Der Gedanke daran, dies irgendwann einmal verlieren zu müssen, erfüllte ihn mit größerer Traurigkeit als alles andere. “ S.162

Bei der Kurzgeschichte Schehezerade baut sich eine schöne Atmosphäre auf. Sie, die ihm Geschichten erzählt. Er der zuhört und ab und zu haben sie Sex. Nach Nähe, wenn der Schlaf noch nicht bereit ist, ist es wunderbar angenehme Worte fließen zu lassen, einfach eine Geschichte zu erzählen oder ein Buch aufzuschlagen und vorzulesen während das Gefühl, die Leidenschaft noch im ganzen Raum ist.

„Die Zeit war kein Pfeil, der in einer geraden Linie flog. Es regnete weiter, die Zeiger der Uhr verwirrten sich, die Vögel schliefen noch tief und fest, ein gesichtsloser Postbeamter sortierte stumm die Postkarten, die wohlgeformten Brüste seiner Frau wippten, und jemand klopfte weiter hartnäckig an die Scheibe, unendlich regelmäßig, als wollte er ihn in ein verheißungsvolles Labyrinth locken. Klopfklopf, Klopfklopf und wieder Klopfklopf. Schau nicht weg, schau hin, flüsterte jemand in sein Ohr. Denn es ist dein Herz. “ S.205

Ich lese weiter. Nehme die restlichen Seiten zwischen Zeigefinger und Daumen. Dann blättere ich sie schnell. Sie fallen alle auf die andere Seite. Nur noch wenige Seiten. Ich nehme den Duft des Buches auf und meine Augen fallen wieder auf die wunderschönen Zeilen von Haruki Murakami. Kurz vor dem Ende bin ich noch einmal vertieft. Bis zum Grund eingetaucht. Behutsam lese ich Zeilen in denen eine bestimmte Musik beschrieben wird, in der sich eine Frau fühlt, wie in einem unbegrenzten leeren Raum. Keine Decke, keine Wände. Nichts ist da. Auch die vielen Tausenden Gedanken nicht. Wie schön dies wäre.

Am Ende saß ich ganz still da. Mindest viermal lese ich die Zeilen: So ist es, eine Frau zu verlieren. Und einmal eine Frau zu verlieren bedeutet mitunter auch, alle Frauen zu verlieren. 

Aber dann egal was ist ihr das Beste zu wünschen. Im Hintergrund läuft noch der beschriebene Song aus den Letzten Seiten. Theme from >> A Summers Place<< Percy Faith 

Da ich gern Standard/Latein tanze, bewegen sich meine Füße und eigentlich möchte ich tanzen, da dieses Buch so grandios war und mich bereichert hat. Aber ich halte an. Gedanken tanzen oft viel stärker.

Ja mitunter ist dies so. Wahrlich ist die Liebe sehr selten und diese dann zu verlieren ist wie Herbstblätter, die fallen, verwehen und ihren Ort bei dem sie für die schönste Zeit angekommen waren verlieren. Aus Angst diesen Verlust wieder zu erleiden sind manche von uns lieber allein. In alle Richtungen fliegen sie. Dann sind sie fort. Manchmal ist es gut im Stillen, etwas entfernt zu lieben. Die Liebe kann zu groß sein, um komplett bedingungslos zu lieben. Das Buch „Von Männern, die keine Frauen haben“ von Haruki Murakami ist so neu und Frisch wie der Frühling. Es ist warm und mit gelegentlichen Sonnenstrahlen aus dem Sommer. Nachdenklich, aber auch bunt wie der Herbst. Aber am allermeisten ist dieses Buch so einzigartig, wie jede Schneeflocke aus dem Winter.

Dieses Buch ist für alle, aber auch für Frauen, die Frauen lieben. Manchmal haben wir keine Frauen, weil sie wie Herbstblätter im Wind sind und doch kehren neue Blätter jedes weitere Jahr zurück. So oft zeigt die Liebe nicht ihr Gesicht. Aber ganz … ganz selten ist eine Frau wie ein wunderschönes Blatt zwischen Buchseiten und bleibt. SAMSUNG CAMERA PICTURES

Haruki Murakami. Von Männern, die keine Frauen haben. DuMont Buchverlag. 254 S. 19.99

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