Alexander Broicher. Unbehauste. Kurzinterview mit dem Herausgeber.

Das Buch entdeckte ich durch einen Autor, den ich sehr schätze. Allein das Cover leuchtet sehr. Ich selbst setze mich für Flüchtlinge ein, und wie wundervoll ist es dann zu erfahren, dass ein Buch dazu dient Flüchtlingen zu helfen, da der Erlös an die deutsche Flüchtlingshilfe geht.

„Unbehauste“,

denke ich, als ich das Buch in den Händen halte und beginne zu lesen. Sofort sind die furchtbaren Bilder von Flüchtlingen aus der Vergangenheit präsent und leider auch gerade die aktuellen Bilder von Menschen, die fliehen müssen. Sie fliehen vor Krieg, Armut, Angst, einfach um zu leben und doch erfahren sie auf weiteren Wegen Unmenschlichkeit. Ich denke an Obdachlose und jene Menschen, die all das nicht erleben müssen so wie ich, aber sich dennoch einmal unbehaust oder auf der Flucht befinden, und sei es nur vor einem Gefühl der Liebe, das uns rennen lässt und wir uns fast nackt oder ohne Haut fühlen. Was würde mich also in dem Buch erwarten? Es sind 23 Autoren, die ganz unterschiedliche Geschichten über Gedanken, Identität, Heimat, Flucht, Liebe und Verlust schrieben. Für jeden Leser und Leserin ist etwas dabei.

Mich beeindruckten am meisten die Geschichte von Linda Rachel Sabiers, „Die Frau im Spiegel“. Eine Geschichte über das Ich in uns, wer wir wahrlich sind, die Identität und die schmerzlichen, traumatischen Erinnerungen, die wir haben oder zur Aufarbeitung hervorholen müssen.

Nie werde ich Ramona Raabes Geschichte „“Das Antiquariat der verloren gegangenen Süßigkeiten “ vergessen. Ich schluckte, hielt an beim Lesen. Wer weiß, wie es ist, wenn ein Herzensmensch geht, weiß, dass damit auch ein großes Stück Heimat fort ist und wir Dinge, Erinnerungen festhalten möchten. Nur damit alles bleibt. Irgendeinen Rest…als könnten wir damit die Zeit anhalten, alles bewahren. Aber es geht nicht.Doch wir versuchen es immer und immer wieder.

„Seine Heimat aber starb vor acht Jahren an Wasser in der Lunge.“ S.81

Berührt hat mich auch die Geschichte von Norbert Kron „Fremdgehen, Eine Seitensprungnovelle“ Manchmal fliehen wir in andere Arme, in ein fremdes Bett, genießen kurz wandernde Hände, und doch, egal wo wir sind, kann ein Augenblick alles ändern, uns auf den Boden zurück holen. Am Morgen dann die Ernüchterung aber das Wissen zum Glück, einfach heimkehren zu können als wäre nichts geschehen. Was für eine Geschichte.

Auch Benedict Wells schreibt eine Geschichte, die nahezu schmerzt, und an dieser Stelle einen Dank an ihn, so ehrlich, schonungslos über ein Grundschulheim zu schreiben.

Alexander Broicher, der Herausgeber des Buches, schrieb eine poetische Geschichte mit Tragik. Mehrmals lese ich diese Zeilen von ihm. Wortgewandt und am Ende ein Schoss und ein toter Protagonist. Ich werde wieder nachdenklich und komplett positiv von diesem Buch gefangen.

„Unzählige kleine Spiegel treiben auf dem Schwarz. Tausendfach blinken sie, morsen im Mondlicht. Ich kann die Signale nicht verstehen. Wir suchen andere Lichter. Rote und Grüne.
Es geht um Farben. Immer nur um Farben.

In der Nacht ist alles umgedreht. Nächte sind wie Schwarz und Weiß.“ S.62 

Daher war es eine wundervoll, von Alexander Broicher ein Kurzinterview zu dem Buch zu bekommen:

Sandra Höhne: Die Flüchtlingsthematik ist aktuell und Hilfe sehr nötig. Mit einem Buch  Spenden einzunehmen ist großartig. Wie kam es zu der Idee des Buches und davon einen großen Teil zu spenden?

