Babara Knödler. Der Geruch des Meeres.

Als ich das Buch sah, sprach mich das Cover an und die Rückseite weckte meine Neugierde. Eine 74-jährige Schriftstellerin und Fotografin hat sich nach dem Tod ihrer Lebensgefährtin aufgemacht, Stationen ihres bewegten Lebens zu besuchen und eine ungewöhnliche Liebe zu entdecken.

Was mich skeptisch machte, war der enorme Altersunterschied einer deutlich unter 30 jährigen Frau und einer Frau mit 74 Jahren. Fast 50 Jahre Unterschied sind selbst für mich etwas viel. Es ist nicht 30 Jahre und 54 oder 30 und 65 mit der Voraussetzung, dass die junge Frau hoffentlich etwas weiterdenkt.

Doch ich las und war beeindruckt. Es geht nicht hauptsächlich um einen großen Altersunterschied. Die Protagonistin geht auf eine wundervolle Reise und ich reise beim Lesen mit ihr, sehe viele Wege. Ihre Beschreibungen der Menschen und wie sie reist bringen mir anfangs sogar etwas Fernweh. Ich lese die vielen so verständlichen Gedanken der Schriftstellerin und fühle ich mich mit ihr schnell verbunden.

Auf vielen Seiten die Lebens -und Ankommensgedanken, die mir gerade jetzt wieder durch den Kopf gehen. Auch ihr Zweifel einer fast schon ungewöhnlichen Liebe steht in vielen Zeilen. Oft nicke ich und verstehe. Auch ihre Gedankengänge zum Alter.

Wo ankommen auf die letzten Jahre und rückblickend war dann in den vielen schon vergangenen Jahren Zufriedenheit? Wo geht am Ende die Reise hin? In was oder in wen erkennt man sich wieder? Wen möchte man unbedingt noch einmal sehen? Wie handeln im letzten Lebensabschnitt? Im Alter zeigt der Körper Grenzen auf und auch dies wird in dem Buch nicht vergessen. Endlich ein bedachter Blick auf einen Lebensabend mit allen Facetten. Alles ist in einer Zartheit und so gedankenvoll geschrieben, dass ich nur darin versank und beeindruckt war.

Das Buch ist wie ein Kurzurlaub am Meer. Poetisch, nachdenklich, bewegend.

1977048_935193053158734_624939797480990070_n Oft wollte ich die Protagonistin zu der jungen Frau Lea schubsen, wissend das Gefühle oft ungewöhnliche Wege gehen und alle auch versteckt einen Sinn oder ein Zeichen haben. Aber irgendwie wollte ich sie am meisten auch umarmen und sagen stehend auf der anderen Seite, weiß ich was sie meint. Jeden noch so kleinen Gedankengang, egal, ob zum Gefühl oder die Gedanken zum Leben.

Leben ist oft das schnelle Laufen bis wir an einem Platz anhalten können, der uns Ruhe schenkt. Irgendwann.

Lea und die Schriftstellerin tauschen dann Zeilen miteinander aus und ich bin über diesen gefühlvollen Austausch mehr als gerührt. Denn alles, nicht nur in den ausgetauschten Zeilen ist ehrlich und echt, mit jedem dazugehörigen Zweifel oder aufkommenden Ängsten.

„Ich hatte es vermieden, mich zu sehr in die Betrachtung ihres Körpers, ihrer Augen, ihres Mundes versinken zu lassen. Hatte all meine weitergehenden Gefühle auf meine Träume verschoben.Dort waren sie freilich mit großer Macht hervorgebrochen, hatten meine Nächte mit brennenden Bildern gefüllt, mit Sehnsüchten, deren Existenz ich schon beinahe vergessen hatte. Ich träumte fast jede Nacht von ihr, und meine Träume waren ein einziger Reigen an Köstlichkeiten und Verzückungen. Wenn ich morgens erwachte, lag ich meist noch eine Weile da, ließ meine Gedanken schweifen und gönnte mir die Zeit zurückzukommen, mich von den Trugbildern der Nacht zu verabschieden.“ 

