D. H. Lawrence. Der Mann, der Inseln liebte. Und das Lieben der Einsamkeit.

Vorzugsweise wäre meine Insel irgendwo in der Nähe Großbritanniens. Das Buch von David Herbert Lawrence in den Händen zu halten ist schon wundervoll. Ein schöner Leineneinband, großartig und sehr ansprechend gestaltet. Ich kam nicht daran vorbei.

Als ich es las, war es noch Sommer, ich war oft schwimmen am Stößensee. Die Vorstellung auf einer Insel zu leben, war durch die warmen Temperaturen irgendwie noch greifbarer.

Ich versank in das Buch. Denn schon der Titel sprach mich an. „Der Mann, der Inseln liebte“. Inseln, wie schön es doch wäre, einfach eine Insel zu haben. Einfach mal fort von den Menschen, den Massen, der Hektik, dem aufkommenden Hass. Fort von Autolärm und überall viel zu schlechter erklingender Musik und zu wenig Stille.
 Der Mann, der Inseln liebt, ist geboren, um einsam zu sein, und doch ist alles mühsam. Er bezieht mehrere Inseln, nimmt Menschen mit auf das Land, welches doch eigentlich zu klein ist. Pflanzen werden gesetzt, das Leben, der Alltag beginnt, und doch zieht er weiter. Wenig Menschen sind um ihn und doch scheitert er. Das Problem der Gesellschaft nach Macht, Bestimmung ist an Hand weniger Menschen von D. H. Lawrence geschildert worden. Aber damit nicht genug, der Mann reduziert drastisch seine Besitztümer. Sind wir mit weniger zufriedener? Ein Gedanke, der uns sicher alle einmal beschäftigt. Ich denke schon.
Alles in dem Mann schein nach Einsamkeit und Rückzug zu rufen. Er setzt es um, indem er verschiedene Inseln bewohnt, und doch, die wahre Stille in ihm sowohl äußerlich als auch innerlich, stellt sich nicht ganz ein. Denn die Elemente der Welt, der Sturm, der Regen-einfach das Wetter sind stärker. Mächte, gegen die er und wir alle nicht ankommen.
Nun mag es tragisch klingen, aber das ist es nicht. Wie der Mann suchen wir alle unsere Inseln mehr oder weniger bewusst. Es muss nicht immer ein kleines Land im Wasser sein.

Ich wäre keine Gedankenlabyrintherin, wenn mich dieses Buch nicht bewegt und zum Nachdenken gebracht hätte. Wer könnte auf einer Insel leben. Meine engsten Freunde ganz sicher. Nur davon gibt es wenig. Die meisten Menschen sind allein unglücklich. Viele streben nach Zweisamkeit, Gesellschaft. Allein leben, essen, einkaufen, ausgehen fällt ihnen schwer. Jeder soll leben, wie er möchte. Aber vielleicht haben wir oft verlernt die Einsamkeit zu schätzen.

Und dann beim Nachdenken, sehe ich mir das Buch an – Ganz sicher bin ich eine Frau, die Inseln braucht. Manchmal ist einfach nur Stille, das Alleinsein, sich nicht fest zu binden, weil es nur unnötige Fesseln sind, die die meisten gar nicht mehr erkennen, aber Freiheit rufen, einfach Zufriedenheit.
Ein hervorragendes Buch über das Suchen, der nötigen Einsamkeit und das Finden, dass wir gegen manche doch machtlos sind. Gut so, denn die Natur sollten wir nie bezwingen, aber viele die Angst vor der Einsamkeit. Nichts ist schöner als einmal wirklich allein gelebt zu haben, eine Insel zu suchen und dann zu lieben.
Ja, und doch sind die schönsten und am schnellsten erreichbarsten Inseln Bücher, wie diese oder viele andere.

David Herbert Lawrence | Der Mann, der Inseln liebte | Hoffmann und Campe Verlag | August 2015 | 80 Seiten | 15 € | ISBN: 978-3-455-40549-1