Friedemann Karig.Wie wir lieben. Vom Ende der Monogamie.

Eine Beziehung nach der gesellschaftlichen Norm leben, geht für mich nicht. Doch Vorsicht viele sagen, sie sind offen, wollen ausleben und ganz schnell befindet man sich in einem eheähnlichem Zustand, kein Sex, kein Ausleben, kein Begehren, Lügen, verletzten. Streit kommt noch hinzu. Das geschieht leider. Denn polyamourös leben, ist nicht so einfach. Manche handeln auch aus schlechten Erfahrungen dauerhaft negativ. So bekommt die Offenheit erst gar keine Chance. Psychologisch ein kleiner Alptraum. Doch auch hier gilt: Jede Seite macht Fehler. Schlimm, wenn eine Seite oder gar beide nicht schaffen absolut ehrlich zu sein. Aber das ist nötig. Manchmal wird dann noch gedacht man habe sich verliebt. Dabei ist es einfach vorbei. Die Gefühle sind fort. Die fehlende Ehrlichkeit und das Vertrauen töten alles und tun weh. Es ist traurig, wenn es so endet. Man hätte ja wirklich Spaß haben können. Doch so ist es nun mal. Aber alles ist möglich. Positiv denken längst winkt eine neue Affäre oder mehr und damit mehr Achtung, Respekt und vieles mehr. Aber geht das überhaupt so offen zu leben? Ja, absolut. 

Wo bleibt die Liebe wird dann häufig gefragt? Ganz einfach bei dem oder der, die Freiheit, Ehrlichkeit und Warmherzigkeit, Abwechslung, keine Kälte gibt und die/den man schon länger als nur ein paar Monate kennt. Daher liebe ich das Buch von Friedemann Karig. Es sagt genau das und noch so viel mehr. Polygamie basiert auf Vertrauen.

Dabei geht es überhaupt nicht darum durch Betten zu hüpfen, was viele leider in Vorurteilen denken, sondern sich und andere frei lassen. Manchmal gibt es dann sogar mehr Treue, Vertrauen, gute Gespräche und natürlich auch guten Sex mit dem Partner.

Ich liebe Literatur zum Thema Polyamourie. Michael Nast mit „Generation beziehungsunfähig“ war ein Sachbuchalptraum. Der Autor lästerte über andere und stellte sich selbst gut da. Zusätzlich ist das Buch, wer genau liest, verachtend gegenüber Frauen.

Ganz anders nun das Buch von Friedemann Karig. „Wie wir Leben. Vom Ende der Monogamie. Schon am Anfang eine Kurzgeschichte. Sie trifft auf ihn und sie verbringen eine heiße Nacht. Anstatt sie zu vergessen, sucht er sie. Sie bekommen ein Kind, leben aber in einer offenen Beziehung.

Die Monogamie ist ein Desaster“ S.11

Fast jede zweite Ehe wird in Deutschland geschieden. Eine durchschnittliche Beziehung dauert im Schnitt 4 Jahre. Gründe sind meistens Affären, ein monogamer Alltag, Lügen, , betrügen, verletzen, verlassen. Die Hälfte der Menschen sieht ihre sexuellen Wünsche nicht erfüllt. Die Monogamie ist also ein trauriges Spiel, dass zu viele mitspielen.

Doch was ist genau die Lösung? Darüber macht sich Karig wirklich Gedanken. „Wilde Ehe“, „Freie Liebe“, sind längst keine Begriffe und nahezu unschön, unpassend.

Freiheit ist also eine Lösung, aber auch diese hat Tücken verlangen wir uns doch sehr viel ab und unseren Partnern auch. Das Schlimme an der Freiheit ist, dass wir sie kaum so ausleben, wie wir es sollten. Und dann halte ich bei einem Satz Inne.

Vielleicht ist es also Zeit, neu darüber zu denken. „Mehr Freiheit, weniger Angst zu wagen?“ S.12

Genau das ist es. Einfach poly leben. Es wird auch Schwierigkeiten geben, wie oben beschrieben, aber es kann auch wunderbar sein. Etwas unterdrücken ist selten gut. Nichts muss immer gleich eine Definition haben. Es ist oder kann dennoch Liebe sein. Vielleicht sogar eine größere, längere, Erfülltere, Lustvollere.

