Yoko Ogawa. Der Herr der kleinen Vögel.

Das Buch sah ich, und manchmal entwickelt sich dann ein Zauber. Es musste dieses Buch sein. Liebe auf den ersten Blick ist nicht anders, aber selten. Anders bei Büchern. In einige Bücher verliebe ich mich und dann wieder neu. Ich ging mit einem Gefühl aus Zufriedenheit und Neugier nach Hause.

Yoko Ogawas Bücher habe ich alle gelesen. Nun ein Neues. Endlich. Ich hatte den Erscheinungstermin vergessen und war um so überraschter als es meinen Blick einfing.

Ich falle schnell positiv in eine Geschichte zweier Brüder, die mich faszinieren. Nicht nur, dass der eine Bruder keine Bindung zu anderen Menschen hat, die gemeinsame Sprache mit ihnen fehlt. Beide Brüder haben aber eine Sprache und teilen eine große Leidenschaft für Vögel, füttern diese, lauschen ihnen. Ihre Gedanken wandern oft zu ihnen. Eine besondere Verbundenheit zweier Brüder und die Liebe zu den einzigen Wesen mit Flügeln.
Doch der jüngere Bruder geht, und wie ein fast hinterlassenes Erbe kümmert sich nun der andere junge Mann um eine Voliere vor einem Waisenhaus. Alle nennen ihn dann „Der Herr der kleinen Vögel“

„…Sein Ende ist gekommen. An diesem fremden Ort, wo ihm keiner zu Hilfe eilt. Er schließt für immer die Augen. Wie sehr man auf ihn warten mag, er wird nie zurückkehren. „

Ein schmerzlicher Satz. Es geht um einen Kranich, der seine Gruppe verliert, aber den Anschluss nicht mehr findet. Aber dennoch passt es auf Menschen, die wir verloren haben.

Poetische Sätze voller schöner Melancholie reißen nicht ab.
Ich liebe Literatur, die poetisch, sprachgewaltig ist, aber dennoch ganz leise. Über Zeilen können wir auch im Inneren schreien.

All dies hat das Buch, welches ein stiller Fluss ist, der ganz gleichmäßig fließt. Einen brechenden Wasserfall gibt es nicht. Nur Stille untermalt alles, wie die Worte, die wir manchmal nicht haben, weil Menschen uns schrecken oder wir in allem die Einsamkeit mehr lieben.

Von den kleinen Vögeln, den Brüdern zu lesen, aber auch anderen Menschen mit ihren wunderbaren, liebenswerten und Eigenarten wie das Leben weiter geht, Menschen sich verändern und Türen für etwas mehr gemeinsame Sprache geöffnet, war so wunderbar.

Bücher brauchen keinen Spannungsbogen. Oft sagt die Stille mehr. Mit dieser Stille, die auch der eine Bruder besonders erlebt, viele Menschen dies kennen – Ja, und ich mich einmal mehr verstanden fühle, schließe ich das Buch. Aber in mir wird es laut. Die Tiefe in dem Buch bringt zahlreiche Gedanken.

Aus der totalen Stille musste ich auch erst ausbrechen, aber sie ist mir neben der Freiheit heute noch das Teuerste, was ich immer lebe, brauche, um Zufriedenheit zu spüren.

Jeder von uns hat kleine Vögel. Nein, nicht die im Kopf, sondern in irgendeiner anderen Form oder ein anderes Tier. Als ich schreibe kommt meine Katze zu mir, schmiegt sich an mich. Ich muss lächeln. Alle brauchen wir so etwas wie die Vögelchen in diesem Buch. Meine sind eine Katze und die vielen Bücher, die nie fordern, still sind und den Atem gleichmäßig halten. Wie gern blicke ich sie an, lausche nebenbei der Natur. Mehr braucht es oft nicht. Es sind die kleinen Dinge, die zählen.

Yokos Ogawas Buch „Der Herr der kleinen Vögel“ wird ganz sicher in der Liste meiner Lieblingsbücher 2015 sein. Immer noch bin ich bewegt und dankbar, mich sofort in dieses Buch verliebt zu haben.

Yoko Ogawa. Der Herr der kleinen Vögel | Liebeskind Verlag | August 2015 | 272 Seiten | 18.90€ | ISBN-13: 978-3954380503

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