Haruki Murakami. Dussmann und der Blick auf Bücher. 

Gerade gehe ich durch die Tür, laufe etwas hin und her. Genau 6 Tage ist es her seit ich hier war und es verlangt in mir nach neuen Büchern. Ich will nicht danach suchen, sondern finden. Hier kann ich es. Ich bin in der besten Buchhandlung der Welt, wie ich finde. Dussmann Das Kulturkaufhaus hat nicht nur den schönsten Buchbereich, die meisten Bücher, die schönste Auswahl an guter Literatur, die beste Beratung und die beste Buchhändlerin, sondern auch ganz viel von Haruki Murakami.

 Ich bin öfters dort, gehe genussvoll durch die Regale. Immer wieder ein kleiner Kurzurlaub. Durchatmen. Ab und zu schiebe ich ein Buch zurecht. Besucher sind oft nicht achtsam. Sie berühren, greifen, heben ein Buch hoch, lesen die Rückseite und legen es nicht ordentlich zurück, obwohl jedes Buch doch ein Schatz ist, das genauso einen schönen Raum, eine Ordnung verdient, wie jeder und alles auf der Welt. Zusätzlich erspart es jeder/jedem Buchhändler_in einfach Arbeit. Jede Achtsamkeit schenkt Zeit und sei es etwas Zeit zum Träumen oder Lesen.

Ich genieße es gerade nachzudenken, einfach an diesem Ort zu sein. Oft duftet es nach frischen Büchern, eine Neuentdeckung lacht mich an und ein David Bowie-Bereich ist auch nicht weit entfernt. Unendlich viele Bücher, wundervolle Schreibsachen und im Café gibt es eines der besten Earl Greys überhaupt.

Herzlachen.

Stets bleibe ich bei den Fächern von Murakami stehen. Manchmal berühre ich ein Buch, aber nur zaghaft damit es keine Spuren davon trägt und mit dem schönen Herzklopfen kaufe ich dann meistens einige Bücher. Nicht immer Murakami. Diesmal ist es W.G Sebald „Austerlitz“

Auch die Kassiererin ist sehr nett. Ein kurzer Plausch ergibt sich. Nach dem Zahlen, gehe ich noch einmal zu den vorderen Büchertischen.

Seit vielen Jahren haben sie ein System. Eine perfekte Bücherordnung. Manchmal gerät diese etwas aus dem Takt. Ich bemerke dies. Es ist als würde jemand für eine Zeit fehlen. Fehlende Hände, die allem einen Zauber geben. Nie ist es dann unordentlich, aber anders. Wie eine gerade Linie, die etwas kippt. Nicht heute. Alles hat das schönste System für Bücher, das ich kenne. Etwas später setze ich mich auf meinen neuen Lieblingsplatz und schaue in zwei Murakami Bücher, die ich kurz aus dem Regal nahm. Meine Exemplare habe ich natürlich gerade nicht dabei. Die Abendsonne dringt durch die Scheiben von Dussmann, kitzelt die Seiten und mich. Ich denke an Haruki Murakamis „Unheimliche Bibliothek“ und den Schafsmann.

Haruki Murakami. Die unheimliche Bibliothek.

Eine etwas düstere Geschichte und doch so wundervoll. Der Protagonist ist ein Junge, der von seinen Erlebnissen in der Stadtbibliothek erzählt. Am Anfang ist alles normal. Er betritt die Bibliothek mit seinen nagelneuen Lederschuhen. Bücher werden zurückgegeben und alles hat, wie ich gerade schrieb eine Ordnung.

„Ich hüte die Bücher wie ein Schäfer die Schafe“ S.1

Nach diesem Satz war ich schon wieder vertieft in Murakami`s Welt und seine wunderbare Art zu schreiben, verliebt.Immer tiefer gelangt der Junge auf der Suche nach einem Buch in die Bibliothek. Das diese sogar einen Keller hat, wusste er noch nicht, obwohl er unzählige Male dort war. Doch es geschieht etwas. Er wird gefangen genommen und soll 3 Bücher auswendig lernen. Erschrocken, ängstlich ist er an diesem düsteren Ort. Schnell kommt auch eine so bekannte und geliebte Figur von Murakami´s Büchern hinzu-Der Schafsmann. Es mag dunkel in dieser Geschichte zugehen und diese kurzweilige Geschichte wirft Fragen auf, aber ein Wiedersehen beim Lesen mit dem Schafsmann ist wundervoll. Hinzu kommt ein stummes Mädchen, welches gleich ein wenig verzaubernd wirkt. Sie hat eine ganz besondere Art zu sprechen. In den Zeilen steckt eindeutig Murakami, skurril, die Realität verschwimmt und selbst das Unfassbare, so Ungewöhnliche wird selbstverständlich, wenn man Murakami-Leserin ist, wie ich.

Haruki Murakami. Naokos Lächeln.

„Naokos Lächeln“ halte ich auch in den Händen. Wenn ich ein neues Exemplar benötige, würde ich es nie woanders kaufen, als bei Dussmann. Immer, wenn ich es wieder einmal lese, finde ich etwas Neues darin. Einen geschriebenen Augenblick von Murakami, der mich dann mehr gefangen nimmt als vorher. Diesmal ist es der Moment als Naoko und Turo Watanabe sich näher kommen, aber zuvor weint Naoko bitterlich, um ihren besten Freund. Den größten Schmerz empfinden wir aus Trauer, wenn wir einmal loslassen können, aus der oft eingehaltenen Form fallen dürfen. Irgendwie befreit es. Das Buch ist das Buch meines Lebens, alles stimmt darin. Von dem Verlust bis zu dem unvergessenen Lachen., das jemanden in der Realität gehört. Ich denke für jeden Menschen gibt es ein passendes Buch. Ein Buch, das auf merkwürdige Weise einen großen Teil des eigenen Lebens in sich trägt. Egal, wo ich dieses Buch sehe, mache ich fast Luftsprünge, könnte tanzen. In Herzen passen eben nicht nur besondere Menschen, eine intelligente, belesene Frau mit einem Lächeln, wie aus einem Buch oder ein Haustier, sondern eben auch Bücher. Naokos Lächeln bewohnt hinter meiner Brust einen sehr geräumigen, luftigen Raum.

Minuten später laufe ich noch einmal durch das ganze Haus. Schön. Ich lege die Bücher zurück. Ganz ordentlich wo sie waren und poste dann diesen Beitrag. Ein traumhafter Nachmittag, dessen Wege durch Bücher gingen und ein Lächeln bewahren. Was kann es Besseres als die Buchwelt geben? Nichts, denke ich.

Danke an das Kulturkaufhaus Dussmann.

Haruki Murakami.Die unheimliche Bibliothek. DuMont Buchverlag. 29 November 2013. 64 Seiten. 14.99 €

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