Haruki Murakami. Wenn der Wind singt. Pinball 1973.

SAMSUNG CAMERA PICTURES Gerade war ich noch einmal  in „Wilde Schafsjagd“ eingetaucht und nun kam vor einigen Wochen Murakamis neues Buch mit gleich zwei Romanen von ihm. Meine ersten Gedanken, wenn ich ein neues Buch von Haruki Murakami in den Händen halte, ist immer „ENDLICH!“. Für mich gibt es keinen besseren Autor. Ich bin Harukinistin seit ich „Wilde Schafsjagd“ las, dann „Kafka am Strand“. Später tauchte ich dann in „Die gefährliche Geliebte“ ein und ganz besonders „Naokos Lächeln“ hat für mich einen tiefen Platz in meinem Herzen. All seine Bücher habe ich mittlerweile gelesen und nie würde ich nur eins seiner Bücher auslassen. Murakami lesen ist wie ein perfekt durchgespieltes Klavierstück oder in einer endlosen Bibliothek zu sein. Irgendwie versuche ich zu verstehen, warum Murakami nicht eher der deutschen Übersetzung zugestimmt hat und warum diese beiden Romane nur im japanischen Raum erschienen ist und erst so spät bei uns. Aber es wird unwichtig. Denn nun ist das Buch da, liegt in meinen Händen. Der DuMont Verlag hat längst aus Murakami ein Bucherlebnis gemacht. Das Cover, wie immer mit einer durchsichtigen Hülle, aber mit den bunten Farben, die irgendwie nur Murakami zu gehören scheinen. PicMonkey CollageIch löse kurz die Hülle und auf dem Buchdeckel finde ich auf weißem Grund eine in grau gehaltene Pusteblume vor. Dies zu sehen, die stabile Schutzfolie kurz abzumachen ist wieder ein Erlebnis, dass mir ein Lächeln auf die Lippen zaubert.  Ich tauche also ein und beginne zu lesen. Allein das Vorwort lässt mich schon literarisch fliegen. Dann gelange ich zum ersten Roman: Wenn der Wind singt In dem ersten Roman spüre ich wie Leben und der Sinn dessen durch die Zeilen fließen. Für mich ist es wunderbar, ein Werk von Murakami zu lesen, das entstand als er und seine Freunde selbst noch sehr jung waren. Da sind dann plötzlich die vielen Fragen, die unter zwanzig noch nicht vorhanden waren. So oft fühlte ich mich verstanden, erkannte mich wieder. Dieses Alter hat noch einmal eine wichtige Sollbruchstelle im Leben. So ging es wohl auch Murakami. Da ist also der Ich-Erzähler und schon bald nach nur einigen Seiten kann ich es gar nicht fassen. Ich mache kurz einen Luftsprung (sicher albern), aber es musste sein und lese noch einmal. Tatsächlich. „Ratte“ aus dem Buch „Wilde Schafsjagd“ ist wieder da. Unglaublich. So kommt es zu Besuchen einer Lieblingsbar, Gesprächen mit dem befreundeten Barkeeper, viel Alkohol, Zigaretten, Frauen, Lieben, Sex. Wichtige Lebensfragen werden gestellt und immer ist der Versuch sich selbst zu finden da. Es ist schön die beiden auch in Rückblicken zu begleiten, ihren Philosophien und Auseinandersetzungen zu folgen. Irgendwie höre ich auch ihre Musik mit. So ist das immer in Murakami Büchern. Sie werden mit Musik untermalt. So lese ich weiter und höre „Rainy Night in Georgia“ von Brook Benton. Murakami mit Musik zu lesen ist schon zur Tradition geworden. Oft stehen in seinen Romanen ganze Alben und diese haben mich auch zusätzlich musikalisch bereichert. Alles in allem. Das ist Haruki Murakami.