Ich lese diese Zeilen und dann Stille. Durch den Flur laufen scheint mir gerade kurz näher, als das Weiterlesen. Genauso ist es umgekehrt auch. Ich kann den Glanz der Augen einer älteren Frau sehen, ihre Klugheit, ihre Sinnlichkeit, ihr Lachen, was mir die vielen dauerkreisenden Gedanken im Kopf wegwischt. Spüren, wie sie mich jedes Mal aufs Neue bewegt, berührt auf eine Weise, wie es nur wenige Menschen vermögen und doch schläft dies im Schweigen. Lieben tue ich selten und wenn bewahre ich es erstmal in einer tief verschlossenen und begrabenden Kiste. Die Ängste sich lächerlich zu machen, mehr zu verlieren als zu gewinnen, viel Nähe nicht aushalten zu können sind oft stärker. Es bleiben die Träume ihre Hand zu nehmen und sie wie beim Tango einfach in die Arme zu drehen oder sie einmal einfach halten zu wollen. Oder der Mut siegt und schafft  möglicherweise einen schönen Weg.

Dennoch nichts ist leicht und im höheren Alten scheinen sich die Zeiger der Lebensuhr schneller zu drehen. Gerade dann ist das Sortieren, Rückblicken und das Innehalten wichtig. Ich mochte das Buch gerade wegen der wundervollen Beschreibungen und das zur Ruhe kommen der Protagonistin. Auch das Verlust eines Menschen so viel Schmerz und gleichzeitig Bewegung bedeuten kann.

Ich weiß nicht, ob über das Leben reflektieren, nachdenken eine Altersfrage ist, denn ich selbst stelle mir seit Monaten oft die selben Fragen. Ich fand gut, dass es ein Buch ist, das nicht nur kitschig einen Altersunterschied auf Seiten presst, sondern alle Seiten betrachtet auch die von Lea und die vom alltäglichen Leben.

Einfach einen realistischen Blick auf alles.

Irgendwann gegen Ende des Buches eine wundervolle Szene …Das Meer, die Frau mit einer Hündin, ein Haus, Ruhe …

Irgendwie wenige Zeilen, aber ein großes Stück von meinem Ich… ganz tief drin.

74 Jahre bin ich noch lange nicht, aber es ist alles so zu verstehen. Ankommen und die Ruhe die, die Seele auch leichter laufen lässt. Die Zeiger, die sich durch was auch immer anderes drehen.

Einfach leben ohne Hektik mit allen Sinnen und Blick für so viele Schönes, was wir viel zu oft übersehen.

Für mich ein Buch, das unvergessen bleibt, wunderschön, jeder Satz, jeder Gedanke davon.

Nur eins habe ich festgehalten, was ich an dem Buch nicht mag „alte Frau“ wird so oft gesagt, wenn auch eher liebevoll gemeint, wird dort verständlich, dass das Alter an diesen Stellen sehr betont wird. Aber ich selbst liebe, wie gesagt sehr selten, aber immer deutlich ältere Frauen. Für mich sind sie nicht alt, sondern gesamt wunderschön und um so vieles schöner, sinnlicher, bedachter, angekommener, geordneter als jüngere Frauen. Sie fangen meine Blicke oder ganz selten meine Liebe ein, weil sie, wie ein perfektes Bild sind und kein einziger Pinselstrich noch dazukommen muss oder reifen muss…

Ein sehr lesenswertes Buch, gerade auch für Menschen, die sich die vielen aufkommenden Lebensfragen stellen.

Babara Knödler. Der Geruch des Meeres. Querverlag. 184 S. 14.90 €

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Gudmundur Andri Thorsson. In den Wind geflüstert.

Als ich das Buch sehe, möchte ich so gleich verschwinden einfach nur lesen. Irgendwie strahlt das blau-weiße Cover schon eine Ruhe aus. Ein kleines Segelboot auf ganz ruhigem Gewässer. Ein sanfter Sommergedanke durchzieht mich, obwohl draußen der Regen des Winters an die Scheibe klopft. Also schlage ich die erste Seite auf und bin gespannt auf die Wellen, die das Buch schlagen wird und ob es die Stille eines Segelbootes auf ganz ruhigem See wirklich in sich trägt.9783455403343

Mein Tee wird mal wieder kalt und meine Katze bekommt etwas weniger Aufmerksamkeit. Ja und die Zeit vergeht mit Zeilen, die nach und nach von meinen Augen verschlungen werden.