Alexander Broicher: Ich habe das Elend der ankommenden Flüchtlinge im August und September 2015 nicht mehr mitansehen können. Besonders in Berlin, wen wundert es, war das Chaos besonders groß. Und vor allem ging das Chaos zu Kosten einer menschenwürdigen Behandlung. Und weil Würde mein zentrales Anliegen war, habe ich beschlossen, andere Autoren mit meiner Idee von Benefiz-Lesungen anzusprechen. Als ich mit dem befreundeten Autor Matthias Sachau sprach, der sich sofort zu seiner Teilnahme bereit erklärt hat und auch unserem Sammelband einen wunderbaren Text beigesteuert hat, berichtete er mir davon, dass die Berliner Buchhandelskette Buchbox ebenfalls an Benefiz-Lesungen arbeite. Daraufhin sprach ich mit David Mesche, einem der Geschäftsführer, und siehe da, die Buchbox war schon sehr weit mit ihrer Organisation. Judith Poznan, die für die Buchbox verantwortlich zeichnet, hatte bereits Zusagen 11 anderer Autoren, der Berliner Backfabrik als Veranstaltungsort, sowie des Comedian Fil.

Bei so viel Teilnehmern und einem solchen Enthusiasmus der Autoren, bekam ich die Idee, daraus auch ein Buch zu machen. Ich sprach mit Andreas von Stedman, dem Verleger des Nicolai Verlags, für den ich an seiner Publikation „100 Briefe an Deutschland“ anlässlich des 25jährigen Jubiläums der Deutschen Einheit mitgewirkt hatte. Er zeigte sich sofort begeistert. Und dann haben wir es gegen alle Widerstände durchgezogen.

Sandra Höhne: Es sind ganz unterschiedliche Geschichten zu Fremdsein, Flucht, Heimat. Für jede_n Leser_in ist etwas dabei. Nahm es viel Zeit in Anspruch, die richtigen Autoren und Storys zu finden?

Alexander Broicher: Ja, vor besondere Aufgaben stellte uns der Zeitdruck. Ich begann im September mit der Konzeption des Buches, und wir wollten unbedingt bereits bei den Lesungen Ende November gedruckt vorlegen. Wir haben das gesamte Buch innerhalb von wenigen Monaten hergestellt. Eine Mammutaufgabe für alle Beteiligten. Geholfen hat mir bei der Auswahl der Autoren und Texte, dass ich in der Branche gut vernetzt bin und die meisten bereits zuvor persönliche kannte. Zudem war die Bereitschaft der Mithilfe wirklich überwältigend, so dass die meisten, die ich angesprochen habe, sich sofort bereit erklärt haben, einen Text beizusteuern. Ohne Honorar, wohl gemerkt, denn man kann es nicht of genug betonen: alle Autoren „spenden“ ihre Texte, so wie wir alle Einnahmen des Buches spenden!

Sandra Höhne: Hat dich in der Zeit der Zusammenarbeit mit den Autoren etwas sehr bewegt?

Alexander Broicher: Es war überwältigend, wie sehr sich die Autoren engagiert haben. Nicht nur in den Lesungen, den Texten, auch in der weiteren Unterstützung des Themas und des Buches. Ob in sozialen Medien, Interviews für Zeitungen, Hörfunk oder TV – jeder Einzelne hat sich wirklich ins Zeug gelegt und mir damit gezeigt, wie wichtig das Thema ist.
Thematisch besonders bewegt haben mich die Gedichte von Friedrich Ani. Sie sind sicher der persönlichste Text im Sammelband, denn Ani, den man sonst vor allem für seine Krimis kennt, hatte einen syrischen Vater und er widmet ihm diese Gedichte.

Sandra Höhne: Allein das Cover leuchtet mit seinen großen roten Buchstaben „UNBEHAUSTE“. Sofort sind Bilder von Heimatlosigkeit, keine Wohnung, Wege langer Flucht, etwas für die Menschen zu tun, im Kopf. Ein perfekter Einstieg zu einem Buch. War dies deine Idee oder des Verlags, es auffällig, fast mahnend zum Nachdenken zu machen?

