T.C. Boyle. Hart auf Hart

Es gibt Autoren für die lasse ich andere Bücher noch nicht ganz ausgelesen liegen. T.C Boyle ist so ein Autor. Endlich wieder literarische Nahrung von ihm und für mich ist „Hart auf Hart“ wirklich ein Buch, das mich so sehr fesselte, wie seine früheren Bücher.

Protagonist ist Adam. Er leidet an einem chronischen tief festgesetzten Verfolgungswahn, der ihn überall Aliens, Chinesen und imaginäre Feinde vermuten oder sehen lässt. Sein psychisches Leiden durchzieht sein ganzes Leben und sein Umfeld wie ein roter Faden.

Adams Vater Sten ist Vietnamveteran, welcher durch einen Zufall bei einem Raub zum gefeierten Helden wird, obwohl er dem Täter das Genick brach. Er hat selbst Schwierigkeiten im Leben und sein angesehenes Heldendasein verschwindet, da gerade er und Adams Mutter Carolee bei Adam versagt und vielleicht sogar, wie ich später überlege Adam sehr geprägt haben.

In seinem Wahn verschanzt sich Adam, schafft sogar ein Waffenlager. All sein Schaffen immer ganz nah an seinem sogenannten Vorbild Colter aus einer Geschichte, die er sehr mochte.

Eine weitere Rolle in dem Buch ist Sara, die ständig Schwierigkeiten bekommt, da sie sich gegen die Politik, Ämter usw. auflehnt. Als sie Adam kennenlernt meint sie endlich jemanden gefunden zu haben, der ihre Feindbilder versteht. Doch Adam meint all seine Pläne und Waffengewalten ernst.

Boyle_24737_MR.inddAlles ist anfangs fast ein wenig surreal. Viele Eindrücke, die erschrecken. Nur leider sind sie genau betrachtet oft Alltag. T.C Boyle redet über die dunkle Seite, der sogenannten amerikanischen Freiheit, politische Fehlstände, die trügerischer Freiheit Waffen besitzen zu dürfen, die aber gerechte Freiheit nimmt und die stetige positive Untermalung von der Armee. In dem Buch werden Menschen aufgezeigt, die dem Amerikaner entsprechen, aber deutliche Folgen einiger Tatsachen zeigen. Manchmal gibt es schonungslose und brutale Zeilen, die nachdenklich, wie das ganze Buch auch so schon machen.

Überall gibt es Eindrücke und Netze zwischen den Personen, die doch alle unterschiedlich wirken, obwohl sie ähnlich wirken. Keine der Hauptpersonen ist mir sympathisch. Adam ist das typische Bild eines Amokläufers, das wir aus den Medien oder Psychologiebüchern kennen. Sein Vater nicht weniger mit Verhaltensauffälligkeiten gebeutelt und Sara, die gegen alles eine Gegenwehr starten möchte und doch oder gerade dadurch ist das Buch auch so unglaublich spannend. Die Personen kann man nicht mögen. Es ist vielmehr das Gefühl immer hinter alles sehen zu wollen. Einfach hinter eine Psyche zu blicken, auch, wenn sie, wie in Adams Fall sehr krank ist.

Was mich besonders fesselt, ist der Schreibstil von T.C Boyle. Lesend wirkt es als würde er die Personen kennen und alles in einem recht lockeren Gespräch erzählen. Genau diesen Stil gab es auch in meinem Lieblingsbuch von T.C Boyle „Wassermusik“. Die Personen und die Geschehnisse wurden in der selben Art geschrieben. Genau diese Art macht T.C Boyle für mich zu einem meiner Lieblingsautoren, den ich immer wieder lese und gern rezensiere.

Am Ende von „Hart auf Hart“ lese ich den Titel noch einmal. Alles fügte sich zusammen. Die Einblicke, die T.C Boyle gibt schaffen eine bessere Einsicht, eine Durchschaubarkeit, die am Ende auch zum Teil bestätigt wird.

Es ist kein Buch, dass bei einem schönen freien Tag, an dem die Stimmung gehoben werden soll gelesen werden sollte, sondern einfach, wenn etwas tief anspruchsvolles über die Gesellschaft gesucht wird.

Das Buch ist ausgezeichnet. Schwierige Themen, die von den normalen Themen der Belletristik abweichen, können immer hervorragende Literatur sein.

T.C Boyle. Hart auf Hart. Carl Hanser Verlag GmbH & Co. 400 S. 22.90 €

Advertisements

3 Kommentare zu “T.C. Boyle. Hart auf Hart

  1. Lily sagt:

    Hey, kennst du „The Tortilla Curtain“? Es ist das einzige Buch, dass ich von T.C. Boyle bisher gelesen habe, aber nach dem, was du schreibst, hat es eine ähnliche Stimmung wie „Hart auf Hart“. Zumindest erinnere ich mich daran, dass es mich damals ziemlich verstört hat…. es geht um illegale Einwanderer aus Mexico und deren Lebensbedingungen, sehr gesellschaftskritisch.
    Liebe Grüße!

    • Hallo, ja ich verschlinge T. C. Boyle. Deutscher Titel ist Amerika, es empfiehlt sich aber es auf englisch zu lesen. Die Stimmung ist gewiss ähnlich und Thematik darin auch gerade jetzt wieder aktuell. Ich mochte es wie er die Person dort beschrieb. Heftige Gegensätze. Vielleicht sollte ich es rezensieren. Die Story um den Einwanderer und den Gegensatz war sehr gut. Ich mochte auch San Miguel sehr.

  2. Liebe gedankenlabyrintherin,

    T.C. Boyle ist wirklich großartig. Mir haben bisher alle seine Romane gefallen (vor allen Dingen Dr. Sex und Dropcity), und im Moment liegen hier auch noch einige ungelesen herum (Wenn das Schlachten vorbei ist, Riven Rock). Vielen Dank für diesen tollen Tipp! Und eigentlich kriege ich jetzt richtig Lust, mich den ganzen Monat nur mit T.C. Boyle zu beschäftigen. 🙂

    Liebe Grüße,
    eva

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s