Rolf Lappert. Über den Winter. Der deutsche Buchpreis. Longlist

Das Cover lässt mich am Anfang eher staunen. „Über den Winter“ saust es durch mein Gedankenlabyrinth. Ich sehe Feuer und eher Wärme auch über dem Wasser. Aber vielleicht hat der Inhalt diese Wärme. Eher wird es Kunst sein.

Ich beginne zu lesen und ein absoluter Wortschwall überrennt mich. Gerade am Anfang bin unsicher, ob mir dies gefällt. Dabei liebe ich Worte, genaue Beschreibungen, um alles besser, tiefer zu verstehen und dann auch oft in Gedanken auszumalen. Perfekte Worte, Zeilen, die sprachlos machen, sind das, was die Seiten eines Buches vollkommen machen können. Erst wenn ich diese Vollkommenheit finde, kann ich wirklich eintauchen und mich entspannen. Schließlich gibt es für mich nur Weniges, dass so erfüllend ist, wie hervorragende Literatur.

Es ist ein Roman über einen weltweit angesehenen Künstler namens Lennard Salm, welcher nach dem Tod seiner Schwester wieder nach Hamburg und damit zu seiner Familie zurückkehrt. Ich gebe zu, dass ich den Kurzinhalt las und es eher ermüdend fand. Das immer Wiederholte, welches es in unzähligen Filmen und Romanen gibt. Schon routiniert ist, dass die Familie durch einen Trauerfall oder ein anderes Ereignis zusammen kommt. Es bilden sich Konflikte, Wahrheiten, Vergangenheitsrückblicke und damit Auseinandersetzungen.

Ein Buch, welches also eine Familie beschreibt, die mehrere Generationen besitzt und eine allgemeine Auseinandersetzung mit dem Leben von einem Mann, der mit 50 Jahren auch in der Midlife Crisis stecken könnte. Also wohl das Übliche. Dennoch ich will nicht vorschnell reagieren. Die noch nicht gelesenen Bücher aus der Longlist lese ich stets bis zum Ende.

Lennard Salm ist es leid ein Künstler zu sein. Er ist ernüchtert, wie es scheint. Seine Kunst, so scheint es ihm beruhe auf dem Boden des Leids von anderen Menschen. Doch was er will, weiß er auch noch nicht so recht.
Irgendwie begegnet er seiner Familie neu und nicht, wie früher.

Alle Mitglieder sind sehr unterschiedlich. Begonnen beim Vater, der früher mit viel Strenge herrschte, seiner neuen Frau, die alle sehr umsorgt und ein großes Herz hat.. weiter über den Bruder, der einfach ein ganz normales Leben führt und einer vertrauten, aber merkwürdigen Schwester.

Neben der neuen Sichtweise auf seine Familie, beginnt Lennard die kleinen Dinge im Leben zu sehen. Und hier packt es mich dann doch kurz und gelegentlich immer mal wieder. In einem ungepflegten Haus wohnt der Vater. Hier kommt nun ein Aber. Vieles scheint überzogen. Die Familienmitglieder, Bewohner wirken für mich etwas geplant, überzogen. Der Tod wird verschwiegen, wegen einer Wohnung. Und dann ist sie da; sie die unglaubliche Schwere, dran zu bleiben, die leider keine positive Melancholie in sich trägt. Aber vielleicht empfinde nur ich es so. Dies bleibt jedenfalls sehr zu wünschen. Ich vermute durch Lennard, möchte der Autor zeigen, was Wärme ist, wie schnell Kälte aufkommt und dies nicht nur, weil die Beerdigung im Winter stattfindet und was das Leben noch bringt, welche Eindrücke, Spuren, Gedanken… . Natürlich auch Menschen und Dinge mit anderen Augen zu sehen.Lappert_24905_MR.indd

Lange fehlt mir gesamt ein Wort für die Empfindung des Lesens in dem Roman von Rolf Lappert. Passend wäre vielleicht: In den Zeilen ist eine Hochsensitivität. Ich empfinde Gedankentiefe und Melancholie, die manchmal auch depressiv sein kann als ehrlich, gut, aber hier ist dies anders. Zu viele Worte, die mir unnötig vorkommen, was den Gedanken am Anfang von mir zu Ende führt.

Es hat etwas Komisches als Lennard überlegt, wie sein Vater, der schwer auf den Beinen ist einen Aufzug erhält und als er gegen Ende dann noch ein Pferd zu sich nimmt, das schlecht behandelt wurde, wird es merkwürdig, da seine Überlegung ist den Fahrstuhl durch Pferdestärke anzutreiben. Lennards Lebenserfüllung könnte so aussehen. Eine müde Idee. Ich schüttle an der Stelle automatisch heftig mit dem Kopf.

Ein Roman, der viel in sich hat, aber für mich gab es nicht das Feuer oder Farbenmeer, wie es das Cover hat und ich es interpretiere. Tief getaucht bin ich nicht. Dennoch alles ist Geschmacksache.

Worte müssen für mich fließen. Oft ganz viel. Aber sie müssen gewollt und nicht erzwungen wirken. Doch, wie gern lesen wir alle Familiengeschichten und Lebensgedanken von Personen. Daher unbedingt einmal reinschauen.

Rolf Lappert: Über den Winter. Roman. Carl Hanser Verlag. 383 Seiten. 22.90 Euro

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2 Kommentare zu “Rolf Lappert. Über den Winter. Der deutsche Buchpreis. Longlist

  1. dj7o9 sagt:

    Ich mochte Lapperts „Nach Hause schwimmen“ sehr sehr gerne. „Auf den Inseln des letzten Lichts“ war auch ganz gut, aber ich habe nicht das Gefühl jedes neue Buch von ihm lesen zu müssen. Deine Rezension habe ich gerne gelesen, diesen Roman werde ich aber wohl an mir vorbeigehen lassen 🙂

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