„Liebe erwacht, Blumen sterben, Menschen geben auf halber Strecke auf, Autoscheinwerfer verblassen in der Schwärze des Abends, eine Kerze flackert im Luftzug eines Fensters, Momente bleiben im Gedächtnis, doch die Tage vergehen. Monate vergehen. Empfindungen und Jahre vergehen.“  S. 8

„Ich habe gesehen, wie die Liebe in Augen erwachte und in Taten starb.“ S. 9

Das Buch ist poetisch und alles scheint in einer wundervollen Melodie geschrieben zu stehen.
Eigentlich eine ganz einfache Geschichte, die Urlaubsgefühle hervorruft. Ein winziges isländisches Fischerdorf mit merkwürdigen, aber liebenswerten Einwohnern. Es ist Mittsommer und alles ist herrlich ruhig nur Kata radelt durch das Dorf, denn am Abend soll sie den Chor des Konzertes dirigieren. Jedes Haus an dem sie vorbeifährt hat seine Bewohner und somit eine Geschichte zu erzählen. Ich lerne sie  auf Katas Weg alle kennen. Darunter der Papageientaucher, der Solist und ein Dichter, ein Hinterbliebener. Sie berühren mich mit ihren Geschichten. Am liebsten würde ich meine Koffer packen und das Dorf Valeyri besuchen oder wenigsten mit einem Segelboot und Herzensmenschen auf einem schönen See sein. Mir fällt mein Lieblingssee, der Stößensee ein, der Garten einer meiner engsten Vertrautesten in Tiefwerder und diese Ruhe, die viele Natur. Ein schöner kurzer Rückblick zum letzten Sommer des Jahres, welche das Buch hervorruft. 13904_848187785192595_1745066604026362126_n

Wie gebannt lese ich weiter folge den so klangvollen Zeilen und Worten, die perfekter nicht aneinander gereiht sein könnten. Ich lese, was so wichtig im Leben ist, das Liebe sicher einen besonderen Stellenwert hat, aber auch, wie oben schon gesagt an Taten sterben kann und dazu gibt es ein kleiner Auszug, der mich bewegte.

„Sie weiß alles von ihm. Sie durchschaut ihn. Der Ort, den er in ihrem Herzen einnimmt, ist eine kalte und tote Lichtung, auf der einst Blumen wuchsen. Er ist ein mit Spinnweben überzogener Dachboden in einem verfallen Schloss.“ S. 119

Doch mich beschleicht ein leicht komisches Gefühl. Das Buch birgt ein Geheimnis in sich, genau wie das ganzes Dorf und es ist irgendwo zwischen den Zeilen oder folgt noch deutlich auf Seiten.

So folgt dem so schon nicht aufhören des Lesens noch eine gute eingeschlichene leichte Spannung. Ich möchte wissen, wie alles zusammenhängt. Was verbindet die Bewohner?
Doch mir wird von Geschichte zu Geschichte auch klar, was wirklich im Lebens zählt. Viele Ansichten teile ich und immer wieder ist es gut die Augen auch für die kleinen ebenso schönen Dinge des Lebens zu haben. Öfters ertappe ich mich dabei, wie ich selbst auf mein Leben, meine Räume schaue. Manchmal gehen Menschen. Habe ich ihnen genügend Zeit geschenkt? Wo komme ich an? Wo zur Ruhe?

Da sind sie also, die Wellen, die ich meinte. Dieses Buch schlägt wundervolle, aber auch nachdenkliche Wellen, die auch mal an der Brandung zerschellen, ihre Antwort dann aber wieder zurückgekehrt im Meer finden.

Was für ein Buch denke ich, als ich fertig bin und nur die Rückseite des Buch betrachte.

Es hat die Einzigartigkeit einer hohen Welle, auf der wir nicht einfach mit dem Surfbrett reiten, aber sie einfach von außen gesehen so unsagbar schön finden und jede Zeile ist ein ruhiger schöner Fluss, vieles so hinreißend, wie ein einsames Segelboot im Sommer und darauf dann ein grandioses Buch zu lesen. Das Buch trägt noch so viel mehr in sich als das.

Eines, der poetischsten Bücher, die ich seit langem las. Meisterhafte Zeilen in die sich gern lesende Augen verlieben werden.

Gudmundur Andri Thorsson. In den Wind geflüstert. Hoffe und Campe Verlag GmbH. 12.August 2014. 176 S. 18 €

Margot Friedlander. „Versuche, dein Leben zu machen.“ Als Jüdin versteckt in Berlin. Gegen das Vergessen.

