Brüssel. Gedanken und ein Brief für die Menschlichkeit.

Nichts ist wichtiger als Menschlichkeit in Zeiten von Flucht und Terror.

Mich erreicht die Nachricht über die Anschläge in Brüssel am Morgen beim Arzt, da ein Patient aufgelöst in die Praxis kommt. Er schildert dies und alle zücken ihr Handy. Auch ich.

Wieder ein Moment, den wir nicht vergessen. Nicht vergessen, wo wir waren als der Terror wieder zuschlug.

Ich sehe die Bilder, erst vom Flughafen, ( Link hier) dann folgen weitere von Brüssel und ich empfinde Trauer und das Gefühl von Machtlosigkeit in mir. Wieder hat es uns erwischt. Wieder haben wir uns irgendwie etwas sicherer gefühlt. Der Terror war nie weg, aber irgendwann gehen die Uhren etwas auf „Normal“ zurück. Doch normal gibt es wohl nicht mehr.

Ich denke an alle toten Opfer, Angehörige, die Verletzten und Menschen, die dies miterleben mussten. Aber ich denke auch an die vielen Helfer, die das Chaos beseitigen. An der Stelle ein Danke. Alles hinterlässt Spuren. Nur in diesem Fall keine guten Spuren.  Mein Mitgefühl für die Verluste, die Trauma, die der Islamische Staat angerichtet hat.

Zu meiner Erschütterung lese ich dann bei Facebook Beiträge von Beatrix Storch. Sie ist Mitglied der AFD (Alternative für Deutschland) Eine rechte Partei mit einem furchtbar, erschreckenden feindlichen Menschenbild, wie aus Zeiten des Nationalsozialismus. Freunde von mir teilten diese Beiträge, da sie auch erschüttert über ihre Unmenschlichkeit sind, wie ich.

Hier zum Nachlesen. 

Doch ich möchte nicht einfach sitzen bleiben. Nein, selbst meine Erkältung hält mich nicht ab einen Brief zu schreiben.

 

Frau Storch,

ich möchte keinen Krieg erleben und daher sind sie (ich möchte mir bewahren die Anrede in diesem Fall klein zu schreiben) und ihre Partei nicht willkommen. Die Geschichte darf sich nicht durch Ideologen/Ideologinnen wie sie wiederholen.

Ansonsten Gute Besserung, da ihnen etwas fehlt. Leider kann ihnen dadurch nicht bewusst sein, dass das was fehlt ihr Gehirn und Verstand ist.

Durch Wissen kommt der Mensch zur Menschlichkeit (Hafis)

Schade, dass sie über kein oder besser ausgedrückt falsches Wissen verfügen. Ich verabscheue Ausdrücke ebenso wie schlechte Worte, da alles ein Maß haben soll.

Frau Storch, das Maß ist voll! Sie haben es mit ihrer Partei deutlich überschritten. Für Unmenschlichkeit gibt es keine guten Worte.

Daher sind sie ein empathieloses, unreflektiertes, krankes, hirnloses, egoistisches, unruhestiftendes, kriegsförderndes, unmenschliches Wesen. Frau oder Mensch kann ich nicht sagen, da solche Zeilen von ihnen zeigen, wie menschenunwürdig sie sind. Nicht mal ein aus einem Instinkt handelndes Tier wäre so.

>>>Die IS wird immer Wege finden Terror zu verüben, dass sollte klar sein.

Sie sind in Sicherheit, schreiben sie mit einer Selbstverständlichkeit, die unfassbar ist und viele andere sind es nicht, weil sie fliehen, bedroht werden.

Ich möchte, wie viele andere auch, die gegen die AFD, gegen Rechtsextremismus, gegen Hass, gegen Menschenverachtung, gegen das Vergessen und für die Menschlichkeit eintreten in Sicherheit vor ihnen und ihrer Partei sein. 

Aber sie verstehen es ja leider doch nicht. Ihre Beiträge, Argumente zeigen, wie wenig sie wissen, was es bedeutet sich wirklich wieder sicher zu fühlen oder Sicherheit zu vermissen. Sicherheit zu vermissen, dass man alles hinter sich lässt und nur die Hoffnung hat wieder etwas Sicherheit zu haben. Einfach nur überleben will. Sie hatten heute ein ähnliches Gefühl, aber jegliches Aufwachen, jede logische Erkenntnis daraus, (Nein, ihre Erkenntnis ist nicht logisch) bleibt ihnen leider fern.

>> Die IS oder andere dschihadistische Gruppierungen werden leider immer Möglichkeiten finden den Terror auszuüben. Diese haben böse Menschen und dennoch sind nicht alle Flüchtlinge so. Menschen sind verschieden.

Ein Beispiel für sie: Wir haben auch gute Menschen so, in den Medien und in der Politik, überall, aber auch überall böse, verachtende Menschen.

Verachtende Menschen, wie sie Frau Storch.

FASSEN sie sich an ihre eigene Nase, sie und ihre Partei haben nichts anderes vor als Menschen zu vernichten, wie die IS auch. Sie handeln auch so vernichtend, manipulieren, tun Dinge aus Wut, geben andere die Schuld. Nutzen die Ängste von Mitbürgern aus. <<<

EIN FEHLENDES GEHIRN, dass nicht medizinische Gründe hat , IST KEIN LEID, WIE UM DAS LEBEN ZU KÄMPFEN, VOR KRIEG ZU FLIEHEN.

Ja, harte Worte, aber sie reichen leider nicht, um ihre wahre, fehlende Menschlichkeit Ausdruck zu verleihen.

Sie und ihre Partei brauchen Grenzen. Niemand sonst. 

 

Pierre Jarawan. Am Ende bleiben die Zedern. Die Flüchtlingsthematik in der Literatur 2.

»Alle Söhne lieben ihre Väter. Aber ich habe meinen verehrt. Weil er mich mitnahm in die Wunderwelten seiner Geschichten.«

Ich liebe den Zauber, den ein Buch haben kann ohne dass ich es schon gelesen habe. Der Titel „Am Ende bleiben die Zedern“ rief in mir unerklärbar ein Fernweh hervor, aber auch eine Nachdenklichkeit. Zu den Zedern fielen mir die großen, starken Nadelbäume ein. Ich sah auf das Buchcover und ja ein fernes Land und ein kleiner Junge der über eine Brücke läuft. Flieht er?, frage ich mich, Aktuell ist das Thema Flucht überall. Es ist wichtig darüber zu erzählen.

Mich überzeugt der Klappentext. Ich denke an Pierre Jarawan beim Poetry Slam. Unvergesslich seine Stimme und jeder Satz von ihm. Es ist schon etwas her. Aber gute Erinnerungen entflammen schnell immer wieder neu. Nun also sein Romandebüt.