Alexander Broicher: Vielen Dank zunächst für das Kompliment. Die Idee zu dieser Gestaltung haben die Lektorin Ramona Raabe und ich gemeinsam entwickelt, umgesetzt hat es die phantastische Grafikerin Ulla C. Binder. Ich kann hier nur meine Gedanken formulieren. Aus meiner Sicht besteht die Wirkung, so war es zumindest geplant, aus drei Säulen. Erstens springen die kräftigen Farben sofort ins Auge. Aber nicht nur das. Es sind Signalfarben, deren Ziel und Aufgabe ist, unsere Aufmerksamkeit zu erregen, weil Gefahr in Verzug ist. Man denkt assoziativ sehr schnell auch an die signalorangen Rettungswesten, die die Flüchtlinge auf ihrem Weg über das Mittelmeer tragen. Ein trauriges Bild, das sich uns allen eingeprägt hat. Zweitens ist der Begriff bewußt zerstückelt, zerstört, zerrissen – wie das Leben der Flüchtlinge. Wenn man das Wort das erste Mal im Kopf zusammensetzt, was man aufgrund der ungewohnten Trennung muss, fühlt man das Unbehauste vielleicht ein wenig selber.
Drittens der Titel an sich. Es war mir wichtig, kein reines Flüchtlingsbuch zu machen, sondern das Gefühl des Unbehaustseins in den Mittelpunkt zu stellen. Denn so kann man sich auch am Tisch bei seiner Familie, in der DDR oder an einem Urlaubsort fühlen – und entwickelt vielleicht damit mehr Mitgefühl für die Menschen in echter Not.

Sandra Höhne: Könnte Literatur wirklich ein weiterer Weg sein, zu helfen, anzuregen und in den Köpfen vieler Menschen mehr zu bewegen, vielleicht sogar umzudenken, offener zu sein?

Alexander Broicher: Literatur und Geschichten, ganz unabhängig von der Kunstform, waren immer auch dafür da, nicht nur in fremde Welten, sondern auch in die Köpfe und Gefühlswelten anderer Menschen zu entführen. In ein anderes Leben zu schlüpfen, für einen Moment zu verstehen, wie andere denken und fühlen. Daher glaube ich ganz fest daran, dass Literatur Verständnis und damit Frieden schaffen kann – wenn man sich darauf einlässt.

Vielen Dank an Alexander Broicher.

Ein Buch, dass die Flüchtlingshilfe unterstützt und zusätzlich Geschichten verschiedener Autoren hat, die alle zum Nachdenken anregen, mal schmerzlich sind. Geschichten, in denen wir uns wieder erkennen und verstehen, wie wichtig es ist Heimat allgemein und in uns zu haben. Helft und lest dieses Buch. Es bereichert unbeschreiblich. Diese Buch zeigt meisterhaft was Literatur alles möglich machen kann.

Alexander Broicher-Unbehauste | 26. November 2015 | Nicolai Verlag

204 Seiten | ISBN: 978-3-89479-712-6

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Bücher 2015-Meine persönliche Top 20 |Kurze Rückblicke

Nichts ist schöner als Bücher. Ihr Duft durchströmt Räume und bedruckte Seiten sind die schönste Methode der Welt zu entfliehen, die Oberflächlichkeit und Kälte vieler Menschen nicht zu spüren, einfach tief eintauchen. Lesen-Der beste Urlaub der Welt. Immer!

Im Jahr 2015 begeisterten mich sehr bewegende, fast melancholische Bücher. Mal waren sie wie Medizin, mal gaben sie Wege für Erinnerungen, die gelegentlich, wie auf Stacheldraht laufen, waren oder schön wie ein Tag am Meer. Sie hatten unzählige schöne Geschichten. Aus  229  gelesenen Büchern (endlich schaffte ich es einmal sie bis November aufzuschreiben) nun meine ganz persönliche Top 20.