Mein erster Beitrag im Jahr 2015 stammt nicht aus der Belletristik, sondern der Geschichte. Es ist am späten Nachmittag und ich sitze nach einer Lesung nach einigen Monaten wieder neben Margot Friedlander, rede mit ihr. Eine Ehre. Das bringt mich zum Nachdenken. SAMSUNG CAMERA PICTURES

Ich blicke noch einmal kurz zurück in das Jahr 2014, aber nicht auf die wundervollen Bücher, sondern diesmal auf die politischen und allgemeinen Entwicklungen. Wenn ich dies tue, tue ich es jedes Mal mit einem weiteren Blick zurück, als ich studierte und für mein Schwerpunkthema Nationalsozialismus und Rechtsextremismus oftmals belächelt oder nicht verstanden wurde.

Themen, die mich durch die Geschichte meiner Großeltern aber stets begleiteten. Sie haben viel erlebt, mussten fliehen sahen, wie Freunde von ihnen erschossen wurden und wie der Todesmarsch in ihrem Dorf lief. Bilder, die ich selbst zum Glück nicht sah und doch waren sie vor meinen Augen. Also wählte ich diese Themen.

So oft saß ich bei meinen Großeltern oder Überlebenden des Holocaust und hörte ihnen zu. Genau diese Geschichten, die sie prägten und von denen ich merkte, dass sie, sie immer noch begleiteten brachte mich dazu gegen das Vergessen einzutreten. Im Jetzt sind meine Großeltern, wie viele aus der Zeit schon gestorben, aber ich weiß sie würden voller Missmut und Angst auf die heutigen Entwicklungen blicken.

2014 zog Hass und Menschenverachtung wieder ein. Homophobie ist plötzlich ein Wort, welches häufig gehört und gelebt wird, Kriege gehen mit Terrorismus nebeneinander her und werden weitergeführt ohne jegliches Gewissen, dass es immer die Unschuldigen trifft, die, die Opfer des Krieges sind. Nicht aber die Menschen, die wahrlich den Krieg führen. Es brodelt der Hass und gegen Ende des Jahres, wachsen zusätzlich Gruppen aus einer Angst wie Pegida plötzlich, wie Unkraut hervor. Dies alles hinter einem Schleier mit der Aufschrift wir sind keine Nazis. Doch genau betrachtet ist die Bilanz erschreckend, sie schreien „Ausländer raus“. Sie verstecken sich hinter dem Christentum, stellen sich als Retter des Abendlandes vor und das obwohl ihnen dies selbst erbanden gekommen ist. Vorbei mit der Nächstenliebe. Sie leben den Gegensatz des Christentums und der nötigen Menschlichkeit, lächeln bei Interviews in die Kamera und stellen haarsträubende aus ihren unsinnigen Ängsten gewachsene Thesen auf, in denen falsche Behauptungen, wie der Islam sei bald überall und dies seien alles gefährliche Menschen, bei den Ausländern gibt es mehr Kriminalität, die Ausländer seien an allem schuld, bringen die Pest, nehmen uns das Geld weg an der Tagesordnung stehen. Selbst gemeißelte ideologische Aussagen, die nur erschüttern und keine weiteren Meinungen zulassen. Außerdem von Parteien wie CSU und AfD noch gestützt werden. Die Bewegung nach rechts bringt Fassungslosigkeit in viele Gesichter.

Für mich ist all das der Moment, in dem es wichtig ist zu reden. Bloß nicht schweigen. Schweigen führte schon in der Vergangenheit zu Folgen, die zu unermesslich viel Leid und Toten führten. Ich lese wieder unzählige Bücher über Rechtsextremismus und Holocaustüberlebenden. In meinem Bücherregal stoße ich wieder auf Margot Friedlander. „Versuche dein Leben zu machen“ Als Jüdin versteckt in Berlin. Umso großartiger sie jetzt zu sehen.