Der Beginn ist tragisch und in der Stille in der meine Augen nur auf das Buch fallen, ich lese, vermischt sich etwas Schmerz und gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass mir einmal mehr, wieder das richtige Buch in die Hände fiel. 

Jede Zeile ist schon am Anfang, wie ein perfekt komponiertes Klavierstück. Die Zeilen bringen mir als Leserin einen besonderen Blick. Samir, der Protagonist und Ich-Erzähler in dem Buch sieht Pusteblumenschirmchen zu, die seine Schwester verstreut. Wie sehr ich das noch liebe, obwohl ich erwachsen bin, fegt es schnell durch meine Gedanken.

Die Eltern von Samir flohen vor seiner Geburt nach Deutschland.

Samir erzählt von dem Leben in einer Wohnung, seiner Familie und seinem Vater, der alles erklärt und genau zeigt. Schnell wird deutlich, was der Ich-Erzähler und Protagonist Samir für eine tiefe Verbundenheit zu seinem Vater hat. Jede Zeile trifft wunderbar, was es bedeutet geborgen zu sein, zeigt wie wertvoll ein Vater und die Familie ist. Der Vater erklärt viel, erzählt Geschichten.

Ich sitze in meiner Wohnung und spüre, wie Pierre Jarawan es schafft zu verzaubern. Er schreibt ausgeprägt bildhaft und oft es ist so, dass selbst die beschriebene Musik hörbar ist. Irgendwie als hätte ich es mir neben Samir in einem Sessel bequem gemacht und schaue zu, folge ihm.

Mir fällt auf, dass Samir über das Leben in Deutschland schreibt, aber es ist, als würde es ein anderes Land sein. Ja, als wäre es die Heimat von seiner Familie, dem Libanon. Es geht temperamentvoll zu. Die Menschen haben sich nach der Flucht ein kleines Stück Heimat miteinander bewahrt. Sie tanzen, lachen, drehen sich. Ein Teil Glück, das geblieben ist. Samir und seine Familie sind in Deutschland aber nichts deutet darauf hin. So schreibt es auch wenig später Pierre Jarawan in einer Zeile.

Dann überall gutes Essen, Weinblätter, Oliven, Fladenbrot und Gewürze. Diesmal ist es, als seien die Düfte in meinen Räumen. Jede Zeile Jarawans ist ein Genuss und die Reise in ein Land, das Märchen füllte. Er schafft es Stimmungen, ebenso wie Gefühle und Länder mit Worten zu erfassen, dass es sogar ein bisschen unfassbar ist.

Irgendwie scheint für Samir und dessen Familie eine neue Heimat gefunden zu sein. Der Vater dreht sich, wie ein Satellit beim Feiern um die Gäste. Eine tolle Momentaufnahme, die trotzdem etwas Ruheloses hat. 

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Samirs Vater ändert sich nachdem Bilder aus der Heimat gesehen wurden und was im Libanon geschieht. Der Vater geht darin auf über den Libanon/Beirut zu sprechen. Ich erfahre, dass das Land, das einzige arabische Land ohne Wüste ist. Aus den Erzählungen des Vaters ergibt sich oft Wissen, welches ich zu vor nicht so genau hatte oder an eine sehr entfernte Stelle, der Erinnerungen gelegt habe. Beim dem gemeinsamen Anschauen der Diabildern nimmt der Vater ein Bild und es wirkt, als habe er dies aus Versehen getan. Darauf ist ein Mann mit einer Zeder von einem rotem Kreis umschlossen, die auf einer Uniform ist. Der Vater ist auch in der gleichen Uniform daneben und strahlt. Beide Männer sind bewaffnet.

Für Samir ist dies unverständlich. Denn er ist zu jung. Aber Fragen, die er nicht stellt, weil sie vielleicht auch noch nicht deutlich genug sind, hat er in seinen Gedanken. Samir belauscht dann seine Eltern, die im Schlafzimmer leise, aber für ihn deutlich, sprechen. Es geht um jenes Bild und das die Mutter den Vater darum bittet, es nach vielen Jahren zu vernichten. Sie könnten tot sein, wenn es gefunden worden wäre. Samir lauscht den Worten, schleicht in das Wohnzimmer und nimmt das Dia an sich. Zu dem Zeitpunkt weiß er nicht, dass ihn dieses Bild und ein Moment danach noch sehr lange verfolgen werden.

Die Beschreibungen der Gedanken von Samir und wie er die Veränderungen des Vaters geradezu analysiert, prägen sich ein. Jedes Detail der Veränderung scheint er zu merken. Nur seinem Vater ist dies erst nicht klar. In den Augen des Vaters liegt eine Sehnsucht. Durch die Erläuterungen Samirs wird deutlich, das Heimat eben nicht eine erst ähnlich geschaffene Umgebung ist. Heimat ist für Samirs Vater keine Umgebung bei der Gäste nicht überall, wie Könige behandelt werden und bei der sich hinter dem Tanz, dem guten Essen, den Freundschaften eine ganz andere, alltägliche Welt verbirgt. 

 

Der Vater verschwindet dann ohne eine Spur. Dies geschieht als Samir 8 Jahre alt ist. Erst 20 Jahre später reist Samir in den Libanon und begibt sich auf eine Suche von Anhaltspunkten und nach seinen Wurzeln.

Das Buch hat mit der Erzählung von Samir immer wieder Rückblicke. Samir ist ein Teenager, der viel und sich ausprobiert, eigentlich normal, aber immer wieder den Verlust seines Vaters fühlt. Hinzu kommen andere Schicksalsschläge, die ihn verändern und prägen.

Jene Rückblicke ergeben ein Ganzes. Mich erinnert dies ein wenig an einen guten Krimi. Die Lösung ist eigentlich da und doch können Teile mal einen Zweifel hervorbringen. Definitiv ist das richtige-ein sehr gutes Buch in meine Hände gefallen.

Es ist spannend und mal wieder ein Buch, wie eine Reise. Eine Lesereise, die mich neben dem Fernweh mehr nachdenken lässt, als sonst. Was bedeutet Heimat? Können wir je ankommen, wenn unser Herz ganz woanders lauter und stärker schlägt? Müssen wir nicht doch irgendwann gehen, weil wir eine Überzeugung und die Sehnsucht nach unser echten Heimat stillen müssen?

Fragen, die nur jeder für sich selbst beantworten kann und vielleicht gehe ich doch eine Tages nach England, denke ich beim Lesen.