1.Julian Barnes-Lebensstufen. | Wenn ich auf meinem Schreibtisch sehe, liegt vor mir ein Stapel Bücher und in meinen Händen ein kleines Buch mit einem Heißluftballon darauf. Julian Barnes-Lebensstufen. Ein kleines, feines Buch, das dennoch viel mehr in sich hat als es auf den ersten Blick scheint. Ich las es am Anfang des Jahres und mein Gefühl sagte mir, dies ist mein Buch des Jahres. Ich sollte Recht behalten. Das Buch gab mir der schönsten und berührendsten Lesezeit seit langem. Ich weinte, lachte, verarbeitete, ließ etwas los und lernte, das wir neben dem Fliegen auch mal verlieren, was uns teuer ist, aber nur durch Worte wieder ein ganzes Stück ins Leben zurückfinden. Wenn wir eine Liebe durch den Tod verlieren ist es schwer Worte zu finden, die tröstend oder angemessen sind. Julian Barnes fand sie in jeder Zeile, in jedem Wort. Der größte Verlust bringt oft die schönsten Zeilen eines Autors hervor. Mehr dazu hier

2. Yoko Ogawa-Der Herr der kleinen Vögel. | Dieses Buch hat einen Teil von mir in sich verborgen. Nur mit der Zeit ging es zu sprechen. Mit noch viel Zeit Menschen in mein Leben zu lassen und einige zu mögen, manchmal, wenn auch sehr selten, sie zu lieben. Interessant sind ihre Geheimnisse, dass was Menschen hinter Fassaden verstecken zu versuchen. Das so Wundervolle an dem Buch ist, das es still ist, als würde man auf einer Wiese sitzen und es wäre einfach nur schön der Natur zu lauschen. Stille, das wohl Schönste neben so einzigartigen Büchern, wie „Der Herr der kleinen Vögel“ Mehr zum Buch hier

3. Norbert Kron-Der Begleiter. | Bücher kommen manchmal, wenn es genau passend ist. So erging es mir mit „Der Begleiter“ von Norbert Kron. Plötzlich stehen vielen Gedanken und zwei Erlebnisse, die tiefe Spuren und Wunden hinterließen auf bedruckten Seiten. Sprachgewaltig geschrieben…mehr als das. Was besonders bewegt, ist die Tiefe in diesem Roman und viele Zeilen, die mich kurz anhielten ließen, weil ich mich wieder erkannte. Ein Teil einer Liebesgeschichte in dem Buch las ich und kannte das Gefühl. Eine Erinnerung, eine Ähnlichkeit eines Menschen und ein damit verbundener Funke, selbst ein Feuer gibt uns nicht die Liebe zurück, die wir an der Sterblichkeit verloren haben. Schmerzlich ist, wenn die Liebe erkrankt. Manchmal wünschte ich, das Menschen mehr in sich und in andere schauen, nicht oberflächlich, nicht einfach denken. Norbert Korns Roman ist fern von der Oberflächlichkeit. Ein so ehrliches, durchdachtes, intelligentes Buch, dass ich sehr dankbar bin, das es mir fast durch einen Zufall in die Hände fiel.  Mehr dazu hier

4. Andreas Altmann-Frauengeschichten. | Auf einen Autor neben Murakami möchte ich nie verzichten. Auf Andreas Altmann. Ich liebe seine schonungslose Art zu schreiben. Er umschreibt nicht, sondern sagt es frei raus. Dort, wo viele wegsehen, schaut er hin. So auch in „Frauengeschichten“-wieder ein unsagbar grandioses Buch. Es bewegte mich auf eine persönliche aber auch literarische Weise sehr. Andreas Altmann und wie oft sagte ich es schon, schöpft die Sprache komplett aus. Er schreibt über die Abgründe ebenso wie über das Lachen. Doch immer wieder keine Ketten, sondern Freiheit. Freiheit- das ist die wahre Liebe. Perfekt.

