Haruki Murakami. Wilde Schafsjagd. Und die entstandene Liebe zu Murakami.

Es prickelt bei mir immer, wenn ich weiß, dass bald ein neuer Roman von Murakami erscheint.

Doch bis dahin lese ich einen wirklich älteren Roman Murakamis.

Wie immer lese ich zwischen anderen Büchern auch stets mal eins von Murakami. Es ist nicht verwunderlich, dass es dieses Mal wieder“Wilde Schafsjagd“ ist.

Ich sitze im Garten, schaue auf das Wasser, die Sonne scheint, und ich erinnere mich, wie mir Murakami in die Hände fiel. 11655204_1031144880230217_1367693754_n 2 Rückblickend begegnete mir der Schafsmann wirklich zuerst. In einem Antiquariat in Berlin.

Ich begann zu lesen und dachte ich entdecke gerade eine neue Art des Schreibens. Schon damals war ich verzaubert und längst verliebt in diese herausragende Literatur Murakamis.

In einer schweren Zeit war Murakami mein Lichtblick. Ja, er ist meine schönste literarische Untermalung zu so vielen Augenblicken, Ereignissen, Lieben…

Mit der Zeit las ich alles von ihm, was ich erhalten konnte  „Die gefährliche Geliebte“, „Der Elefant verschwindet“, „Kafka am Strand“ (oh, wie wunderbar dieses Buch auch ist), „Naokos Lächeln“ (ich schrieb mehrmals darüber, die Bedeutung ist heute noch herztief).“1Q84″, „Südlich der Grenze, westlich der Sonne“, „Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede“ war für mich auch eine Stütze immer weiterzuschreiben. Natürlich auch „Mister Aufziehvogel“, welches ein besonderes Meisterwerk ist. „Schlaf“ …Alle kann ich hier leider nicht aufzählen.

Einige Romane las ich mehrmals. Hoffentlich ist mir keines entgangen, denke ich in diesem Moment.

Aber sobald auch etwas Neues von ihm erschien, landete es kurze Zeit später in meinen Händen und unter meinen Augen. Sogar wissenschaftliche Arbeiten, die zur Verfügung standen. Ich selbst schrieb zwei über ihn, die aber verborgen in der Universität liegen.

Alles verschlinge ich gern. Heute ist dies noch leichter, da ich die Neuerscheinungen zugesendet bekomme. Für mich eine Freude, die mich zusätzlich glücklich macht. Allerdings genieße ich es dennoch bei bestimmten Neuerscheinung diese in meinem Lieblingsbuchladen zu kaufen. Eine Tradition, die ich mir immer bewahre. Dussmann hat schon allein eine längere Regalreihe von Murakami an mich verkauft.

Ich kaufe gelegentlich auch neue Exemplare Murakamis Romane, da die Alten recht abgenutzt, aber noch brauchbar sind. Vielleicht ein kleiner Tick. So vorsichtig ich sie auch behandle, verlieren sie manchmal etwas, aber die Verbliebenen werden nie weggeschmissen, sondern finden Leser für die Bücher in ihrem Leben oder Schicksal gerade unbezahlbar sind.

Haruki Murakamis Bücher sind mein Topping zur anderen Literatur.

Aber es geht um „Wilde Schafsjagd“, eigentlich schon nahezu ein Krimi und irgendwie auch nicht. Denn, Murakami in ein genaues Genre zu packen ist schwer. In dem Buch geht es unter anderem auch um die japanische Gesellschaft, die brechenden Fassaden von menschlichen Seelen. Dann ist da noch, und es grenzt fast an Komik dies zu schreiben, ein mystisches Überschaf, welches in einer Schafsherde auf einem Bild hervorsticht. Der Ich-Erzähler und Protagonist begibt sich auf die Suche danach und landet in einem Haus, völlig abseits der Stadt. Dort begegnet er Ratte, einem alten Freund, dessen Uhr aber eigentlich nur frisch aufgezogen wurde. Erst beim Lesen wird man diese Zeilen verstehen, denn zu viel möchte ich von der Handlung nicht verraten. Sein Freund trinkt zu viel, aber bei Bier und unzähligen Zigaretten und guter Rockmusik lässt sich über das Leben reden und die Zeit totschlagen So ist das mit wahren Freunden, steht es auf einer Seite. Die Protagonisten des Buches sind wie immer ganz sichtbar beschrieben, so vorstellbar, „Ratte“, irgendwie habe ich ihn trotz allem in mein Herz geschlossen.

„Als Ratte schwieg, herrschte Stille ringsum; nur das Ticken der Uhr war zu hören. Alle anderen Geräusche schluckte der Schnee. Mir war, als wären wir die beiden letzten Überlebenden im All. “ S.288

Noch war ich ahnungslos, dass er (Ratte) mir bald in einem anderen, neu erschienen Buch wieder begegnen würde.

So oft hielt ich das Buch in der Hand und immer habe ich die Suhrkampversion, da diese so wunderschön mit der japanischen U-Bahn in einem kräftigen Grün ist.

Mich macht das Buch erneut nachdenklich, wie schon so oft. Alles wirkt realistisch mit ein paar unfassbaren Nebensträngen, die aber doch möglich wären. Neben der Klarheit verschwimmen diese Handlungsstränge wieder mit weisen Philosophien und kurzen Lebensweisheiten. Ich liebe es, dass oft in Murakamis Büchern, die dunklen Schatten, Abgründe und auch der Seelenschmerz über Verlust, Gedankentiefe, Humor und Fantastik wie selbstverständlich nebeneinander laufen. Das schafft nur Murakami, und er schafft es, die Einsamkeit der Menschen einzufangen und doch nicht als bleierne Schwere erscheinen zu lassen.

Das „Überschaf“ erhält eine interessante Bedeutung. Mehr mag ich auch hier nicht verraten.

Zum dritten Mal las ich nun das Buch und wieder am Ende fühle ich abermals mit. Ich blicke noch einmal auf das Wasser und manchmal bilden Augen einen Fluss, der nicht einfach aufhört, über Stunden geht, wie am Ende des Buches. Aber ich lächle. Murakami zu lesen, ja wie immer macht glücklich. Dann stehe ich auf, habe diese Rezension fertig und bin froh, noch einmal in die „Wilde Schafsjagd“ eingetaucht zu sein und werde es wieder tun…irgendwann. Immer wieder. 41B283Y5P3L

Haruki Murakami. Wilde Schafsjagd. Suhrkamp Verlag. 306 S. 2-10€

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