Heimat und das Gefühl von Sicherheit kann aber auch ein Mensch geben. Selbst, wenn man die Einsamkeit liebt. Es sind die Zeilen über Samirs Vater und deren Verbundenheit, die mich fesseln, mitfühlen, mal leiden, dann mal wieder lachen lassen. Automatisch denke ich an meinem Vater, der mir unendlich viel bedeutet.

Die Reise in den Libanon und die damit verbundene Suche nach seinem Vater ändert bei Samir viel.

Der Libanon ist anders als Deutschland, doch wie ich lese mit so vielen tollen Seiten, Landschaften und auch Lebensfreude. Vielleicht müssen wir genauer hinsehen, um dies zu erkennen. Denn manchmal sind wir selbst ganz woanders Zuhause. Länder haben trotz Unruhen ihre Schönheit und die guten Menschen nicht verloren.

Wir lieben nicht nur Menschen, sondern auch Länder.

Das Buch erzählt aber auch von der Politik und den Machenschaften des Libanons. Dies sind die Schattenseiten und sie sind sehr dunkel, erschreckend, tragisch. Der Bürgerkrieg tobt und ich konzentriere mich zusätzlich darauf, lese sogar ein-zweimal etwas nach. Die Menschen haben normale Wünsche nach einem guten Leben mit der Familie und doch werden sie von Konflikten bedroht, die auch sie verändern. Manchmal bin ich hin-und hergerissen zwischen verstehen und dem Gedanken, dass ich froh bin vieles nicht zu kennen, Krieg nicht erlebt zu haben und dass es so bleiben möge.

Für Samir ist die Reise in den Libanon anders als erwartet, es geschieht etwas, das er nicht ahnt. Am Ende löst sich auf, warum der Vater verschwunden ist. 

Pierre Jarawan hat mit „Am Ende bleiben die Zedern“ ein Buch mit einer unvergesslichen poetischen, einprägenden, bildhaften, ausdrucksstarken Sprache geschrieben, dass es schwer ist, am Ende der Rezension, die richtigen Worte zu finden.

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Der Autor schafft es auf eine ganz besondere Art und Weise über Flucht, Heimat, Verlust, aber auch Identität, Gesellschaft, Politik und Konflikte zu sprechen.

Beeindruckend, sprachgewaltig, überzeugend, bereichernd. Es ist besser als grandios und eine Stufe höher als meisterhaft.

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Um ab und zu solche Leseschätze zu finden, lese ich viel, immer weiter, liebe es zwischen Buchseiten zu verschwinden. Literatur ist das Beste, was es gibt und Pierre Jarawan gehört mit seinem Debüt definitiv für mich zu den schönsten , bewegendsten, nachhaltigsten Büchern zur Flüchtlingsthematik, dem Ankommen und der Wichtigkeit von Heimat.

 

Pierre Jarawan | Am Ende bleiben die Zedern | 1. März 2016 | Berlin Verlag | 22 € | ISBN: 978-3827013026

No Bitch! Frauen sind wertvoll. Für mehr Feminismus.

Jedes Jahr am 14. Februar gehen viele Frauen zu One Billion Rising. Es wird gegen Gewalt an Frauen und Mädchen getanzt. Am Ende des Liedes stehen alle auf…We are Mothers, Teachers, beautiful creatures…

Genau und an der Stelle gleich, wir sind keine Schlampen oder Hündinnen. (Wikipedia) Bitch ist ein Schimpfwort (siehe Wörterbücher, bitte nicht immer nur allein der Quelle Wikipedia vertrauen)

Es ist wichtig, dass wir Frauen einfach wir sind. Nicht, wie andere es denken oder wollen. Seid ihr selbst und nehmt kein Image an, welches andere haben. 

No Bitches.

Also mal etwas nachgedacht, etwas hin und her gedacht, genauer betrachtet.

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Gegenwärtig gelten Begriffe, wie Bitch, Girlie, It-Girl leider als toll. Die englische Sprache wird im Deutschen positiv umgedreht. Die wahre Übersetzung von dem Begriff „Bitch“ ist damit schnell vergessen, nahezu unter den Teppich gekehrt. Ein Wortverbrechen, finde ich. Auf vielen Seiten wird Feminismus geschrien, der so wichtig ist und doch tauchen diese Begriffe auf. Missy Elliot singt „She´s is a bitch“ Der Inhalt des Songs nun mehr als dürftig, aber das wird nicht beachtet. Solche Begriffe sind zu modern geworden und gelten als cool. Ich lese dies und so jung ich auch noch bin, kann ich dies nicht einfach so nicht stehen lassen.

Wenn sich Frauen so definieren, dann ist in der Aufklärung und im Denken für mehr Frauenrechte/Frauengleichberechtigung eine Lücke deutlich.

Eine Bitchwahl als Lockmittel ist definitiv die falsche Richtung für Toleranz, Akzeptanz von Frauen , egal ob lesbisch, bi, hetero, trans*.

Achten einige Frauen sich noch genügend? Mangelt es an zu wenig Aufmerksamkeit? Ist das neue Cool etwas billig angehaucht? Sind selbstbezeichnete „Bitches“ wie Lady Bitch Ray der neue Anspruch? Sinkt der Anspruch so sehr, dass es für ein Kompliment wie „Du bist umwerfend klug und schön“ keine Freude für einige Frauen mehr gibt? Ist der Begriff Bitch in der lesbischen Community mehr Trend als woanders? 

Nun, ich hoffe nicht. Denn ich finde alles geht auch mit Klasse. Ich lebe offen, mag Normbeziehungen nicht, liebe beide Geschlechter, rede frei über unterschiedliche Themen, spreche ohne Hemmungen über Sex, das Blatt vor dem Mund nutze ich nicht. 

Ich arbeite frei, brauche keinen Schatten. Mir ist Feminismus wichtig und „Bitch“ ist für mich ein schlechtes Wort. Es ist kein Kompliment, weil einige Menschen glauben das Wort in Deutschland eine andere Bedeutung geben zu müssen.

Launenhaft und fast manchen Männer entgegenkommend, wirkt es. Ich möchte lieber mit Charlotte Rampling oder Hillary Clinton einen Tee trinken als mit einer Frau , die sich „Bitch“nennt.

Mich bewegt das und ich rede mit ein paar Frauen, die älter sind als ich. Was meinen sie dazu? Was wenn der Begriff wirklich ernst gemeint ist, kein Spiel?Durch Onlineplattformen und ein Handy bilden sich schnell, kurze aber effektive Dialoge. Zu meiner Erleichterung stelle ich fest, dass der Begriff doch negativ bewertet wird, auch als ich sage, dass es hier auch als positiv empfunden wird. Es bleibt negativ ist der Schlusssatz von allen. Das beruhigt mich etwas. 