Margot Frielander ist 21 am 20. Januar 1943 als sie ihre Mutter und ihren Bruder treffen will, findet sie anstatt ihnen einen Zettel mit der Aufschrift der Mutter: „Ich habe mich entschlossen, mit Ralph zu gehen, wohin immer das auch sein mag. Versuche, dein Leben zu machen.
Lebe dein Leben“51Pa-mk-jHL._SY344_BO1,204,203,200_

Diese Worte müssen in Margot Friedlanders Ohren, wie eine schier unüberwindbare Last gewesen sein. Sie beschließt unterzutauchen. Einfach weitermachen. Ständig von der Angst begleitet entdeckt zu werden flieht sie, färbt sich die Haare, lässt sich die Nase operieren, taucht ab, sucht sich immer wieder neue Unterkünfte. Es gelingt ihr über 15 Monate verborgen zu bleiben. Sie entkommt sogar der Gestapo. Im April 1944 endet das Verstecktsein durch Juden, die Juden verraten, um zu überleben und sie wird nach Theresienstadt deportiert. Mit viel Glück überlebt sie. Bleibt und heiratet dort und emigriert dann mit ihrem Mann in die USA. Doch die Mutter und der Bruder überleben den Holocaust nicht, sondern werden in Auschwitz ermordet.

Alles ist so intensiv beschrieben, dass ich mich hinein fühlen kann, den Schmerz spüre, die Angst, die mir selbst fast die Kehle zuschnürt und der Wahn des Krieges mit seinem erschreckenden Ausmaß. Dieser vernichtende Hass und Gewissenlosigkeit anderer Menschen gegenüber. Wie gesagt schon mehrmals bin ich Margot Friedlander begegnet. Ich könnte ihr noch tausend Mal begegnen und es wäre eine Ehre für mich.

Oft schauen wir Stars an, schauen sogar zu ihnen auf, aber ich tue dies selten bis gar nicht, aber Menschen, wie Herta Müller und Margot Friedlander beeindrucken mich.

Margot Freidlander war so unglaublich tapfer. Ich bin erstaunt über soviel alleinigen Lebenswillen. Dieser Mut, der niemals dem Aufgeben wich. Gut, dass sie überlebt hat und gegen das Vergessen des Nationalsozialismus soviel tut. Mit 93 Jahren hält sie noch Lesungen an Schulen, Instituten. Ihr Terminkalender ist voll, kein freier Tag. Ich frage sie noch, wie es für sie ist all diese Veränderungen in Richtung Hass zu sehen? Sie antwortet mir ausführlich damit, dass sie einfach gegen das Vergessen antritt in dem sie aufklärt, redet, ihre Geschichte erzählt.

Genau, das ist zu tun. Wir dürfen nicht vergessen und müssen die Fehler aus der Vergangenheit ruhen lassen. Nichts ist schlimmer als Verletzungen der Menschlichkeit. Mögen noch viele sie hören und zur Besinnung kommen.

Am Ende verabschiede ich mich wieder herzlich und gerührt von ihr. Ja, ich bewundere Menschen, wie Margot Friedlander. Diese Menschen können die Geschichte nicht nur aus Büchern lesen, sondern sie haben diese Geschichte aus den vielen vielen Büchern erlebt.

Heute Jahre später werde ich nicht mehr belächelt dieses Thema studiert zu haben, es kommen keine Sprüche wie „Ach das war mir schon in der Schule zu viel“ Nein die Thematik Rechtsextremismus, die Ideologie des Hasses sind heute aktueller denn je.

Margot Friedlander ist eines der Menschen, zu denen wir aufschauen können, ihr zuhören sollten. Gerade die Zweifler, die Menschen, die gerade menschenverachtend handeln und dies nicht einmal im Bewusstsein wissen, sollten zuhören und sich genau informieren. Die Vergangenheit zeigt schon oft genug, dass genau dieses Wegsehen von Tatsachen, eine unberechtigte Angst und Nicht-Wissen zu einer Katastrophe führen.

!!Mögen Menschen, wie Margot Friedlander noch viel bewegen und mögen die Menschen gegen den Nationalsozialismus gegen das Vergessen immer in der viel größeren Mehrheit sein.!!

Wenn wir die gelebte Geschichte, die in Büchern geschrieben steht vergessen wiederholen wir die Fehler daraus, die nur auf Papier geschrieben bleiben sollten.

Möge es bei dem Papier bleiben. Gegen das Vergessen.

Einen herzlichen Dank an Margot Friedlander.

Margot Friedlander. Malin Schwerdtfeger. „Versuche, dein zu machen.“ Als Jüdin in Berlin. Rowohlt Berlin. 7.März. 2008. 272 S. gebundene Ausgabe 19.90 € Taschenbuch 8.99 €