Dann folgen Geschichten. Denn nichts erzählt die Wahrheit besser als das Erlebte.

Paul und Jelena treffen sich, er sucht sie und sie haben einen tollen Sommer. Doch Jelena fängt etwas mit einem Fitnesstrainer und DJ an. Beide weinen, als sie es Paul erzählt. Aber sie tun sich wieder zusammen. Genau das ist so wunderbar. Nicht das große Drama. So möchte ich leben und tue es auch gerade. Aber es geht nicht immer. Manche lügen, können nicht ausleben, was sie wollen. Das schafft Unruhe, viel Misstrauen und nimmt jegliche Leichtigkeit. Es folgen Gespräche, was man besser machen könnte. Reden und immer wieder reden. Aber ich weiß aus Erfahrung Menschen ändern sich nicht. Dennoch versuchen. Auch eine Kokosnuss muss erst mühsam aufgebrochen werde, um etwas Tolles zu bekommen. Wenn nichts geht, dann bleibt nur Beine in die Hand und weg. Vielleicht ändert sich irgendwann einmal etwas oder es war eine Erfahrung. Denn das Leben ist viel zu schön, um zu verzichten. Freiheit, Menschen, Gefühle, Sex sind nicht dazu da sie in eine zugeschlossene Schublade zu packen. Und es gibt Menschen, die können genau all das ausleben, wenn auch nur wenige.

Die Geschichten packen mich sehr. Da ist ein Paar, was ganz konservativ in einem Reihenhaus zusammenlebt und doch ab und zu etwas Besonderes mit jemand anderen auslebt. Dann gibt es in einer Geschichte Livia und Thomas, die sich lieben. Hier und da gibt es mal Knutschereien. Livia hat öfters etwas mit anderen Männer und Thomas hat die selbe Freiheit. Doch er nutzt diese nicht so. Eifersüchtig ist er nicht. Mich berührt diese Geschichte am Meisten. Denn beide sind ehrlich zueinander. Es gibt kein sich „in Gedanken das Schlimmste ausmalen“ Sie erzählen sich spätesten nach Tagen alles. Livia muss nicht alles erzählen oder nicht bis ins Detail, auch wenn es Thomas manchmal auch etwas antörnt. Er weiß, dass sie öfters zu einem Mann in die Eifel fährt (Der Wanderfreund) und sie gehen auch tatsächlich wandern. Wandern mit Bonus. Livia und Thomas bekommen ein Kind ziehen sich etwas zurück, heiraten und doch ist alles offen. Das ist Leben, das ist Freiheit ohne Angst und all das funktioniert nur mit Ehrlichkeit. Ehrlichkeit verschafft Freiheit und damit viel, viel Lockerheit. 

Egal, ob hetero-, schwul-, lesbisch-, transsexuell Polyamourie bedeutet eine moderne Liebe. Ehe und Normbeziehungen sind längst überholt. Dennoch leben und leben lassen. Aber Friedemann Karig macht mit seinem Buch deutlich, was möglich ist und es ist gar nicht so schlecht den goldenen Käfig nicht zu haben oder auszubrechen. Die gesellschaftliche Norm zu Beziehungen ist dazu da aus ihr ausbrechen.

Ich wünsche mir nach dem Lesen des Buches, dass viele Menschen es lesen. Vor allem die, die offen, polyamourös leben möchten und es doch nicht schaffen, da sie Angst haben, sich schämen. Möge es ihnen Kraft geben endlich einfach sie zu sein. Denn diese Menschen sind wundervoller als sie denken und wissen. Ich sein-macht um so Vieles glücklicher.

Es ist ein großartiges Buch, was mich bestärkt nie anders zu leben. Denn nichts ist schlimmer als ein monotoner gemeinsamer Alltag in dem das Schönste die Liebe und das Verlangen Tote sind.

Friedemann Karig | Wie wir lieben. Vom Ende der Monogamie | Blumenbar Verlag | ISBN: 978-3-351-05038-2 | 20 €

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