Denn wir Frauen sollten uns mehr wert sein. Es kann nicht sein, dass für Frauenrechte gekämpft wird und dann werden Abstriche gemacht. Bitch oft in Pink, dann in  angeblichen coolen Sendungen. Vielsagend aber nicht vielversprechend.

Welche Frauen geben sich für so etwas her? All dies frage ich mich gerade. „Bitch“ ist umfassend zu einem Trendbegriff geworden, der nicht von Gedankentiefe ist. Frauen, gerade junge Frauen sollten eigenständig sein und nicht andere nachahmen oder sich durch so eine verachtende Idee, klein machen. Das hat niemand nötig. 

2016 also und auch an der Stelle haben wir Rückschritte gemacht, wenn vielleicht auch nicht so viele. 

Die AFD möchte das alte Frauenbild zurück und manche Frauen freuen sich über den Begriff Bitch. Das hat nichts mit Emanzipation zu tun, sondern ist eher traurig.

Das Wort „Bitch“ ist nutzlos. Es wertet das Wertvolle einer Frau ab.

Es sei denn sie wählt diese Definition selbst.

Mit solchen Begriffen können sich Frauen selbst aber auch klein machen. Dabei sollten wir aufstehen und gestandene, freie Frauen sein, die es gar nicht nötig haben sich so zu bezeichnen, weil wir einfach auch so grandios, intelligent, sexy sind!

Generell wird oft, wenn auch noch zu wenig nach Frauenrechten geschrien. Frau soll nicht als Objekt gesehen werden. Die Frau von heute ist frei und nicht billig. Sie muss nicht laut sinnlos umher schreien oder Sex als Mittel für Aufmerksamkeit nehmen. Wenn Laura Merritt das macht , ist es auch immer auf eine sehr kluge Art und Weise.

Eine gestandene Frau kommt auch weit ohne Girlie-Getue. Hier ist aber zu unterscheiden, das Sex nie ein Tabu sein sollte. Intelligent sexy ist anziehend. Dennoch gibt es Unterschiede offen damit umzugehen, frei über Vorlieben, guten Sex zu sprechen oder ein Scheidensecret an einen Moderator weiterzugeben. (Lady Bitch Ray in einer TV-Sendung) Letzteres hat für mich dann die Grenze des niveauvollen Feminismus und einer klugen Frau verloren.

Für mich sind Lady Bitch Ray und Missy Elliot keine angemessenen Beispiele den Begriff „Bitch“ schön zu reden, was wie oben geschrieben, generell nicht geht. Im Gegenteil. Dies sind keine Ikonen oder Frauen, die ein Maßstab von Feminismus und Freiheit sein sollten.

Wir Frauen sollten uns mehr wert sein als das, was zwei Frauen sagen. Dennoch ist der neue Feminismus anders, freizügiger. Laura Merritt ist eine Vertreterin des sexpositiven Feminismus und sie ist großartig. Kein Tabu was Sex betrifft. Sie redet offen, frei raus. Sie ist die Frau zu der man geht und über Sex redet und nebenbei Sexspielzeug kauft. Lady Bitch Ray überschreitet für mich manchmal das Maß, aber sie lebt aus, hat einen Style. Somit auch ein Beispiel für Frauen, die nach vorn gehen. Es ist jedem selbst überlassen, wie er/sie das findet.

Gegenwärtig gibt es auch Feministinnen, die in der Politik zugegen sind. Autorinnen, wie Lauren Penny heizen Diskussionen an. In der Regierung, auf der Bühne und Leinwand haben wir tolle Frauen, aber sie kommen auch aus, ohne mit „Bitch“ unnötig Aufmerksamkeit, auffangen zu wollen. Weniger ist was Ausdrücke betrifft, immer mehr und bei den Ansprüchen an sich, kann es gern etwas mehr sein. Dann dürfte es ein gutes Gleichgewicht geben.

Auch in der Liebe, beim Flirt, anderen schönen zwischenmenschlichen Verbindungen ist dann die Frage „Bitch“ oder eine besondere „Frau“ ohne fragwürdigen Zusatzbegriff?

Nun mal ehrlich doch lieber die Frau  ohne Zusatzbegriff. Aber jeder soll dies für sich entscheiden. Abwertend ist nur der Begriff Bitch. 

Für mich sind Ikonen jene Frauen, die in der Frauenbewegung kämpften, die mit Würde, aber auch einem gesunden Dickkopf, Durchsetzungsvermögen etwas erreichten/erreichen. 

Ich vergesse Menschen, wie Clara Zetkin, Simone de Beauvoir, Kate Sheppard nicht.

Dennoch gehe ich mit der Zeit, aber wenn „Bitch“ plötzlich als positiv gewertet wird, läuft etwas schief. Und wir reden nicht von einem sexy Wortspiel, das einmal als Spaß oder Liebesspiel angewendet wird.

Love is a bitch“ ist ein anderer Satz, der oft kursiert.

If I´m the one with a vagina,

why are you acting like such a bitch?“ , ist ein weiterer Satz.

Ja, was denn nun??

Also doch negativ. Die Umdrehung der Definition aus dem Englischen erschlägt sich somit von selbst.

Ganz klar ist „Bitch“ nicht meine Sprache und gewiss auch nicht derer, die Frauen achten und sich selbst wertschätzen können.

Frauen sind wundervoll, wertvoll, klug, sinnlich, atemberaubend, verzaubernd, stilvoll, erotisch, sexy, gepflegt, locker, warmherzig, klassisch, elegant, rockig…

Sie sind so viel mehr…aber keine Bitch.

Worte sollten nicht umgedreht werden und der Anspruch in keinem Bereich sinken. Es obliegt der Philosophie manche Begriffe in Frage zu stellen. Doch „Bitch“ hat weiter eine negative Bedeutung. Keine Frauen, wie Lady Bitch Ray, Missy können dies ändern.

Frau, sagt schon alles . Mehr braucht es nicht.

Wenn Feminismus dann richtig.

Die Leipziger Buchmesse. DIE FLÜCHTLINGSTHEMATIK IN DER LITERATUR 1 | Michael Köhlmeier. Das Mädchen mit dem Fingerhut | Abbas Khider. Ohrfeige | Norbert Kron, Amichai Shalev. Wir vergessen nicht, wir gehen tanzen.

Literatur bewegt. Etwas tun auch.