5. Dörte Hansen-Altes Land. | Zuerst war es so ganz anders. Vielleicht schon etwas fremd und dann ließ es mich nicht mehr los, das Buch von Dörte Hansen-Altes Land. Die vielen Flüchtlingsströme, ein bekanntes Bild. Doch Dörte Hansen geschahen 1945. In der Gegenwart das selbe Bild, erschreckend. In diesem Roman gibt es viel Kriegsgeschichte, das Thema Flucht, Heimat und eine Schwere, die wie ein grauer Nebel ist, den man plötzlich selbst spürt, nachdenklich wird, sich selbst innerlich beleuchtet. Die Einsamkeit wird manchmal zur Gewohnheit und dennoch müssen wir einmal zusammen rücken, wenn es Not gibt. Warmherzigkeit und Liebe spülen die Kälte fort, die uns gelegentlich gegeben wird. Melancholisch ist es, dieses großartige Buch, aber am Ende auch mit lachen. Dieses Buch ist wirklich eines der schönsten in diesem Jahr.

Karl Ove Knausgard- Träumen. |  Knausgard lesen ist ein Lebensgefühl. Er legt sein Inneres in den Zeilen nieder. Komplett. Mir scheint es oft, dass er keine Haut hat. Aber ich bin in all seinen Büchern versunken, da ich die Tiefe liebe und genauso die vielen Gedanken, die umherirren, wenn wir einfach nur leben. Auch in „Träumen“ ist dies so. Er lebte in den Bergen, kehrte in das fast zu moderne Leben wieder zurück. Den Mut zum Schreiben trinkt er sich oft an und will doch Schriftsteller werden. Es ist schon großartig Earl Grey zu trinken und in dem Buch zu lesen, dass Knausgard auch gerade einen Tee zubereitet und ihn dann trinkt. Das Buch konnte ich oft in meinen Alltag einbauen. Ich denke für einige Menschen ist Knausgard nicht einfach zu lesen, weil sie einen Spannungsbogen, etwas Action brauchen, aber das gibt es nicht. Gedankentiefe ist um so vieles besser als Action.

6. Bov Bjerg-Auerhaus. | Vor psychischen Krankheiten verschließen viele die Türen. Aber nicht Bov Bjerg in seinem Roman. Ich versank in den Zeilen und den unterschiedlichen Geschichten der Jugendlichen, die ein haus bezogen, mehr oder weniger gut klar kamen. Ich las diesen Roman, und obwohl ich noch sehr jung bin sind diese Jahre schon etwas her. Manchmal wollte ich losspringen, schnell auf eine Cola irgendwo hinfahren, aber der Alltag, die Arbeit holte mich ein. Dieser Roman ist eines meiner Lieblingsromane, da er zeigt, wie ernst es ist, wenn die Seele schreit, wir fallen, und wie schwer es ist, da wieder hinauszukommen, obwohl das Wollen ganz oben steht. Eine ganz besondere WG auf einem Dorf, die unvergesslich ist und zeigt, wie wichtig in schweren Zeiten ein Zusammenhalt ist. Unvergesslich ist es auch, dies gelesen zu haben. Mehr dazu hier

7. Banana Yoshimoto-Moshi Moshi. | Wenn es um den Verlust eines Vaters geht, habe ich Traurigkeit und Angst gleichzeitig in mir. Nichts und niemanden liebe ich mehr als meinen Dad. Umso mehr bewegte mich das Buch Moshi Moshi von Banana Yoshimoto. Tochter und Mutter verarbeiten den Tod des Vaters gemeinsam auf kleinem Raum. Die Beschreibungen sind kraftvoll und bildhaft. Das beschriebene Viertel so lebendig, wie die Bergmannstraße und das Kiez um den Südstern, dass ich so sehr liebe.

8. Athony Doerr-Alles Licht, das wir nicht sehen. | Es ist als habe Doerr durch andere Augen gesehen, gefühlt, ertastet und dann nur geschrieben. All das auf eine sehr bestimmte, direkte aber so poetische Art und Weise. Ein andere, harte, im Krieg lebende Welt und immer wieder etwas fast schon Märchenhaftes.

9. Marina Keegan-Das Gegenteil von Einsamkeit. | Poetische, so nachdenkliche Zeilen und immer wieder das Wissen, dass es nie wieder etwas von ihr zu lesen gibt. Die Autorin ist unglaublich jung verunglückt. Sie wäre wohl eine von den ganz Großen geworden.

