Wolfgang Büscher. Ein Frühling in Jerusalem.

Der Urlaub ist noch etwas hin und doch geht reisen mit einem Buch immer. Diesmal reise ich mit Wolfgang Büscher nach Jerusalem. Koffer muss ich nicht packen, aber eine gute Kanne voll Tee und ein paar Kekse. Dann geht hinaus in das schon fast frühlingshafte Wetter. Ich sitze an der Panke in Wedding als ich das Buch beginne zu lesen. Die Sonne kitzelt dabei die Seiten.

Das Buch ist erstaunlich. Denn wirklich es beginnt mit der Hinfahrt und es ist als würde ich gleich mit anreisen. Wie wundervoll. Ich laufe also mit durch die alte Stadt, habe ein tristes Hotelzimmer, schreite Treppen hoch, scheine lesend auch das einziehende Abendlicht zu sehen.

Der Schreibstil ist poetisch und für mich unglaublich nah. Meine Augen fliegen durch die Zeilen und es ist als könnte ich dieselben Farben sehen, die Düfte mit der Nase auffangen und als würden die beschriebenen Menschen, um mich herum sein.

Ein Satz in dem Buch fesselte mich sehr, obwohl er gleich am Anfang stand.

„Ich hatte mich losgerissen und war ins Dunkel zurückgetreten, aus dem ich gekommen war, aber ich ging nicht mit leeren Händen. Ich schnitt das Bild aus dem Fensterrahmen und nahm es mit, ein Dieb in der Nacht. “ S.18

„Der bereitete Tisch“ nennt Büscher das gestohlene Bild. Ein reich gedeckter Tisch in einem Haus und wieder ist es als würde ich all das selbst sehen.

Ich gehe weiter auf eine Reise nach Jerusalem. An einer kleinen abgedruckten Karte kann ich die Stadt, die Wege noch besser verfolgen. Mein Blick wird durch die Beschreibungen Büschers immer genauer.

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Das Buch hat von allem etwas. Ich reise, bekomme noch mehr Wissen über Religionen, das Leben und die Menschen dort, den Sonnenschein, aber auch die Dunkelheit und Traurigkeit, die Konflikte mit sich brachten. Konflikte, die noch immer im Jetzt unverändert sind. Dennoch die Hoffnung vergeht nie.

„Ein Brot ist Jerusalem, ein hartes Brot, gebacken nach uraltem Rezept, gewürzt mit Geschichten, Geheimnissen, Prophetien.“

Sicher gehöre ich keiner Religion an und in diesem Buch hat diese Thematik viele Seiten, wie ich finde, aber es ist deswegen nicht weniger lesenswert. Im Gegenteil.

Auch dieses Buch zeigt alle Facetten eines Landes, das gerade durch Glaubensgedanken sehr von den bereits schon genannten Konflikten geprägt ist und doch hat es die vielen Bilder, die ich aus dem Buch nicht gestohlen, aber so unvergessen mitgenommen habe.
Ein Frühling in Jerusalem hinterlässt schöne Gedanken und den Wunsch auf ferne Länder zurück.

Büscher kritisiert nicht, kreidet nicht an, sondern hält das Land in all seiner Schönheit auf wundervollen Seiten fest.

Das Ende des Buches lese ich zwei Tage später, aber wieder mit Tee in einem Café in Kreuzberg und wieder mit kitzelnder Sonne über den Seiten. Büscher bedankt sich bei diesem so faszinierenden Land und ich bedanke mich bei dem Autor und dem Rowohlt Verlag Berlin für ein so grandioses Buch.

Wolfgang Büscher. Ein Frühling in Jerusalem. Rowohlt Berlin. 240 S. 19.95 

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Ein Kommentar zu “Wolfgang Büscher. Ein Frühling in Jerusalem.

  1. Lily sagt:

    Sehr schöne Rezension. Ich selbst träume schon seit einigen Jahren davon, mal nach Israel zu fahren, das Land fasziniert mich. Weder von Wolfgang Büscher noch von dem Buch habe ich bisher gehört, aber es klingt wundervoll und ich denke, ich werde es noch auf meine „to read“- Liste setzen. Vielen Dank für die Inspiration!

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