Ein wichtiges Thema mit vielen Diskussionen, tollen Büchern dazu ist Flucht auf der Leipziger Buchmesse und die damit vorhanden Probleme. In den letzten zwei Jahren hat sich der Wind in eine falsche Richtung gedreht. Menschen fliehen vor Krieg und dem Wahn von Kriegsführern. Sie fliehen um zu überleben. Doch manche Menschen sind sehend blind und tragen Unverständnis sogar Hass für Flüchtlinge in sich. Sie gehen auf Straßen, brüllen ihre Wut hinaus und in der Politik bekommt eine rechte, so unmenschliche Partei zu viele Stimmen. Irgendwo lese ich „AFD wählen ist so 1933“ Dieses Bild begegnet mir auch auf der Buchmesse. Gewiss ist es so. Jene Jahre des Nationalsozialismus, des gelebten Hasses sollten wir hinter uns gelassen haben. Ich verstehe nicht, warum Rückschritte das neue Laufen sind.

Ich bin mit einem Autor, einem Herzensmenschen angereist. Er reist viel durch die ganze Welt. Schon auf der Fahrt kommt zwischen der Stille dieses Thema auf. Er schreibt, hat einige Projekte, macht Veranstaltungen dazu. Ich selbst berate über Holocaust und Rechtsextremismus, unterstütze eine Flüchtlingsorganisation, eine Galerie. Gelegentlich lade ich Autoren zu Lesungen und zu diesem Thema ein. Es macht Freude. Unzählige tun viel, packen mit an, bewegen, organisieren und doch noch reicht es nicht.

Aber in der Hilfe sind wir immer noch hilflos. Es fehlt an so vielen Ecken. Türen werden verschlossen, obwohl sie offen sein sollten.

Umso furchtbarer ist das Wissen darüber, dass Menschen dagegen handeln. Einfach aus Angst, Unwissenheit und in ihren selbsternannten Nöten sind sie achtlos, hasserfüllt geworden.

In diesem Jahr beschäftigt, begleitet mich also das Thema noch mehr. Ich trete gegen Das Vergessen und gegen Rechts, für ein buntes Deutschland ein. Dies seit Jahren. Kein Flüchtlingsstrom, kein unzureichendes Handeln der Regierung wird diese Meinung ändern. Menschlichkeit, das Nicht- Vergessen ist eine Herzenssache. Die Literatur kann all dies einfangen, festhalten beschreiben und vor allem verständlich machen.

Wie wichtig die Flüchtlingsthematik auf der Leipziger Buchmesse ist und wie groß Offenheit geschrieben wird, ist schnell zu spüren. Alles ist kunterbunt, für Toleranz wird geworben. Die unterschiedlichsten Sprachen sind zu hören, es geht harmonisch zu. Menschen aus verschieden Ländern laufen durch die Hallen und immer wider laufen verkleidete Menschen in Mangakostümen herum. Hier sitzt der Autor neben dem Superhelden und der Flüchtling endlich kurz lachend auf der Couch. Selbst in einem Meeting kommt zur Sprache, was noch auf die Schnelle vor Ort getan werden könnte. Es gibt einen Denkraum. Menschen diskutieren hier über Asyl, Flucht, Heimat und die Tragik von Vertreibung. Mal ist es still, mal geht es hoch her.

 

Viele Verlage haben Bücher dazu. Das Thema vergessen geht eigentlich nicht. Gut so. Wir müssen hinsehen, verstehen, erkennen, menschlich handeln. Was sich geändert hat, ist das Flucht wieder präsent auf Buchseite geworden ist. Generell ist das Thema nie verschwunden, aber in einer Flüchtlingskrise nun wieder mehr vorn. Neue Werke werden geschrieben. Bücher veranschaulichen durch bildhafte Sprache, was viele Menschen sich nicht vorstellen können oder aus Wissensdurst lesen wollen. 

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Auf der Buchmesse 2016 geht dies. Es müsste nur öfter so geschehen. Auch beim blauen Sofa ist das Thema Flucht von hoher Wichtigkeit. Michael Köhlmeier sitzt auf dem Sofa und redet wortgewandt über sein aktuelles Buch.

Nun dazu ein paar persönliche Buchtipps passend zur Thematik. Diese Bücher sind natürlich auch auf der Buchmesse zu finden. 

Michael Köhlmeier. Das Mädchen mit dem Fingerhut

Noch wirkt das Buch nach. Ein namenloses Mädchen, das Yiza gerufen wird. Aber eben nur gerufen, wie ich lese. Es hat einen unglaublichen Überlebenswillen, wie durch kleine Wunder helfen ihr immer wieder Menschen. Jede Zeile bewegt. Das Buch ist authentisch und Köhlmeier schreibt so, das der Hunger, die Not spürbar ist. Es gibt oft Hilfe, aber auch diese wird mal zerschlagen. Irgendwie hat das Buch eine Ruhelosigkeit, Freude und dann wieder einen bitteren Kampf. Vieles bliebt offen. Doch genau das beschreibt die Lage gerade. Wir wissen nicht wohin all dies führt. Fast erschüttert bleibe ich nach dem Lesen zurück. Die Geschichte des Mädchens schildert die ganze Not unzähliger Flüchtlinge. Es sind nur 144 Seiten, die aber wirken, wie ein gutes, dickes Buch.

Abbas Khider-Ohrfeige

Die Orangen des Präsidenten“ von Abbas Khider sind immer noch unvergesslich. Auf sein Buch „Ohrfeige“ war ich also gespannt. Zwischen Komik und Tragik beschreibt Abbas Khider die Schwere ein Flüchtling zu sein und den Ärger mit den Behörden.

Karim Mensy, ein Flüchtling aus dem Irak und der Protagonist des Buches erzählt von 3 Jahren Flucht, Ungerechtigkeit und der Verarbeitung dessen, was kaum zu verarbeiten ist. Er darf nicht in Deutschland bleiben. Karim ist wütend und fesselt eine Angestellte des Amtes Namens Frau Schulz, gibt ihr eine Ohrfeige-Sie soll ihm endlich zuhören. Dies ist ein ganz wichtiger Schlüsselsatz. Oft wird übergangen, nicht zugehört. Nicht nur die Sprache ist ein Hindernis, sondern leider oft auch der Wille. 

In den Worten und allen Zeilen von Abbas Khider steckt die einfache menschliche Sehnsucht nach Normalität. Einfach einen Kaffee trinken, reden. Doch die passende Sprache fehlt und es werden Riegel vorgeschoben diese zu erlernen. Abbas Khider schreibt wirkungsvoll und nachhaltig, wie es ist, etwas in Sicherheit und doch meilenweit von allem Alltäglichen entfernt zu sein. Es mag sicher etwas merkwürdig klingen, aber ich lese dies und verstehe die volle Wut von Karim. Irgendwann reicht es.