10. Emrah Serbes-Deliduman. | Noch immer dieses Bild, das ein kleines Mädchen vor den Wasserwerfern, der Gezi-Park-Proteste zu Michael Jackson tanzt. Emrah Serbes war dabei als all dies geschah. Mehr hier

11. Ralf Rothmann-Im Frühling sterben. | Es ist Anfang 1945 werden zwei Jungen noch in den Krieg eingezogen. Zuerst ein Bauernhof und das harte Leben auf dem Land. Narben haben die Alten und die Jungen genauso Spuren. Ein schweres Buch und doch so lesenswert. Rothmann schreibt einfach grandios.

12. Eve Harris-Die Hochzeit, der Chani Kaufmann. | Viel haben die Frauen in dem Buch zu tragen. Eine Last alles vorzubereiten und überall herrscht Religion mit zu wenig Freiheit. Nach dem Buch liebte ich meine Freiheit noch mehr. Das Buch ist wie milder Zucker, aber mit Bittergeschmack in einigen Teilen. Es beeindruckte mich.

13. Joycelyne Saucier-Ein Leben mehr. | Das Buch ist kein kleines Wunder. 3 Einsiedler, die neben der Einsamkeit, die Freiheit lieben. Doch später stoßen Frauen dazu. Erstaunliches geschieht und ich war am Ende etwas traurig, dass dieses Buch dann zu ende war.

14. Anna Quindlen-Ein Jahr auf dem Land. | Das Buch traf mich mitten ins Herz. Die Protagonistin Rebecca ist über 60 Jahre. Sie zieht aufs Land, legt den Ruhm ab und sieht wie das Leben auch ohne Glanz funktionieren kann. Stille kehrt ein. Definitiv zählt Rebecca auch zu eine meiner Lieblingsprotagonistinnen. Ein schönes Buch.

15. Clemens Setz- Die Stunde zwischen Frau und Gitarre. | Ein Buch, dass mich packte. Clemens Setz lässt tief in die Gedanken seiner Protagonisten blicken. Selbst über den Krümmel auf dem Teller einige Gedanken, auch über das Gras. Über 1000 Seiten, die ich mehr als gern las. Mehr dazu hier

16. Mirna Funk-Winternähe. | Lola ist die Protagonistin des Buches. Sie ist Deutsche. Sie ist Jüdin. Sie ist besonders. In Berlin lebend, reist sie nach Tel Aviv,zu der Zeit als Krieg herrscht. Das Buch hat viel. Selten wurde über die Unwichtigkeit von genauen Maßen von Menschen so gut beschrieben. Es ist egal, wer wir sind.

17. Gudmundur Andri Thorsson-In den Wind geflüstert. | Einmal etwas Seltenes. Leider wurde das Buch wenig entdeckt, aber es ist so schön poetisch, dass die Geschichte darin nur nebenbei läuft. Das Buch ist eine wundervolle Melodie. Ja, fast wie geflüstert und der Wind trägt es davon, aber es bleibt eine wunderbare Spur zurück. Mehr dazu hier

18. Milan Kundera- Das Fest, der Bedeutungslosigkeit. Milan Kundera ist eines meiner Lieblingsschriftsteller. Das Fest der Bedeutungslosigkeit ist ein großartiges Buch. Man muss auch zwischen den Zeilen lesen, um es besser zu verstehen. Die Protagonistin großartig, philosophisch und zitierend literarisch. Am Ende des Buches das gemeinsame Fest, was bedeutungslos war, aber das Buch ganz und gar nicht. Mehr dazu hier

19. Marcin Szcygielski-Flügel aus Papier. | Eigentlich ein Kinderbuch, aber ich finde es eher für ältere und Erwachsene besser.. Rafal flieht aus dem Ghetto und erzählt über seine Flucht. Eine Geschichte, die wie das Cover sehr berührend ist. Gut „Gegen das Vergessen“ Denn vergessen dürfen wir den Holocaust und die Sinnlosigkeit von Krieg nie. Mehr dazu hier 

20. Einzlkind-Gretchen. | Wer hinter dem Pseudonym steckt ist noch nicht ganz raus. Es gibt nur Vermutungen. Gretchen hat so viel schwarzen guten englischen Humor, dass ich es liebte mal auch so etwas zu lesen. Seitenweise lachen. Einfach wohltuend.