Peggy Wolf. Acker auf den Schuhen. Spurensuche. Das Glück Liebe frei zu leben.

Vor knapp zwei Wochen kam die Idee mal etwas raus. Auftanken. Dazu mit etwas Spurensuche für ein Buch untermalt. Peggy Wolfs Buch „Acker auf den Schuhen“

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Mal die wirkliche Landluft einatmen. Nicht nur irgendwo am Stadtrand. Ganz still. Stille und die komplette Ruhe genießen, die ab und zu einfach nötig ist. Links und rechts … nichts. Vorne hinten auch nicht. Ein Dorf. Wenige Häuser schmiegen sich seitlich am Acker entlang. Etwas Nebel. Und während wirklich die Erde vom Acker schon den Weg zu den Schuhen gefunden hat, tauchen Gedanken an das Buch von Peggy Wolf auf.

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Es war sicher ein Dorf, das genauso still ist und war, wie dieser Acker mit ein paar Bäumen und Häusern. Doch genau betrachtet ist ein Dorf selten still. Nach außen schweigt es oft. Im Inneren teilen gesprochene aufgeregte Worte, die meist nicht wesentlich sind aber Schläge aus. Der Acker wird von einem leichten Regen getränkt. Wieder Stille. Weitere Gedanken an das Buch sind deutlich klarer als der Nebel.

Die Geschichte verschlägt Leser_innen in ein Dorf. Traute Häuschen mit Garten und viel Gerede. Jeder kennt jeden. Menschen lächeln sich an und wollen es eigentlich nicht. In dem Dorf ist alles noch konservativ, da der Pfarrer Oberhaupt ist und richtige Offenheit ist meist nur in einem geöffneten Fenster mit schönen weißen Gardinen.

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Mittendrin ist Familie Schütter. Es könnte alles so normal sein. Aber ihre Tochter Susanne ist tot. Gerüchte und Mutmaßen kommen auf. Eigentlich weiß jeder, dass Susanne freiwillig gegangen ist, aber es wird versteckt, wie Essen in einer Vorratskammer, das irgendwann verschwindet, weil man es vergisst. In dem Dorf wird geschwiegen. Unterhaltungen kratzen oft an der Oberfläche. Hier gibt es ein hohes Maß daran, die Haltung zu bewahren. Erwartungen und ein geradeaus Denken mit katholischem Glauben lassen kaum einen Raum für andere Seiten wie gleichgeschlechtliche Liebe. Moral ist in dem Dorf sehr eng gefasst.

Susanne, eine Frau in der Mitte des  Lebens bringt sich um. Die verbalen Schläge eines Dorfes, ihrer Familie waren zu viel. Die Kirche geht vor dem Glück des eignen Kindes. Susanne erträgt dies nicht länger.

Ihre Familie hat nach dem Tod Susannes nichtige Gedanken. Zwischen Trauer aller Familienmitglieder, die auch anreisen, mischt sich der viel zu enge Knoten der katholischen Kirche und der fehlende Blick über den Tellerrand aller Dorfbewohner. Susanne habe in Sünde gelebt, ihr Leben vorzeitig beendet. Ein Unglück, was Folgen haben könnte. Glauben und Engstirnigkeit laufen in dem Roman Hand in Hand.

Das Dorf kommt bei der Beerdigung zusammen und generell schweigt es sich weiter aus. Aber dennoch manche suchen Antworten für Susannes Tod und finden sie.

Das Thema ist sehr aktuell. Es wird Zeit über viele Dinge offener zu sprechen und noch mehr nachzudenken. Leben und leben lassen wird leider noch nicht überall gelebt.

Die Luft und der ausgedehnte Spaziergang am und auf dem Acker tun gut. Das Abschalten außerhalb der Stadt auch. Auf der Rückfahrt sind von der Autobahn die Lichter von Berlin zu sehen. Zwei Lachen und zwei Hände, die sich berühren. Noch einmal etwas Nachdenklichkeit. Aufatmen. Ein kleiner Spaziergang zum Abschluss eines tollen Wochenendes. Ganz nah miteinander. Wieder lächeln …

Wir sind hier und leben frei. Kein Dorf im Nacken, keine Moral, die uns zu ersticken droht. Gut so. Noch einmal ein tiefes Einatmen und Ausatmen.

Ein sehr tiefsinniges Buch.

Nun wäre zu denken, dass dies trist klingt, aber das Buch hat wirklichen einen Sog. Spannend und interessant geschrieben. Ein sehr gutes Buch. Einmal fernab von Großastadt, lesbischer Partyszene und typischen Szeneleben, gibt es auch viel zu erzählen.

Eine tolle Rezension gibt es auch hier bei Aviva von Ahima Beerlage:

Peggy Wolf. Acker auf den Schuhen. Querverlag. 192 S. 14.90 €  ISBN: 978-3-89656-223-4

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