So schreibt auch Abbas Khider frech, bittersüß, gnaden-und-schonungslos über die Lücken des Asylrechts. Er muss schwarz arbeiten, da er offiziell nicht arbeiten darf. Er erzählt ausführlich über Politik, Unachtsamkeit, die Folgen Bushs, ebenso wie über einen Freund, der psychisch zugrunde geht, die Talente von ihm und seinen Freunden, das stetige Totschlagen der Zeit, weil sie nichts tun dürfen und das Leben in Flüchtlingsheimen, das an Konzentrationslager erinnert. Überall ist Unmenschlichkeit.

Abbas Khider nimmt kein Blatt vor dem Mund. Die Wahrheit wird jedem-Ja, wie eine Ohrfeige gegeben. Großartig und ein guter Weg blinde, aber auch Menschen, die zu still in einer Zeit von Not sitzen, endlich einmal zu bewegen. Nur ehrliche und wie ich es nenne laut-geschriebene Worte können aufwecken, ändern und Brücken bringen. Viel muss sich noch ändern. Möge es bald geschehen.

Die Spur, die nach dem Lesen des Buches bleibt, spüre ich sogar auf der einer Lesung von Abbas Khider.

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Jene Gedanken schießen auch auf der Buchmesse durch meinen Kopf. Ja, bei sehr vielen Verlagen gibt es Bücher zur Flüchtlingsthematik, viel wird gesprochen, gehandelt, geplant.

Aber…

wer denkt je an die Seelen der Flüchtlinge und wie kaputt ihre Körper gehen? Wer denkt an das Leid von Flucht und hier anzugekommen, neue Schranken vorgesetzt zu bekommen? Wer denkt an die vielen Flüchtlinge und das in ihrem Schmerz zahlreich noch Steine draufgesetzt werden? Wer weiß darum, dass ihre Seelen zerfallen, wie hauchdünnes Glas? Wer denkt daran, was geschieht, wenn ein Fliehender, eine Fliehende, eine ganze Familie zurück in die Heimat voller Not und fallenden Bomben muss/müssen? Wer denkt an das Trauma von Flucht, Verlust und Heimatlosigkeit

Bücher.

Zu wenig Menschen.

Ich bin absolut gegen Gewalt, aber all diese Bücher, Diskussionen sollten aufweckende literarische Ohrfeigen sein, die Gutes, Menschlichkeit und die Sehnsucht nach etwas Normalität so vieler Menschen stillen.
Gleich nach dem Einfügen des Beitrages, gehe ich mit ein paar Freunden hier in Leipzig tanzen und mir fällt noch ein Buch ein.

Norbert Kron. Amichai Shalev. Wir vergessen nicht, wir gehen tanzen.

Viel schrieb ich über das Buch. Es zeigt die Offenheit, aber auch die Möglichkeiten Steine und Schranken fortzunehmen. Es bringt ein Lachen, wo viele verloren gingen und einfach Hoffnung. Meine Gedanken dazu im Link oben.

Michael Köhlmeier | Das Mädchen mit dem Fingerhut | Carl Hanser Verlag GmbH & Co | 1.Februar 2016 | gebunden | 144 Seiten | 18.90 € | 978-3446250550

Abbas Khider | Ohrfeige | Carl Hanser Verlag GmbH & Co. | 1. Februar 2016 |gebunden | 224 Seiten | 19.90 € | ISBN: 978-3446250543

Haruki Murakami. Dussmann und der Blick auf Bücher. 

Gerade gehe ich durch die Tür, laufe etwas hin und her. Genau 6 Tage ist es her seit ich hier war und es verlangt in mir nach neuen Büchern. Ich will nicht danach suchen, sondern finden. Hier kann ich es. Ich bin in der besten Buchhandlung der Welt, wie ich finde. Dussmann Das Kulturkaufhaus hat nicht nur den schönsten Buchbereich, die meisten Bücher, die schönste Auswahl an guter Literatur, die beste Beratung und die beste Buchhändlerin, sondern auch ganz viel von Haruki Murakami.

 Ich bin öfters dort, gehe genussvoll durch die Regale. Immer wieder ein kleiner Kurzurlaub. Durchatmen. Ab und zu schiebe ich ein Buch zurecht. Besucher sind oft nicht achtsam. Sie berühren, greifen, heben ein Buch hoch, lesen die Rückseite und legen es nicht ordentlich zurück, obwohl jedes Buch doch ein Schatz ist, das genauso einen schönen Raum, eine Ordnung verdient, wie jeder und alles auf der Welt. Zusätzlich erspart es jeder/jedem Buchhändler_in einfach Arbeit. Jede Achtsamkeit schenkt Zeit und sei es etwas Zeit zum Träumen oder Lesen.

Ich genieße es gerade nachzudenken, einfach an diesem Ort zu sein. Oft duftet es nach frischen Büchern, eine Neuentdeckung lacht mich an und ein David Bowie-Bereich ist auch nicht weit entfernt. Unendlich viele Bücher, wundervolle Schreibsachen und im Café gibt es eines der besten Earl Greys überhaupt.

Herzlachen.

Stets bleibe ich bei den Fächern von Murakami stehen. Manchmal berühre ich ein Buch, aber nur zaghaft damit es keine Spuren davon trägt und mit dem schönen Herzklopfen kaufe ich dann meistens einige Bücher. Nicht immer Murakami. Diesmal ist es W.G Sebald „Austerlitz“

Auch die Kassiererin ist sehr nett. Ein kurzer Plausch ergibt sich. Nach dem Zahlen, gehe ich noch einmal zu den vorderen Büchertischen.

Seit vielen Jahren haben sie ein System. Eine perfekte Bücherordnung. Manchmal gerät diese etwas aus dem Takt. Ich bemerke dies. Es ist als würde jemand für eine Zeit fehlen. Fehlende Hände, die allem einen Zauber geben. Nie ist es dann unordentlich, aber anders. Wie eine gerade Linie, die etwas kippt. Nicht heute. Alles hat das schönste System für Bücher, das ich kenne. Etwas später setze ich mich auf meinen neuen Lieblingsplatz und schaue in zwei Murakami Bücher, die ich kurz aus dem Regal nahm. Meine Exemplare habe ich natürlich gerade nicht dabei. Die Abendsonne dringt durch die Scheiben von Dussmann, kitzelt die Seiten und mich. Ich denke an Haruki Murakamis „Unheimliche Bibliothek“ und den Schafsmann.

Haruki Murakami. Die unheimliche Bibliothek.