„Wenn das Salz nicht mehr salzt, womit soll gesalzen werden?“ (S.98)


„Natürlich gibt es Leute, die Glück haben, und Leute, die Pech haben. Starke und Schwache, Reiche und Arme. Aber keiner hat die Kraft, aus dem Durchschnitt auszubrechen. Alle sind gleich.“ (S. 99)


Ich lese all dies und empfinde Zufriedenheit. Murakami lesen macht glücklich. Schnell ist der erste Roman ausgelesen und ich gelange in der Mitte des Buches zu … Pinball 1973 Es sind gute drei Jahre vergangen. Ich erlebe einen Augenblick, der gefühlt die Zeit anhalten lässt. Fast nebenbei begegnet mir auch wieder in dem Buch. Ich kann kurz nicht weiterlesen. Das berührt. Ihr Lächeln wird wieder so beschrieben wie in meinem Lieblingsroman von Murakami „Naokos Lächeln“ 


„Sie hatte manchmal dieses Lächeln einer Einser-Studentin. Es hinterließ stets einen dauerhaften Eindruck bei mir. Auch, wenn ich selbst schon fort war, schwebte es noch lange im Raum – wie das bei der Cheshire.Katze aus Alice im Wunderland.“ S.133


Nur kurz anhalten, noch einmal diese Zeilen lesen. Wie schön sie doch sind und dann erst wieder weiteren perfekten Zeilen folgen. Veränderung der beiden Männer, das schon „etwas mehr Ankommen“ lese ich nun. Vieles hat sich gelohnt, das Weitergehen und gerade das Sich-Ausdrücken. Aber dennoch sitzt Ratte weiter an der Bar und wartet, dass das Leben so richtig beginnt. Warum es Pinball 1973 heißt, möchte ich hier nicht verraten, aber es gibt natürlich einen Grund dafür. Mit den beiden Romanen wird alles plötzlich verbunden. Jedes Buch von Murakami und sogar einige bekannte Protagonisten. Außerdem ist nun die „Trilogie der Ratte“ mit „Wilde Schafsjagd“ komplett. Die Zeilen in diesem Romanen sind wieder grandios und die Personen klar, aber nie zu abgehoben beschrieben. Irgendwann verschwimmt die Wirklichkeit wieder. Auch das ist Murakami. Als ich das Buch schließe, fällt mir auf, dass wirklich Jahrzehnte zwischen seinen anderen Romanen liegen. Es ist unglaublich fantastisch dies zu lesen und auch ein Murakami fing einmal an. Sicher war Murakami noch am Anfang, aber in jedem Wort spüre ich, dass er es geschrieben hat. Sein Schreibstil ist unverkennbar. Unter zahlreichen Autoren würde ich ihn sofort wieder erkennen. In den beiden Romanen sind deutlich die Weichen zu spüren, zu lesen und es ist verständlich, dass er heute ganze Fangemeinden,-Clubs usw. hat. Ein Satz werde ich daraus nie vergessen. Immer wenn wir suchen, finden wollen, umherirren. Egal, was ist, sollten wir sagen:


„Doch es gibt Hoffnung, denn eines Tages nimmt etwas unser Herz gefangen“ (S.211).


Murakami hat mein Herz gefangen genommen. Für immer. Ein großer Dank an den Dumont Buchverlag, denn allein ein so schönes Buch zu öffnen ist wie am schönsten Strand mit nackten Füßen auf warmen Sand zu laufen und dabei ein Lieblingsstück zu hören. Die Literatur ist so vielfältig, aber ohne Murakami wäre sie bedeutend ärmer. Auch in diesem Buch wird deutlich, dass Murakami ein Meister der Literatur ist und plötzlich passt alles noch mehr zusammen. Wie immer mehr als lesenswert. Das ist wahre Schreibkunst, die positiv gefangen nimmt und glücklich macht. Ein weiteres unvergessliches Buch mit der unverkennbaren Schrift Murakamis. 

Haruki Murakami. Wenn der Wind singt. Pinball 1973. Aus dem japanischen von Ursula Gräfe. DuMont Buchverlag. 20. Mai 2015. 350 Seiten. ISBN: 978-3832197827. 19.99 €

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2 Kommentare zu “Haruki Murakami. Wenn der Wind singt. Pinball 1973.

  1. dj7o9 sagt:

    Das liegt hier auch noch und wartet verzweifelt auf seine Rezension. Ich habe daher Deine erst mal noch nicht gelesen, sondern sie als Mahnung gesehen meine endlich auch fertigzubasteln und wenn ich fertig bin, komme ich wieder und schau wie es Dir gefallen hat 🙂

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