Gudmundur Andri Thorsson. In den Wind geflüstert.

Als ich das Buch sehe, möchte ich so gleich verschwinden einfach nur lesen. Irgendwie strahlt das blau-weiße Cover schon eine Ruhe aus. Ein kleines Segelboot auf ganz ruhigem Gewässer. Ein sanfter Sommergedanke durchzieht mich, obwohl draußen der Regen des Winters an die Scheibe klopft. Also schlage ich die erste Seite auf und bin gespannt auf die Wellen, die das Buch schlagen wird und ob es die Stille eines Segelbootes auf ganz ruhigem See wirklich in sich trägt.9783455403343

Mein Tee wird mal wieder kalt und meine Katze bekommt etwas weniger Aufmerksamkeit. Ja und die Zeit vergeht mit Zeilen, die nach und nach von meinen Augen verschlungen werden.

„Liebe erwacht, Blumen sterben, Menschen geben auf halber Strecke auf, Autoscheinwerfer verblassen in der Schwärze des Abends, eine Kerze flackert im Luftzug eines Fensters, Momente bleiben im Gedächtnis, doch die Tage vergehen. Monate vergehen. Empfindungen und Jahre vergehen.“  S. 8

„Ich habe gesehen, wie die Liebe in Augen erwachte und in Taten starb.“ S. 9

Das Buch ist poetisch und alles scheint in einer wundervollen Melodie geschrieben zu stehen.
Eigentlich eine ganz einfache Geschichte, die Urlaubsgefühle hervorruft. Ein winziges isländisches Fischerdorf mit merkwürdigen, aber liebenswerten Einwohnern. Es ist Mittsommer und alles ist herrlich ruhig nur Kata radelt durch das Dorf, denn am Abend soll sie den Chor des Konzertes dirigieren. Jedes Haus an dem sie vorbeifährt hat seine Bewohner und somit eine Geschichte zu erzählen. Ich lerne sie  auf Katas Weg alle kennen. Darunter der Papageientaucher, der Solist und ein Dichter, ein Hinterbliebener. Sie berühren mich mit ihren Geschichten. Am liebsten würde ich meine Koffer packen und das Dorf Valeyri besuchen oder wenigsten mit einem Segelboot und Herzensmenschen auf einem schönen See sein. Mir fällt mein Lieblingssee, der Stößensee ein, der Garten einer meiner engsten Vertrautesten in Tiefwerder und diese Ruhe, die viele Natur. Ein schöner kurzer Rückblick zum letzten Sommer des Jahres, welche das Buch hervorruft. 13904_848187785192595_1745066604026362126_n

Wie gebannt lese ich weiter folge den so klangvollen Zeilen und Worten, die perfekter nicht aneinander gereiht sein könnten. Ich lese, was so wichtig im Leben ist, das Liebe sicher einen besonderen Stellenwert hat, aber auch, wie oben schon gesagt an Taten sterben kann und dazu gibt es ein kleiner Auszug, der mich bewegte.

„Sie weiß alles von ihm. Sie durchschaut ihn. Der Ort, den er in ihrem Herzen einnimmt, ist eine kalte und tote Lichtung, auf der einst Blumen wuchsen. Er ist ein mit Spinnweben überzogener Dachboden in einem verfallen Schloss.“ S. 119

Doch mich beschleicht ein leicht komisches Gefühl. Das Buch birgt ein Geheimnis in sich, genau wie das ganzes Dorf und es ist irgendwo zwischen den Zeilen oder folgt noch deutlich auf Seiten.

So folgt dem so schon nicht aufhören des Lesens noch eine gute eingeschlichene leichte Spannung. Ich möchte wissen, wie alles zusammenhängt. Was verbindet die Bewohner?
Doch mir wird von Geschichte zu Geschichte auch klar, was wirklich im Lebens zählt. Viele Ansichten teile ich und immer wieder ist es gut die Augen auch für die kleinen ebenso schönen Dinge des Lebens zu haben. Öfters ertappe ich mich dabei, wie ich selbst auf mein Leben, meine Räume schaue. Manchmal gehen Menschen. Habe ich ihnen genügend Zeit geschenkt? Wo komme ich an? Wo zur Ruhe?

Da sind sie also, die Wellen, die ich meinte. Dieses Buch schlägt wundervolle, aber auch nachdenkliche Wellen, die auch mal an der Brandung zerschellen, ihre Antwort dann aber wieder zurückgekehrt im Meer finden.

Was für ein Buch denke ich, als ich fertig bin und nur die Rückseite des Buch betrachte.

Es hat die Einzigartigkeit einer hohen Welle, auf der wir nicht einfach mit dem Surfbrett reiten, aber sie einfach von außen gesehen so unsagbar schön finden und jede Zeile ist ein ruhiger schöner Fluss, vieles so hinreißend, wie ein einsames Segelboot im Sommer und darauf dann ein grandioses Buch zu lesen. Das Buch trägt noch so viel mehr in sich als das.

Eines, der poetischsten Bücher, die ich seit langem las. Meisterhafte Zeilen in die sich gern lesende Augen verlieben werden.

Gudmundur Andri Thorsson. In den Wind geflüstert. Hoffe und Campe Verlag GmbH. 12.August 2014. 176 S. 18 €

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