Eine etwas düstere Geschichte und doch so wundervoll. Der Protagonist ist ein Junge, der von seinen Erlebnissen in der Stadtbibliothek erzählt. Am Anfang ist alles normal. Er betritt die Bibliothek mit seinen nagelneuen Lederschuhen. Bücher werden zurückgegeben und alles hat, wie ich gerade schrieb eine Ordnung.

„Ich hüte die Bücher wie ein Schäfer die Schafe“ S.1

Nach diesem Satz war ich schon wieder vertieft in Murakami`s Welt und seine wunderbare Art zu schreiben, verliebt.Immer tiefer gelangt der Junge auf der Suche nach einem Buch in die Bibliothek. Das diese sogar einen Keller hat, wusste er noch nicht, obwohl er unzählige Male dort war. Doch es geschieht etwas. Er wird gefangen genommen und soll 3 Bücher auswendig lernen. Erschrocken, ängstlich ist er an diesem düsteren Ort. Schnell kommt auch eine so bekannte und geliebte Figur von Murakami´s Büchern hinzu-Der Schafsmann. Es mag dunkel in dieser Geschichte zugehen und diese kurzweilige Geschichte wirft Fragen auf, aber ein Wiedersehen beim Lesen mit dem Schafsmann ist wundervoll. Hinzu kommt ein stummes Mädchen, welches gleich ein wenig verzaubernd wirkt. Sie hat eine ganz besondere Art zu sprechen. In den Zeilen steckt eindeutig Murakami, skurril, die Realität verschwimmt und selbst das Unfassbare, so Ungewöhnliche wird selbstverständlich, wenn man Murakami-Leserin ist, wie ich.

Haruki Murakami. Naokos Lächeln.

„Naokos Lächeln“ halte ich auch in den Händen. Wenn ich ein neues Exemplar benötige, würde ich es nie woanders kaufen, als bei Dussmann. Immer, wenn ich es wieder einmal lese, finde ich etwas Neues darin. Einen geschriebenen Augenblick von Murakami, der mich dann mehr gefangen nimmt als vorher. Diesmal ist es der Moment als Naoko und Turo Watanabe sich näher kommen, aber zuvor weint Naoko bitterlich, um ihren besten Freund. Den größten Schmerz empfinden wir aus Trauer, wenn wir einmal loslassen können, aus der oft eingehaltenen Form fallen dürfen. Irgendwie befreit es. Das Buch ist das Buch meines Lebens, alles stimmt darin. Von dem Verlust bis zu dem unvergessenen Lachen., das jemanden in der Realität gehört. Ich denke für jeden Menschen gibt es ein passendes Buch. Ein Buch, das auf merkwürdige Weise einen großen Teil des eigenen Lebens in sich trägt. Egal, wo ich dieses Buch sehe, mache ich fast Luftsprünge, könnte tanzen. In Herzen passen eben nicht nur besondere Menschen, eine intelligente, belesene Frau mit einem Lächeln, wie aus einem Buch oder ein Haustier, sondern eben auch Bücher. Naokos Lächeln bewohnt hinter meiner Brust einen sehr geräumigen, luftigen Raum.

Minuten später laufe ich noch einmal durch das ganze Haus. Schön. Ich lege die Bücher zurück. Ganz ordentlich wo sie waren und poste dann diesen Beitrag. Ein traumhafter Nachmittag, dessen Wege durch Bücher gingen und ein Lächeln bewahren. Was kann es Besseres als die Buchwelt geben? Nichts, denke ich.

Danke an das Kulturkaufhaus Dussmann.

Haruki Murakami.Die unheimliche Bibliothek. DuMont Buchverlag. 29 November 2013. 64 Seiten. 14.99 €

Eine Woche mit Haruki Murakami. Naokos Lächeln.

Eine Woche nur mit Büchern von Haruki Murakami in Berlin. Was werde ich denken, erleben, sehen? Welche Augenblicke werden unvergesslich sein? Ich werde alles notieren und dann hier aufschreiben. Sicher auch einmal zwischendurch.

Erst neulich wurde ich gefragt, wer die Frau sei, die wirklich das unvergessliche Lächeln, wie in Naokos Lächeln beschrieben, hat und aus Berlin ist. Ich erwähnte sie bei meinen Rezensionen zu Murakami. Eine Antwort habe ich nicht gegeben. Irgendwo zwischen den Zeilen steht unerkennbar der Name. Denn ein Lachen, dass man nach Jahren noch liebt, gehört ins Herz nicht an die Öffentlichkeit.

Es geht viel mehr um Murakami. Jedes Buch von ihm beeindruckte mich. Niemand schreibt besser als er, denke ich immer, wenn ich ihn wieder und wieder lese. Aber auch dies ist Geschmackssache. 

Gerade höre ich ein Lied. Es füllt die Zimmer. Ein Lied, das mehr als nur gesungene Strophen hat. Es ist jener Song, der mich an mein Lieblingsbuch erinnert. „Naokos Lächeln“ von Haruki Murakami-Kein Buch ist so tief in meinem Herzen, wie dieses. Kein Buch bringt so viel schöne, auch ganz persönliche Erinnerungen. Jedes Jahr lese ich es ca. 2- 3 Mal. Meine eigene Tradition. Nun gerade beginne ich wieder und tauche ein in die Welten von Haruki Murakami…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lena Andersson. Widerrechtliche Inbesitznahme

„Liebe ist die stärkste Macht der Welt, und doch ist sie die demütigste, die man sich vorstellen kann.“ 

(Mahatma Gandhi) 

„Widerrechtliche Inbesitznahme“ Der Titel passt. Denn die Liebe kommt ohne zu Fragen, nimmt uns in Besitz, egal ob wir gemeinsam lieben oder es nur einseitig ist. Jede Seite wird in Besitz genommen. Ungewollt. Ungefragt. 
In dem Roman von Lena Andersson geht es um eine junge Frau Esther Nilson, Dichterin und Essayistin. Sie ist 31 Jahre alt, sieht die Welt ganz genau, in unzähligen Details. Schon am Anfang des Buches wird deutlich, wie tief ihre Gedanken gehen und wie viel unterschiedliche Wege sie nehmen. 
Ich bin von der ersten Zeil an tief in dem Buch. Lena Andersson schreibt anziehend, alles verschwindet und jeder Satz von ihr wollte dann von mir mit vollen Genuss gelesen werden. 

Esther bekommt den Auftrag über den Künster Hugo Rask zu sprechen. Bei dem Vortrag ist dann auch der Künstler anwesend. Hugo Rask übt sofort eine Anziehung auf Esther aus. Selbst Tage später ist er präsent in ihren Leben. Ihre bestehende Beziehung zu einem Mann bekommt dadurch neue Züge. Überall sind harte Ecken und fehlende Dinge. Beide haben sich auseinandergelebt. Beim Lesen spüre ich beide Seiten sehr. Esther, die Verliebte, die Hugo Rask noch gar nicht kennt und den Mann, der die Veränderung bemerkt, hofft und doch verlieren wird. Nur eine geringe Zeit später trifft Esther, Hugo Rask wieder. Sie macht ein Interview für eine Zeitung. Allein der philosophische Austausch zwischen ihnen ist einzigartig. Es geht um verschiedene Sichtweisen, ob man Taten nach ihren Konsequenzen oder Prinzipien bewerte, dann die Demokratie und Kunst, die besser eine revolutionäre Kraft besitzen sollte. Es sind Themen fern jeglicher Oberflächlichkeit. Immer wieder gibt es in dem Buch sehr philosophische Auseinandersetzung auch zur Liebe, den Gefühlen einer Zwischenmenschlichkeit aber genauso zu politischen Themen, wie den Taliban, Terroristen. Diese Gespräche zu lesen, bringt mich öfters dazu mich auch noch einmal mit dem ein oder anderen Thema zu beschäftigen, anders auseinanderzusetzen und neue Sichtweisen anzunehmen. Einfach auch neue Gedanken zu erfassen, die ich vorher nicht angerührt habe. Das Buch ist ein reines Gedankenlabyrinth und ich liebe es. Als ich es lese, erwähne ich es ständig. Nichts ist schöner als die Leidenschaft des Lesens und sich in ein Buch zu verlieben. Es ist so perfekt. In einer Nacht beschließe ich es auszulesen und dann alles auf mich wirken zu lassen. Am Ende schlägt mein Herz laut. Ich bin dankbar für so ein großartiges Buch. Vor mir die Spur des Buches-Ein Berg aus Gedanken.

Durch das Schreiben wird er zerfallen. 

  
Esther und Hugo Rask kommen sich näher und verbringen drei Nächte miteinander. Doch es ist klar, das Hugo die Freiheit liebt und gewiss, dass er nicht nur eine Frau hat. Hugo Rask ist mir wesentlich sympathischer als Esther. Dennoch denke ich, dass viele sie mögen, verstehen werden, ja sogar mit ihr leiden werden. Kurzzeitig tat ich das auch. Aber ihre Blindheit aus Liebe kommt an einen Punkt, wo sie immer wieder Grenzen überschreitet. Selbst ihre Freundinnen (in dem Buch immer von Esther Freundinnenchor genannt) können ihr nicht helfen. Erst waren es kleine Fehler, jene Fettnäpfchen, die wir alle aus einem Gefühl einmal übertreten, die Esther begeht. Aber es vergehen Monate fern von Hugo Rask, aber sie hofft immer noch sobald sie ihn sieht, folgt ihm auch zweimal, obwohl er klare unmissverständliche Zeichen setzt, dass er weniger will und gerade sie nicht die Auserwählte ist, liegt kommt bei ihr nicht an. Esther ist nur ein Jahr jünger als ich, aber dennoch wirkt sie mit der Liebe ganz klein, viel zu jung im Handeln. Es hat etwas Wahnsinniges, was Esther tut und denkt. Leider. Die Liebe zu Hugo Rask hat sie in Besitz genommen. Sie beeinflusst ihr Leben und beherrscht ihre Gedanken. An einigen Stellen habe ich fast schon Mitleid. Denn wie mit etwas wie der Liebe umgehen, wenn es doch kein Heilmittel und kein passendes Rezept gibt? Nahezu unmöglich.

“ Wir streben die Liebe an, um zu spüren, dass jemand uns sieht.“ S. 53


Der Großteil der Menschen lebt davon gesehen zu werden, gar geliebt zu werden und einen Partner an der Seite zu haben. Esther will unbedingt ein Leben mit Hugo Rask. Sie ahnt, dass es eine andere gibt, spürt Stiche, wenn sie abgewiesen wird. Doch immer wieder ist in ihren Worten und Gedanken mit ihm zusammensein zu wollen. Das sie ihre Liebe damit vertreibt, sieht sie nicht. Hugo Rask nimmt Besitz von ihr ohne dass er dies wollte. Sie hängt an einer Leine und schneidet sie leider nicht durch bzw. kann sie es nicht, da sie sich selbst drangehängt hat. Eine lange Zeit geht dies so. Esther muss tief fallen bis sie versteht, dass es keinen Sinn hat. Immer wie
Für mich ist das Buch eines der Besten, die ich las. Es ist so gehaltvoll, so voller Philosophie und mit dem Muss von Liebe und der Freiheit auf der anderen Seite. Ich bevorzuge die Freiheit. Menschen, die mit einem forderndem Schild vor mir stehen, bringen mich dazu weit fort zu laufen. So wie Hugo Rask. 

Liebe darf uns nicht blind und abhängig von einer Person machen. Esther Gerät in einen Strudel aus Schmerz und jedes Mal kommt ein neues Brett, das Hugo Rask ihr unbewusst vor den Kopf schlägt und mit jeden Mal, mag ich diesen Künstler. Er lebt und liebt einfach frei, ist kreativ. Die Liebe macht ihn nicht zu einer Marionette an unzähligen Schnüren. Jedes Gefühl muss atmen können. Drängen, fordern führt zu Zurückweisungen. Was sichtbar da ist, wird oft uninteressant. 
Das Schlimmste was es gibt sind Grenzüberschreitungen und gleichzeitig aber auch der Schmerz einer unerfüllten Liebe.
Ausnahmslos jeder wird sich in diesem Buch verstanden fühlen, oft anders denken, einfach die eignen Gedanken haben. Das Buch lässt Erinnerungen hochkommen. An vielen Stellen reflektierte ich, lächelte und weinte ganz kurz. Nichts bewirkt mehr als die Liebe. 
Wenn diese nicht gelingt, zu sehr nimmt, Schmerz bringt ist auch gut fortzulaufen, Türen zu schließen oder wie Esther einen Marathon zu laufen. 
Lena Andersson hat eine Auszeichnung für des Buch erhalten. Absolut zurecht. Sie schreibt mit einer goldenen Zunge und Tasten oder Stiften aus Diamanten. Ihre Zeilen sind wie eine Umarmung, die jeder haben möchte, der gern liest und in Bücher so gern verschwindet. 
„Widerrechtliche Inbesitznahme“ ist ein außergewöhnliches Buch, das so wundervoll ist, dass die tollen so unterschiedlichen Spuren davon bleiben. Meisterhaft.
Lena Andersson | Widerrechtliche Inbesitznahme | Luchterhand Literaturverlag München | 220 Seiten | 18.99 € | ISBN: 978-3-630-87469-2